Gabriel Byrne gehört zu jenen irischen Künstlern, deren Lebensgeschichte selbst einem Roman gleicht: voller Wendungen, Brüche und überraschender Neuanfänge. Als irischer Filmschauspieler von internationalem Format hat er sich in Jahrzehnten des Schaffens ein Repertoire erarbeitet, das von düsteren Gangsterfilmen über klassische Theaterstücke bis hin zu psychologischen Fernsehdramen reicht.
Er wurde am 12. Mai 1950 in Crumlin bei Dublin, Irland, als erstes von sechs Kindern eines Böttchers und Soldaten und einer Krankenschwester geboren. Früh musste er mit Verlust umgehen: Eine seiner Schwestern starb schon in jungen Jahren. Er wuchs in einem streng römisch-katholischen Haushalt auf und hielt selbst als Jugendlicher lange daran fest, Priester werden zu wollen. Dieser Wunsch trieb ihn in ein Knabenseminar in England, wo er viereinhalb Jahre verbrachte.
Doch die Erfahrungen in diesem Seminar hinterließen Wunden. Byrne enthüllte in der irischen Fernsehshow „The Meaning of Life", dass er während seines dortigen Aufenthalts Opfer sexueller Belästigung geworden war. Diese Erlebnisse ließen ihn endgültig von dem Gedanken abrücken, Priester zu werden. Mit fünfzehn Jahren kehrte er nach Dublin zurück, wo er sich zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs durchschlug, bevor er an der Universität Dublin Literatur, Archäologie, Spanisch und Gälisch studierte.
Eine Zeit lang lebte und arbeitete er als Englischlehrer in Spanien, kehrte dann nach Dublin zurück und unterrichtete Spanisch an einer Mädchenschule. Diese Jahre des Umherziehens, des Lehrens und des Lebens in verschiedenen Kulturen hinterließen ihre Spuren in der Vielseitigkeit, die seine spätere Arbeit auszeichnen sollte.
1979 begann Byrne seine Theaterlaufbahn am Focus Theatre in Dublin. Die damalige Leiterin Deirdre O'Connell führte ihn, wie auch Colm Meaney, in das Schauspielhandwerk nach Stanislawski ein, eine methodische Grundlage, die seine Darstellungsweise dauerhaft prägte. Anschließend wechselte er ans Project Theatre, das damals von Jim Sheridan geleitet wurde, dem heute renommierten irischen Regisseur. Zu den frühen Ensemblemitgliedern jener Zeit gehörten auch Liam Neeson und Stephen Rea, eine bemerkenswerte Konzentration irischen Talents an einem Ort. Es folgten Auftritte in den Fernsehserien The Riordans und Bracken, bevor er 1981 in John Boormans Artus-Epos Excalibur erstmals vor einer Filmkamera stand.
1994 spielte er den deutschen Philosophieprofessor Friedrich Bhaer in Betty und ihre Schwestern. Neben seiner Schauspielarbeit betätigte er sich auch als Produzent, Drehbuchschreiber, Autor und Regisseur. Der von ihm produzierte Film Im Namen des Vaters war 1993 in der Kategorie Bester Film für einen Oscar nominiert, ein Zeichen für sein Engagement jenseits der reinen Darstellerrolle.
Am Theater feierte er bedeutende Erfolge am Broadway. Zweimal übernahm er die männliche Hauptrolle in Stücken von Eugene O'Neill: 2000 in Ein Mond für die Beladenen und 2005 in Fast ein Poet. 2003 war er in dem Stück gegen die Todesstrafe The Exonerated zu sehen, das auf Berichten tatsächlich entlassener Todeskandidaten beruhte.
Seinen vielleicht größten Erfolg im Fernsehen feierte er von 2008 bis 2010 mit der Hauptrolle des Psychotherapeuten Dr. Paul Weston in der HBO-Serie In Treatment – Der Therapeut. Diese Rolle brachte ihm 2009 einen Golden Globe Award sowie zwei Emmy-Nominierungen ein und zeigte seine Fähigkeit, in ruhigen, dialogintensiven Formaten eine packende Präsenz zu entfalten.
Im Privatleben war Byrne bis 1999 mit der Schauspielerin Ellen Barkin verheiratet, die er 1987 bei den Dreharbeiten zu dem Film Siesta kennengelernt hatte. Aus der Ehe gingen ein Sohn, geboren 1989, und eine Tochter, geboren 1992, hervor. Um seinen Kindern nahe zu sein, lebt Byrne seit einiger Zeit in New York City. In Deutschland wird er unter anderem von Klaus-Dieter Klebsch synchronisiert. Im Jahr 1999 veröffentlichte er mit Pictures In My Head eine Autobiographie, die Einblick in sein ungewöhnliches Leben gewährt.
