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Edgar Allan Poe

US-amerikanischer Schriftsteller

6 min01/01/2024
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Edgar Allan Poe ist eine der faszinierenden und tragischsten Gestalten der amerikanischen Literaturgeschichte. Sein kurzes, turbulentes Leben und sein unverwechselbares literarisches Werk haben ihn zu einer der einflussreichsten Figuren gemacht, die das Schreiben über Schrecken, Trauer und die dunklen Seiten der menschlichen Seele in kunstvolle Formen gegossen hat.

Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, als Sohn zweier Schauspieler geboren: Elizabeth Arnold Hopkins Poe, in England geboren, und David Poe aus Baltimore. Die Eltern hatten 1806 geheiratet und spielten gemeinsam mit den Charleston Comedians. Schon im Jahr seiner Geburt verließ der Vater die Familie – was danach aus ihm wurde, blieb bis heute ungeklärt. 1811 starb seine Mutter Elizabeth in Richmond an Tuberkulose, im Alter von nur 23 Jahren.

Zurück blieben drei Kinder: Edgar, sein zwei Jahre älterer Bruder Henry und seine jüngere Schwester Rosalie. Henry kam zu seinem Großvater David Poe senior; Rosalie und der zweijährige Edgar blieben zunächst mittellos. Das Schicksal der jungen Schauspielerin erschütterte die Damen der besseren Richmonder Gesellschaft. Frances Allan überzeugte ihren Mann John Allan, einen erfolgreichen Kaufmann, den kleinen Edgar aufzunehmen. Seine Schwester Rosalie wurde von einer anderen Familie aufgenommen. Edgar nahm den Zweitnamen Allan an, wurde jedoch nie formell adoptiert und galt Außenstehenden gegenüber als Mündel.

Das Verhältnis zwischen Poe und seinem Ziehvater John Allan war von Beginn an ambivalent. Mal verwöhnte Allan ihn, mal war er übermäßig streng. Die Firma von John Allan und seinem Geschäftspartner James Ellis hatte 1812 unter dem Britisch-Amerikanischen Krieg gelitten, entwickelte sich aber danach gut. 1815 beschloss die Firma, ihre Geschäfte in Europa auszubauen – John Allan, ursprünglich aus Schottland stammend, reiste mit Frau, Schwägerin und Ziehsohn nach Großbritannien.

Ab Winter 1815 besuchte Poe die Old Grammar School im schottischen Irvine, der Heimatstadt seines Ziehvaters. Da er von der Familie getrennt war, willigte Allan ein, ihn in London unterrichten zu lassen. 1816 und 1817 besuchte Poe ein Internat in Chelsea, danach die Schule des Reverend John Bransby in Stoke Newington. Diese Londoner Schulzeit hinterließ bleibende Spuren in seinem literarischen Werk, insbesondere in der Erzählung William Wilson, in der eine ähnliche Schule eine symbolische Rolle spielt.

Die Wirtschaftskrise von 1819 trieb Allans Firma beinahe in den Bankrott und zwang die Familie 1820 zur Rückkehr nach Richmond. Von 1820 bis 1825 lebte die Familie Allan in vergleichsweise einfachen Verhältnissen. 1825 änderte sich die Situation schlagartig: John Allans Onkel William Galt, einer der reichsten Männer Richmonds, starb und hinterließ seinem Neffen eine Dreiviertelmillion US-Dollar. Dieser plötzliche Reichtum wiegte Poe in der Hoffnung, einst auch Allan zu beerben.

In Richmond genoss Poe eine gute Erziehung, zeigte außergewöhnliche Sprachbegabung und entwickelte sich zu einem hervorragenden Sportler, besonders als Schwimmer. Mit vierzehn Jahren verliebte er sich in Jane Stanard, die dreißigjährige Mutter eines Schulfreundes. Die Schwärmerei endete tragisch: Jane Stanard starb ein Jahr später in geistiger Umnachtung. Dieser frühe Verlust prägte Poes Beziehung zu Frauen und zu dem Thema des Todes schöner Frauen, das sein späteres literarisches Schaffen durchzieht.

Poes literarisches Werk ist von unvergleichlicher Originalität und Breite. Er prägte entscheidend die Gattung der Kurzgeschichte und begründete wesentlich die Genres der Kriminal-, Horror- und Schauerliteratur. Erzählungen wie The Fall of the House of Usher, The Raven oder The Murders in the Rue Morgue setzten Standards, die bis heute gültig sind. Seine Lyrik beeinflusste in Europa unter anderem Charles Baudelaire, der Poes Werke ins Französische übersetzte und ihn in der symbolistischen Bewegung zur Referenzfigur machte.

Einzelne seiner Erzählungen bereiteten auch der Science-Fiction den Boden, und Jules Verne sah in Poe eine wichtige Inspirationsquelle. Das Detektivgenre – von Arthur Conan Doyle bis in die Gegenwart – hat in Auguste Dupins analytischen Methoden, die Poe in mehreren Erzählungen entwickelte, seinen Ursprung.

Poes persönliches Leben war von Armut, Alkohol und Verlust geprägt. Er starb am 7. Oktober 1849 in Baltimore, Maryland, unter bis heute ungeklärten Umständen – er war 40 Jahre alt. Die genaue Todesursache blieb Gegenstand von Spekulationen: von Alkoholvergiftung über Tollwut bis hin zu anderen Erkrankungen wurden verschiedene Hypothesen aufgestellt. Sein Tod war so geheimnisvoll wie viele seiner Erzählungen.

Jedes Jahr, jahrzehntelang bis 2009, erschien zu Poes Geburtstag in Baltimore eine mysteriöse Gestalt an seinem Grab und legte Rosen und Kognak nieder – eine Hommage, die selbst ein literarisches Rätsel zu sein scheint. Edgar Allan Poe bleibt eine der unvergesslichsten Stimmen der Weltliteratur: dunkel, brillant und unheimlich aktuell.

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