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Abbasiden-Kalifat

Islamisches Großreich (750–1258)

7 min01/01/2024
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Das Abbasiden-Kalifat gehört zu den langlebigsten und kulturell bedeutendsten Herrschaftsstrukturen der islamischen Geschichte. Gegründet im Jahr 749 durch die Dynastie der Abbasiden, lösten diese im Jahr 750 die Umayyaden in der Regierung des Kalifats ab und begründeten eine Ära, die bis zur mongolischen Zerstörung Bagdads im Jahr 1258 andauerte. Der Name der Dynastie geht auf al-Abbas ibn Abd al-Muttalib zurück, einen Onkel des Propheten Mohammed, der zur arabischen Sippe der Haschimiten gehörte.

Die Wurzeln der Abbasiden reichen in die erste Generation nach dem Tod des Propheten zurück. Al-Abbas selbst schloss sich Mohammed im Jahr 630 bei der Einnahme Mekkas an, und der Prophet bestätigte ihn in seinem ererbten Amt der Siqaya, der rituellen Versorgung der Pilger mit Wasser. Al-Abbas ließ sich in Medina nieder und unterhielt ein zwar angespanntes, aber formell respektiertes Verhältnis zu den drei ersten Kalifen. Politische Ämter wurden ihm jedoch nie übertragen. Er hinterließ mehrere Söhne, von denen Abdullah ibn al-Abbas der bedeutendste wurde.

Abdullah ibn Abbas, der im Jahr 687 oder 688 starb, erwarb sich unter dem Kalifen Ali ibn Abi Talib militärisches Ansehen: Er soll bei der Kamelschlacht im Jahr 656 und bei der Schlacht von Siffin im Jahr 657 Truppen des Kalifen kommandiert haben. Im Winter 656 auf 657 ernannte ihn Ali zum Gouverneur von Basra. Nach Alis Ermordung im Jahr 661 zog sich Abdullah zunächst nach Mekka zurück und siedelte sich dann in at-Taif an, wo er als Koranexeget und Rechtsgelehrter wirkte. Die Führung der Abbasidenfamilie ging nach seinem Tod auf seinen jüngsten Sohn Ali über.

Ali ibn Abdullah, der im Jahr 735 starb, wählte im Gegensatz zu seinem Bruder al-Abbas eine politisch kluge Linie: Er unterstützte die Umayyaden während des Zweiten Bürgerkrieges von 680 bis 692. Als Lohn dafür siedelte er nach Syrien über, wo er mit dem späteren Kalifen al-Walid, der von 705 bis 715 regierte, Freundschaft schloss und großzügige Zuwendungen erhielt. Mit diesem Kapital erwarb er ein ausgedehntes Landgut in und um al-Humaima südöstlich des Toten Meeres. Freilich verlor er später die Gunst des Herrschers, wurde öffentlich gedemütigt und auf eine Insel des Dahlak-Archipels verbannt. Erst im Jahr 714 durfte er zu seiner Familie nach al-Humaima zurückkehren.

Schon vor dem Tod Alis ging die Familienführung auf seinen Sohn Muhammad über, der im Jahr 743 starb. Dieser unterhielt enge Kontakte zu Abu Haschim, dem Sohn von Muhammad ibn al-Hanafiya, der als Imam einer Untergruppe der Kaisaniya galt. Dem Überlieferungsbericht bei at-Tabari zufolge übertrug Abu Haschim kurz vor seinem Tod Muhammad ibn Ali dieses Imamat in al-Humaima. Ob dies historisch gesichert ist oder eine spätere Legitimationskonstruktion darstellt, wird in der modernen Forschung unterschiedlich bewertet.

Der eigentliche Aufstieg zur Macht vollzog sich in einer langen Phase der Untergrundpropaganda, der Dawah, die die Abbasiden von al-Humaima aus betrieben. Sie nutzten die wachsende Unzufriedenheit im Osten des Reiches, vor allem in der Provinz Chorasan, wo arabische und persische Muslime sich von den arabischen Umayyaden benachteiligt fühlten. Im Jahr 749 proklamierte Abu al-Abbas as-Saffah in Kufa das abbasidische Kalifat, und im Jahr 750 entschied die Schlacht am Großen Zab den Krieg zugunsten der Abbasiden. Der letzte Umayyadenkalif Marwan II. floh nach Ägypten, wo er noch im selben Jahr ermordet wurde.

Die abbasidische Herrschaft verlegte das Machtzentrum des islamischen Reiches von Damaskus nach Osten. Im Jahr 762 gründete der Kalif al-Mansur die Stadt Bagdad am Tigris, die rasch zur pulsierenden Metropole der damaligen Welt aufstieg. Das sogenannte goldene Zeitalter des Islam, das unter dem Abbasiden-Kalifat erblühte, war geprägt von enormem wissenschaftlichem, philosophischem und literarischem Aufblühen. Das Bayt al-Hikma, das Haus der Weisheit in Bagdad, wurde zum Zentrum der Übersetzung und Weiterentwicklung griechischen, persischen und indischen Wissens.

Das Abbasiden-Kalifat in Bagdad wurde im Jahr 1258 durch den Einfall der Mongolen unter Hulagu Khan beendet. Die Belagerung und Zerstörung Bagdads gilt als eines der verheerendsten Ereignisse der mittelalterlichen Geschichte. Der letzte regierende abbasidische Kalif, al-Mustasim, wurde hingerichtet. Die Stadt, die jahrhundertelang als Nabel der islamischen Welt gegolten hatte, lag in Trümmern.

Doch die Abbasidendynastie überlebte in gewisser Form. Der mamlukische Sultan Baibars I. in Ägypten setzte einen abbasidischen Nachfolger als Nominalkalifen in Kairo ein. Dieses Ersatz-Kalifat übte keinerlei reale politische Macht mehr aus und war eine Art religiöses Legitimationsinstrument der Mamluken. Es fand außerhalb des Herrschaftsgebietes der Mamluken kaum noch Anerkennung. Mit der Eroberung Kairos durch die Osmanen im Jahr 1517 endete auch dieser letzte Abkömmling der abbasidischen Linie. Heute leben Nachfahren der Abbasiden vorwiegend in Palästina.

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