Charlotte Augusta von Wales, geboren am 7. Januar 1796 in Carlton House, London, war die einzige Tochter des britischen Kronprinzen Georg, Fürst von Wales, und dessen Gemahlin Caroline von Braunschweig-Wolfenbüttel. Ihr kurzes Leben und ihr früher Tod am 6. November 1817 in Claremont House in Surrey hinterließen tiefe Spuren in der britischen Geschichte und veränderten die Thronfolge des Hauses Hannover grundlegend.
Als Prinzessin aus dem Haus Hannover stand Charlotte Augusta unmittelbar hinter ihrem Vater an zweiter Stelle der Thronfolge und galt als die künftige Königin Großbritanniens. Dieser Status verlieh ihrer Person außerordentliche politische und dynastische Bedeutung, was ihr Leben jedoch keineswegs leichter machte. Die zerrüttete Ehe ihrer Eltern überschattete ihre Kindheit von Beginn an. Georg und Caroline trennten sich bereits früh, was die Prinzessin in eine schwierige Lage brachte.
Aufgewachsen unter der Aufsicht einer Gouvernante im Chesterfield House, hatte Charlotte dennoch regelmäßig Kontakt zu ihrer Mutter Caroline, die im nahegelegenen Montague House im Londoner Vorort Blackheath wohnte. Die Besuche ermöglichten eine gewisse mütterliche Zuneigung, auch wenn die Rahmenbedingungen von politischen Spannungen und Hofintrigen geprägt waren.
Als Kronprinzessin und potenzielle Thronfolgerin war ihre Verheiratung ein Staatsakt. 1813 wurde Charlotte zunächst mit Wilhelm von Nassau-Oranien verlobt, dem Erbprinzen der Niederlande. Die Verbindung erschien dynastisch vorteilhaft, doch Charlotte traf eine eigenständige Entscheidung: 1814 löste sie die Verlobung auf, ein Akt, der für eine Frau ihrer Zeit und ihres Standes bemerkenswert mutig war und von einer ungewöhnlich starken Persönlichkeit zeugte.
Die Begegnung, die ihr Leben verändern sollte, fand im Sommer 1814 statt. Im Gefolge von Zar Alexander I. von Russland, der London besuchte, befand sich der junge Prinz Leopold von Sachsen-Coburg, der spätere erste König der Belgier. Charlotte und Leopold lernten sich kennen, und trotz des erzwungenen Wartens setzte sich ihre Zuneigung durch. Im Januar 1816 verlobten sie sich offiziell, und am 2. Mai 1816 fand die Hochzeit in Carlton House statt. Zeitgenossen beschrieben die Ehe als außerordentlich glücklich, was in der aristokratischen Welt des frühen 19. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit war.
Die Hoffnungen des Königreichs ruhten auf dem jungen Paar, und die Nachricht einer Schwangerschaft wurde mit Freude aufgenommen. Doch das Schicksal hatte ein tragisches Ende vorgesehen. Am 5. November 1817 erlitt Charlotte Augusta eine Totgeburt, und nur einen Tag später, am 6. November 1817, starb sie im Alter von 21 Jahren in Claremont House.
Die Trauer im britischen Volk war immens. Charlotte galt als volksnah und sympathisch, als Gegenpol zu den oft unbeliebten männlichen Mitgliedern des Hauses Hannover. Ihr Tod erschütterte das Land und löste gleichzeitig eine dynastische Krise aus. Da Charlotte das einzige eheliche Kind des Thronfolgers war, riss ihr Tod eine Lücke in die Sukzession. Die jüngeren Brüder ihres Vaters, allesamt kinderlos oder unverheiratet, begannen nun fieberhaft, standesgemäße Ehefrauen zu suchen, um die Erbfolge zu sichern. Diese Folgeentwicklungen führten unter anderem zu der Ehe, aus der schließlich Königin Victoria hervorging.
Charlotte Augusta wurde in der königlichen Gruft der St. George's Chapel von Windsor Castle beigesetzt. Ihr Name lebt in der kanadischen Geographie fort, denn der Name der Insel Princess Charlotte Monument wird auf sie zurückgeführt. Ihr kurzes Leben und ihr tragischer Tod sind ein eindringliches Kapitel britischer Dynastiegeschichte, das zugleich zeigt, wie das Schicksal einer einzelnen Person den Lauf der Geschichte eines Königreichs verändert.


