imperios

Philipp V. (Spanien)

König von Spanien

6 min01/01/2024
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Philipp V. von Anjou, auf Spanisch Felipe V., trat als junger Mann in die Geschichte Europas ein und hinterließ als erster Bourbon auf dem spanischen Thron ein Erbe, das bis in die Gegenwart reicht. Sein Leben war von Anfang an durch dynastische Ambitionen und kriegerische Verwerfungen geprägt. Er wurde am 19. Dezember 1683 in Versailles geboren und war der zweite Sohn des Dauphin Ludwig sowie seiner Gemahlin Maria Anna Victoria von Bayern. Damit wuchs er als Enkel des Sonnenkönigs Ludwig XIV. am prächtigsten Hof Europas auf, was seine Weltsicht und seine Ansprüche nachhaltig formte.

Im Schloss von Versailles genoss Philipp eine sorgfältige Erziehung, die ihm François Fénelon, der Erzbischof von Cambrai, und Paul de Beauvilliers angedeihen ließen. Er war der jüngere Bruder von Louis, dem Herzog von Burgund, und stand im Jahr 1700 nach seinem Vater und seinem älteren Bruder an dritter Stelle der französischen Thronfolge. Sein jüngerer Bruder war Charles, der Herzog von Berry. Diese Konstellation im bourbonischen Stammbaum sollte sich als bedeutsam für ganz Europa erweisen.

Als im Jahr 1700 der spanische König Karl II. kinderlos starb, befand sich die europäische Diplomatie in höchster Erregung. Karl II. hatte Philipp in seinem Testament als Erben der spanischen Habsburger eingesetzt, und Ludwig XIV. proklamierte seinen Enkel daraufhin zum König von Spanien. Doch die österreichischen Habsburger und eine breite Koalition europäischer Mächte bestritten dieses Erbrecht vehement. Sie fürchteten, eine bourbonische Doppelmonarchie könnte das europäische Gleichgewicht dauerhaft zugunsten Frankreichs verschieben. Aus dieser Ablehnung erwuchs der Spanische Erbfolgekrieg, der von 1701 bis 1713 und 1714 Europa in Flammen setzte.

In diesem Krieg standen die bourbonischen Staaten Frankreich und Spanien zusammen mit einigen Verbündeten, darunter den wittelsbachischen Kurfürstentümern Bayern und Köln, einer mächtigen Koalition gegenüber, deren Kern Österreich, Großbritannien und die Niederlande bildeten. Für Philipp gingen in Spanien zeitweilig Aragon und Katalonien mit Barcelona an den habsburgischen Gegenkönig, den Erzherzog Karl, verloren, der spätere römisch-deutsche Kaiser Karl VI. Auch die spanischen Besitzungen in Italien fielen vorübergehend an die österreichischen Habsburger. Die Lage wandelte sich erst, als Karl nach dem Tod seines Bruders Kaiser Joseph I. im Jahr 1711 selbst das Kaisertum erbte und damit die gesamten habsburgischen Erbländer in einer Hand vereinte. Nun fürchteten die bisherigen Verbündeten des Kaisers eine habsburgische Vorherrschaft und die antibourbonische Koalition zerfiel.

Um die Alliierten zu beruhigen und die Gefahr einer Personalunion zwischen Spanien und Frankreich auszuschließen, verzichtete Philipp V. am 5. November 1712 förmlich darauf, Spanien und Frankreich je unter einem Zepter zu vereinen, sollte seine französische Verwandtschaft aussterben. Damit war das Haupthindernis für einen Frieden beseitigt. Der Friede von Utrecht 1713 und 1714 brachte einen weitgehenden Kompromiss: Philipp durfte ganz Spanien und sein riesiges Kolonialreich behalten, musste aber sämtliche spanischen Besitzungen in Italien und den Niederlanden abtreten, darunter die Königreiche Neapel, Sizilien und Sardinien, das Herzogtum Mailand sowie die Spanischen Niederlande. Besonders folgenreich war die Abtretung Gibraltars an Großbritannien, das die strategisch wichtige Meerenge bis heute verwaltet.

Phillipp war nicht nur ein politischer Spielball, sondern nahm persönlich an Feldzügen in Italien teil. Während seiner Abwesenheit überließ er die Regierungsgeschäfte seiner Frau Maria Luisa, die als Regentin in Spanien amtierte. Die faktische Macht übte dabei maßgeblich Marie-Anne de La Trémoille aus, die erste Kammerdame der Königin. Nach dem frühen Tod Maria Luisas heiratete Philipp in zweiter Ehe Elisabeth Farnese, die ebenfalls erheblichen politischen Einfluss gewann und vor allem die Rückgewinnung der verlorenen italienischen Territorien anstrebte.

Im Jahr 1724 überraschte Philipp Europa mit einer unerwarteten Abdankung zugunsten seines Sohnes Ludwig I. Dieser starb jedoch noch im selben Jahr, erst siebzehn Jahre alt, woraufhin Philipp die Regierung wieder übernahm. Dieser Episode zufolge war Philipp von schwerer Melancholie und psychischen Krisen geplagt, was seine Regierungsfähigkeit zeitweise stark einschränkte. Dennoch herrschte er insgesamt 45 Jahre lang über Spanien, eine Regierungszeit, die die längste in der Geschichte der spanischen Monarchie geblieben ist.

Philipps wichtigstes innenpolitisches Werk war die Durchsetzung einer tiefgreifenden Verwaltungsreform. Die sogenannten Decreto de Nueva Planta schafften im Zuge des Erbfolgekrieges die traditionellen Sonderrechte Aragons und Kataloniens ab und zentralisierten den Staat nach französischem Vorbild. Diese Maßnahme prägte die spanische Staatsorganisation für Jahrhunderte und ist in ihrer historischen Bedeutung kaum zu überschätzen.

Philipp V. starb am 9. Juli 1746 in Madrid. Sein Erbe war vielschichtig: Einerseits hatte er die Bourbonendynastie dauerhaft auf dem spanischen Thron verankert, andererseits einen langen und verlustreichen Krieg geführt, der Spaniens Stellung als europäische Großmacht endgültig hinter Frankreich, Österreich und das aufstrebende Großbritannien zurückfallen ließ. Dennoch bleibt Philipp V. als Begründer einer neuen Ära in der Geschichte Spaniens unvergesslich, einer Ära, die das Land mit der politischen und kulturellen Moderne Westeuropas verknüpfte.

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