guerras

Guerilla

Form des Krieges bzw. aufständische Einheiten

5 min01/01/2024
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Der Begriff Guerilla gehört zu jenen Wörtern, die aus einem konkreten historischen Moment heraus entstanden und im Laufe der Jahrhunderte eine Bedeutungsweite erlangten, die weit über ihren Ursprung hinausgeht. Etymologisch ist die Guerilla ein Diminutivum des spanischen Wortes guerra, also Krieg, und bedeutet wörtlich soviel wie kleiner Krieg oder Kleinkrieg. Das spanische guerra selbst geht wie das französische guerre auf das germanische Wort werra zurück, das Streit oder Verwirrung bedeutet, und ist verwandt mit dem althochdeutschen wërra, dem mittelniederländischen warre und dem neuenglischen war.

Als historischer Ausgangspunkt für die moderne Verwendung des Begriffs gilt der Spanische Unabhängigkeitskrieg von 1807 bis 1814, der Krieg gegen die französische Fremdherrschaft unter Napoleon Bonaparte. In diesem Konflikt kämpften spanische Irreguläre in kleinen, beweglichen Einheiten gegen die disziplinierte Großmacht der napoleonischen Armee. Die Spanier nannten diese Einheiten partidas de guerrilla, Spähtrupps oder kleine Kampfverbände, und es waren eben diese Kämpfer, die dem Begriff seinen bleibenden Platz im Kriegswesen gaben.

In Deutschland interessierte sich niemand Geringeres als Friedrich Ludwig Jahn, der Turnvater, für diese Kampfform. Er wollte seine Turner als Guerilla gegen Napoleon führen, als eine Art bewaffnete Volksbewegung, die dem fremden Joch Widerstand leisten sollte. In Spanien hat das Wort guerrilla aufgrund seiner Verbindung mit dem Befreiungskampf eine durchgehend positive Konnotation, ähnlich wie in Deutschland die Befreiungskriege oder der Begriff Volkskrieg, wie er in den frühen Denkschriften des Generals August Neidhardt von Gneisenau beschrieben wurde. In beiden Ländern verband sich die Idee des Kleinkriegs mit dem Gedanken der nationalen Selbstbehauptung gegen einen übermächtigen Aggressor.

Guerillakrieg bezeichnet eine besondere Form der Kriegführung, die sich fundamental von konventionellen Auseinandersetzungen unterscheidet. Während reguläre Armeen in geordneten Schlachtreihen aufeinandertreffen und feste Frontlinien halten, operiert die Guerilla im Verborgenen. Sie meidet die offene Feldschlacht, greift dort an, wo der Feind schwach ist, und zieht sich zurück, bevor dieser reagieren kann. Überraschungsangriffe, Sabotageaktionen, das Untergraben feindlicher Versorgungslinien und die Nutzung des Geländes als Verbündeten sind typische Merkmale dieser Taktik. Die Wahl konkreter Methoden hängt dabei von den jeweiligen Kräfteverhältnissen und der Phase des Aufstands ab.

Die Aufstandsbekämpfung, also die Anti-Guerilla-Kriegsführung, erfordert ihrerseits besondere Maßnahmen und Taktiken. Auch reguläre Armeen können Guerillataktiken in bestimmten Situationen anwenden, insbesondere beim verdeckten Einsatz kleinerer Einheiten hinter den feindlichen Linien. In Afrika und anderen Regionen mit geringer Infrastruktur wird der Kampf regulärer Truppen gegen irreguläre Verbände oft als Buschkrieg bezeichnet, eine Bezeichnung, die die geografischen und logistischen Besonderheiten dieser Konflikte widerspiegelt.

Im 20. Jahrhundert erlangten die Begriffe Guerilla und Guerillakrieg eine herausragende politische Bedeutung. In den Dekolonisierungsprozessen der Nachkriegszeit wurden sie zur Sammelbezeichnung für sozial oder national begründete Befreiungskämpfe in wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern. Von Indochina über Algerien bis nach Angola und Mosambik kämpften Guerillabewegungen gegen die europäischen Kolonialmächte und prägten das Selbstverständnis einer ganzen Generation von Befreiungsbewegungen. Figuren wie Vo Nguyen Giap in Vietnam oder Amilcar Cabral in Portugiesisch-Guinea wurden zu Vorbildern eines Krieges, der mit begrenzten Mitteln gegen eine militärisch überlegene Macht geführt wurde.

In Lateinamerika entwickelte sich der Begriff Guerillero beziehungsweise Guerillera zur gängigen Bezeichnung für Untergrundinnen und Untergrundkämpfer. Persönlichkeiten wie Ernesto Che Guevara, der argentinisch-kubanische Revolutionär, wurden zu weltberühmten Symbolen dieser Bewegung. Guevara theoretisierte den Guerillakrieg als universale Methode der revolutionären Befreiung und versuchte, seine Ideen in Kuba, Bolivien und anderen Ländern in die Praxis umzusetzen, mit wechselndem Erfolg und schließlich mit dem eigenen Tod.

Interessant ist die semantische Verschiebung, die der Begriff im Deutschen erfahren hat. Die Bedeutung kann je nach grammatischem Geschlecht variieren. Die Guerilla bezeichnet entweder den Guerillakrieg als Kampfform oder aufständische Kampfgruppen, die einen solchen Krieg führen. Der Guerilla hingegen meint einen einzelnen Kämpfer. In Europa werden irreguläre Einheiten traditionell als Partisanen bezeichnet, im Kontext von antikolonialen Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg dagegen in der Regel als Guerilla.

Das Wort hat längst auch Eingang in nicht-militärische Kontexte gefunden. Guerilla-Marketing bezeichnet in der Wirtschaft kreative, unkonventionelle Werbemethoden, die mit kleinem Budget maximale Aufmerksamkeit erzielen, in bewusster Anlehnung an die militärische Taktik der Überraschung und des geschickten Ressourceneinsatzes. Auch im politischen Bereich spricht man von Guerilla-Aktionen, wenn unkonventionelle Methoden eingesetzt werden, um etablierte Machtverhältnisse herauszufordern. Die Karriere dieses Begriffs ist somit eine Geschichte davon, wie aus einem lokalen Kampfphänomen eine universale Metapher für den Kampf des Schwächeren gegen den Stärkeren wurde.

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