Das Fränkische Reich, das vom 5. bis ins 9. Jahrhundert bestand, war der bedeutendste Nachfolgestaat des im Jahr 476 untergegangenen Weströmischen Reiches und die historisch wichtigste Reichsbildung in Europa seit der Antike. Es entstand aus dem römischen Gallien und angrenzenden rechtsrheinischen germanischen Siedlungsgebieten während der Epoche der Völkerwanderung und wuchs unter den Dynastien der Merowinger und Karolinger zu einer Großmacht heran, die weite Teile West-, Mittel- und Südeuropas beherrschte. Aus seiner östlichen Hälfte entwickelte sich das Heilige Römische Reich, aus seiner westlichen das spätere Königreich Frankreich; der moderne Staat Frankreich trägt noch heute den Namen des Frankenreiches.
Die Franken traten erstmals in den 250er Jahren des 3. Jahrhunderts als Franci in römischen Quellen in Erscheinung. Seit dem späten 4. Jahrhundert dienten sie als foederati, als germanische Verbündete im Dienst des Kaiserreiches, für die Verteidigung der Rheingrenze. Der römische Historiker Ammianus Marcellinus berichtete vom Kampf des Unterkaisers Julian gegen die Salfranken im Jahr 358: Diese hätten sich erfrecht, auf römischem Boden in der Region Toxandrien ihren Wohnsitz zu nehmen. Diese frühe Präsenz im Grenzland zwischen Römern und Germanen legte den Grundstein für die spätere Machtübernahme.
Nach dem Tod des mächtigen weströmischen Heermeisters Aëtius im Jahr 454 glitt Gallien mehr und mehr aus weströmischer Kontrolle. Als das Weströmische Reich um 476 unterging, füllten die Franken das entstehende Machtvakuum. Im Norden Galliens hatte sich zwar ein römisches Restreich unter dem Kommandeur Syagrius im Gebiet um Soissons halten können, das vom Rest des Imperiums abgeschnitten war. Dieser Rest wurde jedoch von Chlodwig I., dem Sohn des salfränkischen Herrschers Childerich von Tournai, im Jahr 486 oder 487 besiegt. Chlodwig übernahm das Herrschaftsgebiet und das Kommando über die verbliebenen römischen Truppen.
Chlodwig war zunächst nur einer von mehreren fränkischen Kleinkönigen. Er nutzte seinen Sieg über Syagrius als Sprungbrett, um nacheinander die anderen fränkischen Teilreiche zu beseitigen und ein einheitliches germanisch-romanisches Reich zu gründen. Er beseitigte unter anderem den Rex Sigibert von Köln sowie Ragnachar. Im Jahr 496 oder 506 führte er erfolgreiche Kriege gegen die Alamannen, und im Jahr 507 besiegte er die Westgoten in der Schlacht von Vouillé, nach der er sie fast vollständig aus Gallien verdrängte. Der Besitz getöteter oder vertriebener römischer Grundherren fiel an den Herrscher und finanzierte die weiteren Feldzüge.
Unter den merowingischen Königen, die durch häufige Erbteilungen geschwächt wurden, gewannen die Hausmeier, die obersten Verwaltungsbeamten des Palastes, zunehmend an Macht. Die Karolinger, die ihren Aufstieg dieser Position verdankten, übten bereits seit dem späten 7. Jahrhundert die tatsächliche politische Macht aus, während die merowingischen Könige als sogenannte Faulkönige nur noch eine Repräsentationsfunktion innehatten. Im Jahr 751 übernahmen die Karolinger schließlich selbst die Königswürde, als Pippin III. mit päpstlicher Billigung den letzten Merowinger absetzen ließ.
Den Höhepunkt seiner Macht und Ausdehnung erreichte das Frankenreich unter Karl dem Großen, der von 768 bis 814 regierte. In jahrzehntelangen Feldzügen unterwarf er die Sachsen, die Langobarden in Italien, Teile Spaniens und weitere Völker. Am Weihnachtstag des Jahres 800 krönte Papst Leo III. Karl in Rom zum Kaiser der Römer, womit die Idee des erneuerten Römerreiches wieder aufgegriffen wurde. Das karolingische Reich erstreckte sich nun von der Ebro-Mündung im Westen bis zur Elbe im Osten und von Dänemark im Norden bis nach Mittelitalien im Süden.
Karl der Große war nicht nur Feldherr, sondern auch Förderer von Bildung und Kultur. Die sogenannte karolingische Renaissance, eine bewusste Wiederbelebung des Lateins und der antiken Bildungstradition, prägte die geistige Entwicklung des frühen Mittelalters entscheidend. Klöster wurden zu Zentren des Schreibens und Lernens, und ein geistliches und weltliches Beamtentum entstand, das auf einheitlichen Rechts- und Verwaltungsnormen aufbaute.
Nach dem Tod Ludwigs des Frommen, des Sohnes Karls, zerbrach das Reich an den Erbstreitigkeiten seiner Söhne. Der Vertrag von Verdun im Jahr 843 teilte das Karolingerreich in drei Teile: das West-, das Ost- und das Mittelreich. Aus dem Ostreich entwickelte sich das spätere Heilige Römische Reich, aus dem Westreich entstand das Königreich Frankreich, während das Mittelreich rasch unter die anderen beiden aufgeteilt wurde.
