Das Haus Braganza, auf Portugiesisch Bragança geschrieben, ist eine der bedeutendsten Adelsdynastien der iberischen Halbinsel. Benannt nach der gleichnamigen Stadt im Nordosten Portugals, stellte dieses Geschlecht von 1640 bis 1853 die Könige von Portugal und von 1822 bis 1889 auch die Kaiser von Brasilien. Seine Geschichte ist eine Geschichte von Aufstieg, Fall, Rehabilitation und schließlich Triumph über widrigste Umstände.
Die Ursprünge des Hauses gehen auf das Jahr 1377 zurück, als Alfons von Braganza als nichtehelicher Sohn König Johanns I. von Portugal geboren wurde. Johann I. war der Gründer des Hauses Avis, das Portugal über mehr als zwei Jahrhunderte regieren sollte. Alfons war wegen seiner Geburt außerhalb der Ehe nicht zur Thronfolge berechtigt, stand aber bei seinem Vater in hohem Ansehen. Im Jahr 1401 heiratete er Beatriz, die Erbtochter des Nuno Álvares Pereira, des berühmten Helden der Schlacht von Aljubarrota. Durch diese Verbindung erbte er ausgedehnte Ländereien. Im Jahr 1442 erhob ihn Peter von Portugal, der damalige Regent des Königreiches, zum ersten Herzog von Braganza. Beim Tod des Begründers war das Haus bereits zur mächtigsten Adelsfamilie Portugals nach der regierenden Königsfamilie aufgestiegen.
In den folgenden Generationen pflegte das Haus Braganza enge dynastische Verbindungen zu den regierenden Avis-Königen. Praktisch in jeder Generation kam es zu Eheschließungen zwischen beiden Familien. Doch unter Ferdinand II., dem dritten Herzog von Braganza, der von 1430 bis 1483 lebte, erlebte die Familie einen dramatischen Einbruch. König Johann II., der seit 1481 regierte, versuchte systematisch, die Macht der großen Adelsfamilien zu beschneiden und die königliche Autorität zu stärken. Dies brachte ihn zwangsläufig in Konflikt mit dem mächtigsten Adelshaus des Landes. Ferdinand opponierte gegen den König und soll sich sogar mit kastilischen Gegnern verbündet haben, was historisch allerdings umstritten ist. Der König gewann den Machtkampf. Ferdinand wurde wegen Hochverrats verurteilt und im Jahr 1483 in Évora enthauptet. Der Familienbesitz wurde eingezogen, und Ferdinands minderjähriger Sohn Jakob musste ins kastilische Exil fliehen.
Die Wende brachte König Emanuel I., der das Haus Braganza rehabilitierte und ihm seine Besitzungen zurückerstattete. Jakob kehrte aus dem Exil zurück und wurde 1498 sogar zum Thronerben erklärt, weil Emanuel I. zu diesem Zeitpunkt noch keinen männlichen Nachkommen hatte. Als 1502 jedoch ein Sohn geboren wurde, der spätere König Johann III., trat das Haus Braganza wieder in den Hintergrund.
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte Portugals und damit auch des Hauses Braganza war das Jahr 1580. Mit Kardinal Heinrich starb der letzte König aus dem Hause Avis. Johann I., der sechste Herzog von Braganza, erhob Ansprüche auf den Thron für seine Frau Katharina, eine Enkelin Emanuels I. Doch er vermochte nicht zu verhindern, dass die Krone an die spanischen Habsburger fiel, die ebenfalls eng mit dem Haus Avis verwandt waren. Der spanische König Philipp II. bestieg als Philipp I. auch den portugiesischen Thron.
Von 1580 bis 1640 stand Portugal unter der Herrschaft der spanischen Habsburger in Personalunion. In dieser Zeit verhielten sich die Herzöge von Braganza loyal zu den spanisch-portugiesischen Monarchen, die ihnen im Gegenzug weitreichende Autonomie einräumten. Das Herzogtum Braganza wurde fast wie eine eigenständige Einheit innerhalb Portugals verwaltet. Doch für Portugal selbst war diese Epoche keine Wohltat. Während Philipp I. die dem Land zugesagte Autonomie noch respektierte, schränkten seine Nachfolger diese zunehmend ein, bis Portugal faktisch zur spanischen Kolonie degradiert war. Die spanische Großmacht war in alle großen Kriege der Zeit verwickelt, vom Habsburgisch-Französischen Gegensatz über die osmanische Bedrohung bis hin zum Dreißigjährigen Krieg, und Portugal musste die finanziellen Lasten mittragen, ohne von diesen Kriegen zu profitieren.
Diese Situation führte schließlich zur Restauration. Im Jahr 1640 nutzten portugiesische Adlige eine Schwächeperiode Spaniens, um einen Aufstand zu organisieren. Sie boten Johann IV. aus dem Haus Braganza die Krone Portugals an, und dieser nahm an. Portugal erlangte damit seine Unabhängigkeit zurück, und das Haus Braganza bestieg den Thron, den es bis 1853 innehalte.
Die Geschichte des Hauses Braganza reicht weit über die Grenzen Portugals hinaus. Als Folge der napoleonischen Kriege floh der portugiesische Hof 1807 nach Brasilien, der größten und wichtigsten Kolonie Portugals. Als Johann VI. 1821 nach Europa zurückkehrte, blieb sein Sohn Pedro in Brasilien. Dieser erklärte am 7. September 1822 die Unabhängigkeit Brasiliens und wurde als Pedro I. zum ersten Kaiser des neuen Reiches. So regierte das Haus Braganza gleichzeitig auf zwei Kontinenten, was es zu einer der einflussreichsten Dynastien seiner Zeit machte. Das brasilianische Kaiserreich unter den Braganças dauerte bis 1889, als Pedro II. durch einen Militärputsch gestürzt wurde.
Das Erbe des Hauses Braganza ist heute noch in beiden Ländern spürbar. In Portugal endete die Monarchie erst 1910 mit der Ausrufung der Republik. Die Braganzas schufen über Jahrhunderte Institutionen, Allianzen und kulturelle Verbindungen, die die Geschichte Portugals und Brasiliens dauerhaft prägten. Das Haus gilt als Beispiel für dynastische Ausdauer und Anpassungsfähigkeit in einer Zeit dramatischer politischer Umwälzungen.
