Die Kaiserlich Japanische Armee, auf Japanisch als Dai-Nippon Teikoku Rikugun — das Heer des Kaiserreichs Groß-Japan — bekannt, war von 1868 bis 1945 die offizielle Landstreitkraft des Japanischen Kaiserreiches. Sie wurde vom Generalstab und dem Heeresministerium befehligt und bildete zusammen mit der Kaiserlich Japanischen Marine die bewaffneten Streitkräfte des Reiches, die in Kriegszeiten gemeinsam vom Daihon'ei, dem Kaiserlichen Oberkommando, geführt wurden.
Der Ursprung dieser Armee liegt im Boshin-Krieg, jenem Bürgerkrieg, der die Meiji-Restauration einleitete. Die loyalistische Fraktion, die den Kaiser wieder an die Macht bringen wollte, schuf im März 1868 eine Garde nach westlichem Muster, bestehend aus 500 Soldaten, großteils Samurai aus den kaisertreuen Hochburgen Satsuma und Choshu. Neben diesen Samuraieinheiten integrierte die neue Armee bereits bestehende, nach westlichen Grundsätzen kämpfende Verbände. Gleichzeitig wurde ein Militärangelegenheitenbüro mit getrennten Zweigen für Heer und Marine sowie eine nach modernen Standards ausgerichtete Heeresoffizierschule gegründet.
Die Schaffung einer stehenden Armee, die die alten Standesgrenzen der feudalen Gesellschaft überwand, war ein zentrales Anliegen der Reformer um Kaiser Meiji. Die Wehrpflicht galt als Schule der Nation und wurde sowohl mit militärischer Notwendigkeit im Wettbewerb gegen die als überlegen empfundenen westlichen Mächte als auch als Rückgriff auf alte japanische Traditionen des Militärdienstes gegenüber dem Kaiser begründet. Die Regierung versuchte 1868, ein Rekrutierungssystem einzuführen, das jeden Han zu zehn Rekruten pro zehntausend Koku verpflichtete. Dieses System scheiterte jedoch und wurde 1869 durch eine national zentralisierte Rekrutierung ersetzt.
Der militärische Erfolg im Boshin-Krieg war überzeugend. Nach der Einnahme der Hauptstadt Edo am 3. September 1869 wurden die verbliebenen Unterstützer des Bakufu in mehreren Feldzügen bis Ende des Jahres niedergeworfen. Entscheidend dabei war die Überlegenheit der westlichen Waffen, insbesondere der Artillerie, gegenüber den traditionell kämpfenden Samurai.
Nach dem Sieg im Bürgerkrieg wurde die Armee planmäßig ausgebaut. Die kaiserliche Garde sollte auf 6.200 Mann anwachsen, gegliedert in moderne Infanterie, Artillerie und Kavallerie. Zunächst orientierte man sich an einem niederländischen Armeehandbuch von 1829. Ab 1872 begann Japan mit der Produktion französischer Bronzegeschütze, und ab Mitte der 1870er Jahre wurden zunehmend Geschütze der Firma Krupp importiert. Im Jahr 1873 wurde die Infanterieschule Toyama gegründet, die nach einer Übersetzung eines französischen Infanteriehandbuchs von 1869 unterrichtete, während spezielle Truppengattungen wie Artillerie und Nachrichtentruppe eigene Ausbildungsstätten unterhielten. 1875 wurde die Heeresoffizierschule zur vollwertigen Militärakademie aufgewertet.
Ebenfalls 1873 versuchte die Regierung, ein Wehrpflichtsystem nach französischem Vorbild einzuführen: Jeder körperlich taugliche Mann sollte drei Jahre aktiven Dienst und vier weitere Jahre in der Reserve ableisten. Da die Armee damals jedoch nur 17.900 Mann zählte, ergab sich in der Praxis eine tatsächliche Einziehungsrate von lediglich drei bis sechs Prozent. Die Einführung der Wehrpflicht stieß bei der Landbevölkerung auf heftigen, teils gewalttätigen Widerstand, und die Regierung schob die vollständige Umsetzung zunächst auf, während sie kurzzeitig ein Milizsystem propagierte.
Die innenpolitischen Spannungen entluden sich 1877 in der Satsuma-Rebellion. Unter dem ehemaligen General Saigo Takamori stellte eine Armee von 30.000 Samurai den Herrschaftsanspruch der Zentralregierung offen in Frage. Die Niederschlagung dieser Rebellion war ein Wendepunkt: Die reguläre Wehrpflichtarmee bewährte sich gegen die Elitekämpfer der alten Ordnung und bewies, dass das neue militärische System der Meiji-Zeit tragfähig war.
In den folgenden Jahrzehnten durchlief die Kaiserlich Japanische Armee eine rasante Modernisierung und expandierte in mehreren Kriegen. Im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg von 1894 bis 1895 und im Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905 bewies sie ihre Schlagkraft auf internationalem Niveau. Die Armee wurde zum zentralen Instrument japanischer Expansionspolitik in Asien und wuchs im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zu einem Millionenheer an.
Mit der Niederlage Japans im August 1945 und der bedingungslosen Kapitulation endete die Geschichte der Kaiserlich Japanischen Armee. Die alliierte Besatzungsmacht unter General Douglas MacArthur ordnete ihre vollständige Auflösung an. Die neue japanische Verfassung von 1947 enthielt in Artikel 9 den Kriegsverzicht, der die Gründung einer neuen Armee zunächst untersagte. Das Erbe der Kaiserlich Japanischen Armee ist bis heute ein viel diskutiertes Thema in Japan und in ganz Ostasien, eng verbunden mit den Verbrechen, die im Namen des Kaisers in China und anderen Teilen Asiens begangen wurden.