guerras

Vietnamesische Volksarmee

Streitkräfte der sozialistischen Republik Vietnam

5 min01/01/2024
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Die Vietnamesische Volksarmee, auf Vietnamesisch Quan Doi Nhan Dan Viet Nam, ist eine der kampferprobten Streitkräfte Südostasiens. Als Streitkräfte der Sozialistischen Republik Vietnam bildet sie das militärische Rückgrat eines Landes, das im 20. Jahrhundert jahrzehntelang in schwere Kriege verwickelt war und dabei gegen mächtige Gegner antrat, ohne zu unterliegen. Im englischsprachigen Raum ist sie auch unter dem Kürzel NVA bekannt, für North Vietnamese Army.

Die Ursprünge der Vietnamesischen Volksarmee reichen in den antikolonialen Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft zurück. Ho Chi Minhs und Vo Nguyen Giaps Bewegung der Viet Minh bekämpfte seit 1941 die französische Kolonialmacht in Vietnam. Am 22. Dezember 1944 wurde zunächst eine Propaganda-Einheit gebildet, die im Mai 1945 in Vietnamesische Befreiungsarmee umbenannt wurde. Im September 1945 folgte eine weitere Umbenennung in Vietnamesische Nationale Verteidigungsarmee. Seit 1950 trägt die Organisation ihren heutigen Namen. Vo Nguyen Giap bekleidete bis 1972 den Posten des ersten Oberbefehlshabers.

Im Indochinakrieg kämpfte die Volksarmee für die Unabhängigkeit unter kommunistischer Führung gegen Frankreich. Am Ende dieses Konflikts verfügte sie über fünf Infanteriedivisionen und eine schwere Division nach sowjetischem Vorbild. Gegen Kriegsende gelang es der Volksarmee mit chinesischer Unterstützung, ein Luftverteidigungskorps aufzubauen, das mit leichten Flugabwehrgeschützen gegen die französische Luftwaffe vorging. Im Jahr 1957 führte Nordvietnam die allgemeine Wehrpflicht ein, die nach einer Testphase 1960 landesweit ausgeweitet wurde. 1959 wurde das erste Panzerregiment der Volksarmee aufgestellt, ausgestattet mit 35 T-34-Panzern und 16 SU-76-Selbstfahrlafetten. Im selben Jahr begann auch der Aufbau einer Luftwaffe, die zunächst auf erbeutete französische Transportflugzeuge amerikanischer Bauart zurückgriff.

Im Vietnamkrieg wuchs die reguläre Truppenstärke der Volksarmee gegen Ende 1965 auf rund 400.000 Mann an. Diese Kräfte waren in zehn Divisionen, sechs unabhängige Regimenter und eine unbekannte Zahl unabhängiger Bataillone gegliedert. Die Artillerietruppe wurde verdoppelt, ein zweites Panzerregiment aufgestellt, und die Luftverteidigungsartillerie wuchs auf 21 Regimenter und 41 Bataillone. Im Sommer 1965 wurden die ersten raketenbestückten Luftabwehreinheiten aufgestellt, die fortan die Herausforderung durch die amerikanische Luftwaffe annahmen. Neben den regulären Streitkräften spielten im Süden ausgehobene Guerillaverbände eine bedeutende Rolle. Diese lokalen Kräfte wurden während des Krieges auf ganz Nordvietnam ausgedehnt, sodass jedes Dorf über rund hundert Teilzeitguerillas verfügte. Nach offiziellen Angaben waren insgesamt etwa 1,4 Millionen Menschen in diesem Milizsystem eingebunden.

Das Jahr 1975 brachte die entscheidende Wende. Eine konventionell geführte Offensive der Volksarmee führte zum Zusammenbruch Südvietnams und damit zum Ende eines mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Krieges. Der 30. April 1975, der Tag des Einmarsches in Saigon, markiert in der vietnamesischen Geschichtsschreibung den Tag der Befreiung und nationalen Wiedervereinigung.

In den Jahrzehnten nach dem Vietnamkrieg sah sich die Volksarmee weiteren Bewährungsproben gegenüber. Auseinandersetzungen mit den Roten Khmer an der kambodschanischen Grenze und ein kurzer, aber blutiger Grenzkrieg mit China 1979 forderten der Armee erneut alles ab. Diese Erfahrungen festigten das Prestige der Streitkräfte in der Bevölkerung erheblich.

Heute gliedert sich die Vietnamesische Volksarmee bei einer Gesamtstärke von 450.000 Soldaten in drei Teilstreitkräfte. Die Landstreitkräfte bilden mit 380.000 Mann den größten Anteil. Die Luftstreitkräfte umfassen 30.000 Soldaten, die Volksmarine 40.000. In die Marine ist eine Marineinfanterie von 27.000 Soldaten integriert. Darüber hinaus existieren paramilitärische Einheiten im Umfang von 40.000 Soldaten sowie eine Reserve von fünf Millionen Mann. Es gilt eine allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen, obwohl in der Praxis nur Männer einberufen werden. Die Dienstzeit beträgt zwei Jahre bei den Landstreitkräften und drei Jahre bei Marine und Luftstreitkräften.

Das Verteidigungsbudget belief sich im Haushaltsjahr 2025 auf umgerechnet 10,4 Milliarden US-Dollar. Vietnam sieht sich nach Einschätzung der Regierung derzeit keiner akuten militärischen Bedrohung von außen gegenüber, weshalb die Truppenstärke und die Verteidigungsausgaben in den vergangenen Jahren reduziert wurden. Dennoch gilt die vietnamesische Armee als eine der schlagkräftigsten in der gesamten Region.

Innenpolitisch nimmt das Militär in Vietnam eine starke Stellung ein. Viele hochrangige Militärs bekleiden einflussreiche Positionen in Partei und Staat. Der aktuelle Staatspräsident Luong Cuong ist ein ehemaliger General der Volksarmee, was exemplarisch für die enge Verflechtung von militärischer und politischer Führung steht. Diese Verbindung von Streitkräften und Parteiapparat ist ein strukturelles Merkmal des vietnamesischen politischen Systems, das seine Wurzeln in der revolutionären Gründungsgeschichte des Landes hat.

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