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Österreich-Ungarn

Staat in Mitteleuropa (1867–1918)

5 min01/01/2024
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Österreich-Ungarn, offiziell als Österreichisch-Ungarische Monarchie bezeichnet, war eines der schillerndsten und zugleich widersprüchlichsten politischen Gebilde des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Realunion entstand auf Grundlage des österreichisch-ungarischen Ausgleiches vom 8. Juni 1867 und bestand bis zum 31. Oktober 1918, als Ungarn aus der Realunion austrat. In dieser gut fünfzigjährigen Periode war sie die zweitgrößte Macht Mitteleuropas und ein Vielvölkerstaat von faszinierender innerer Vielschichtigkeit.

Die Entstehung der Doppelmonarchie war das Ergebnis des preußisch-österreichischen Krieges von 1866 und der Niederlage Wiens gegen Preußen. Geschwächt und in seiner deutschen Vorherrschaft erschüttert, sah sich Kaiser Franz Joseph I. genötigt, mit dem Königreich Ungarn einen Kompromiss zu schließen. Der Ausgleich von 1867, in Österreich am 21. Dezember desselben Jahres verfassungsmäßig implementiert, schuf eine staatsrechtliche Konstruktion, die in ihrer Art einzigartig war: Zwei formal gleichberechtigte Staaten teilten sich ein gemeinsames Staatsoberhaupt und drei gemeinsame Ministerien für Außenpolitik, Finanzen und Militär.

Das Reich gliederte sich in zwei Hauptteile: die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder, inoffiziell Cisleithanien genannt und erst ab 1915 amtlich als Österreich bezeichnet, sowie die Länder der Heiligen Ungarischen Krone, inoffiziell Transleithanien oder schlicht Ungarn. Hinzu kam das seit 1878 besetzte und 1908 als Kondominium annektierte Bosnien und Herzegowina, dessen Eingliederung nach langen Verhandlungen erfolgte und international erhebliche Spannungen erzeugte.

Nach der Annexion Bosniens und der Herzegowina im Jahr 1908 war Österreich-Ungarn mit rund 676.000 Quadratkilometern das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas nach dem Russischen Reich. Mit 52,8 Millionen Einwohnern im Jahr 1914 war es das bevölkerungsmäßig drittgrößte Land Europas, nach dem Russischen und dem Deutschen Reich. Das Gebiet der Monarchie umfasste die Territorien der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina sowie Teile des heutigen Rumäniens, der Ukraine, Italiens, Polens und Serbiens.

Von 1867 bis 1916 regierte Franz Joseph I. als Kaiser von Österreich und Apostolischer König von Ungarn. Er verkörperte die Kontinuität der Habsburgermonarchie und wurde zu einem Symbol der Stabilität in turbulenten Zeiten. Nach seinem Tod im November 1916 übernahm sein Großneffe Karl I. beziehungsweise Karl IV. die Herrschaft, doch blieb ihm angesichts des laufenden Weltkrieges und der eskalierenden nationalen Spannungen kaum mehr als zwei Jahre auf dem Thron.

Inoffiziell wurde das Reich auf verschiedene Weisen bezeichnet: als k. u. k. Monarchie, was für kaiserlich und königlich stand und auf die gemeinsamen Einrichtungen beider Reichsteile verwies, als Donaumonarchie, weil die Donau das Territorium auf einer Länge von etwa 1.300 Kilometern durchfloss, und als Doppelmonarchie, was die staatsrechtliche Zweiteilung widerspiegelte. Der kaiserliche Doppeladler als Wappensymbol hatte damit bezeichnenderweise nichts zu tun, da das Königreich Ungarn dieses Symbol nicht führte.

Das Reich war ein Schmelztiegel der Kulturen und Völker, in dem Deutsche, Ungarn, Tschechen, Polen, Slowaken, Slowenen, Kroaten, Serben, Rumänen, Ukrainer und viele weitere Ethnien unter einem Dach lebten. Diese Vielfalt war sowohl Stärke als auch Schwäche des Gebildes. Einerseits entstanden aus dieser kulturellen Verdichtung literarische, musikalische und wissenschaftliche Leistungen von Weltrang. Andererseits erzeugten nationale Ambitionen und der Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern permanente politische Spannungen.

Der Erste Weltkrieg, dessen unmittelbarer Auslöser das Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo am 28. Juni 1914 war, führte die Monarchie in ihre letzte Krise. Nach vier Jahren verheerender Kriegsführung und dem militärischen Zusammenbruch im Herbst 1918 löste sich das Reich auf. Im Oktober 1918 entstand die Tschechoslowakei, der SHS-Staat und der Staat Deutschösterreich. Ungarn trat am 31. Oktober 1918 aus der Realunion aus. Die Verträge von Saint-Germain 1919 und Trianon 1920 besiegelten das formale Ende der Monarchie.

Nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Jahrzehnte, die auf den Zerfall folgten, hat sich sowohl in Österreich als auch in einigen anderen Nachfolgestaaten eine weitgehend positive Erinnerungskultur zur Habsburgermonarchie entwickelt. Die Epoche Franz Josephs wird oft als Zeit des Friedens, der Rechtsstaatlichkeit und der kulturellen Blüte verklärt, ein Bild, das zwar der historischen Komplexität nicht vollständig gerecht wird, aber die tiefe Prägekraft dieser Epoche auf das kollektive Gedächtnis der Nachfolgevölker eindrucksvoll belegt.

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