In den frühen Morgenstunden des 1. Januar 2025 verwandelte sich das French Quarter von New Orleans, einer der touristischsten und lebendigsten Stadtviertel der Vereinigten Staaten, in einen Ort des Schreckens. Um etwa 3:15 Uhr Ortszeit steuerte ein Fahrer einen gemieteten Pick-up des Typs Ford F-150 Lightning mit hoher Geschwindigkeit in eine dichte Menschenmenge auf der Canal Street und der Bourbon Street, wo Tausende die Ankunft des neuen Jahres feierten. Was sich in wenigen Minuten abspielte, kostete 15 Menschen das Leben und verletzte 35 weitere.
Der Täter, der Militärkleidung trug, ließ das Fahrzeug nach der Amokfahrt stehen und eröffnete mit einem Sturmgewehr das Feuer auf Polizisten. Diese erwiderten den Beschuss und erschossen ihn noch am Tatort. An der Unglücksstelle wurde ein mutmaßlicher Sprengsatz sichergstellt. Laut dem FBI wurde in dem Mietwagen zudem eine Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat aufgefunden – ein eindeutiges Zeichen auf die ideologische Motivation hinter dem Anschlag.
Das FBI identifizierte den Täter als Shamsud-Din Jabbar, geboren am 26. Oktober 1982 in Texas, einen 42-jährigen US-amerikanischen Staatsbürger muslimischen Glaubens. Zur Zeit der Tat lebte er in Pasadena, Texas. Jabbar hatte zehn Jahre lang in der US-Armee gedient, zunächst als Personalfachmann und später als Spezialist für Informationstechnologie. Im Jahr 2009 war er nach Afghanistan entsandt worden, wo er bis zum Dienstgrad eines Staff Sergeant aufstieg. Er verließ die Armee mit ehrenhafter Entlassung. In der Vergangenheit war er zweimal wegen kleinerer Vergehen verurteilt worden: 2002 wegen Diebstahls und 2005 wegen Fahrens ohne gültigen Führerschein.
Sein persönliches Leben war in den Jahren vor der Tat von erheblichen Turbulenzen geprägt. Jabbar war zweimal geschieden worden, zuerst 2012 und dann erneut 2022. Mit seiner ersten Frau hatte er zwei Töchter, die zum Zeitpunkt des Anschlags 20 und 15 Jahre alt waren. Der Ehemann seiner Ex-Frau berichtete, dass Jabbar zum Islam konvertiert sei und sich in den Monaten vor dem Anschlag zunehmend wirr verhalten habe. Finanzielle Probleme im Zusammenhang mit seiner Scheidung sollen ebenfalls eine Rolle gespielt haben. All diese Faktoren zeichnen das Bild eines Mannes in einer persönlichen Krise, die offenbar einer radikalen Ideologie den Nährboden bereitete.
New Orleans war in der Nacht auf den 1. Januar 2025 ein besonders dicht bevölkertes Ziel. Neben den üblichen Neujahrsfeierlichkeiten fanden auf der Bourbon Street LGBTQ-Partys statt, und für den Abend desselben Tages war im Caesars Superdome das Sugar Bowl 2025, ein renommiertes College-Football-Spiel zwischen den Georgia Bulldogs und den Notre Dame Fighting Irish, geplant. Die Strafverfolgungsbehörden hatten die Sicherheitsvorkehrungen für das Wochenende erhöht, unter anderem durch den Einsatz von Drohnen im French Quarter. Dennoch klafften entscheidende Sicherheitslücken.
Bürgermeisterin LaToya Cantrell und Polizeipräsidentin Anne Kirkpatrick räumten auf einer Pressekonferenz ein, dass die versenkbaren Poller, die die Zufahrt zur Bourbon Street für den Fahrzeugverkehr blockieren sollen, seit Jahren nicht ordnungsgemäß funktioniert hatten und deshalb in der Tatnacht nicht ausgefahren waren. An ihrer Stelle hatte lediglich ein Polizeiwagen die Zufahrt versperrt. Mobile Barrieren waren ebenfalls vorhanden, doch der Täter umfuhr sie, indem er über den Bürgersteig in die schmale Straße einfuhr. Diese technischen und organisatorischen Mängel waren nicht unbekannt: Bereits in einem Schreiben aus dem Jahr 2017 hatte die Stadtverwaltung auf das Risiko eines Fahrzeugangriffs im French Quarter hingewiesen. Außerdem hatten Strafverfolgungs- und Geheimdienste die örtlichen Behörden noch vor den Feiertagen vor möglichen Fahrzeugattacken gewarnt.
Ein zeitlicher Zufall verstärkte die öffentliche Aufmerksamkeit für den Anschlag: Wenig später explodierte ein Cybertruck vor dem Trump Tower in Las Vegas. Das FBI stellte jedoch klar, dass zwischen beiden Vorfällen kein direkter Zusammenhang bestand. Der republikanische Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, versprach Aufklärung und eine gründliche Untersuchung der Sicherheitsmängel.
Der Anschlag von New Orleans reiht sich in eine traurige Geschichte von Fahrzeuganschlägen ein, die seit Mitte der 2010er Jahre weltweit zugenommen haben. Das French Quarter, das Symbol von Jazz, Mardi Gras und einer einzigartigen amerikanisch-kreolischen Kultur, wurde an einem der festlichsten Abende des Jahres zum Schauplatz eines Terrorakts, der die Verletzlichkeit belebter öffentlicher Räume drastisch vor Augen führte. Die Opfer, festlich gekleidet und mitten im Feiern ihres Jahresbeginns, wurden durch einen einzigen Entschluss eines radikalisierten Einzelnen aus ihrem Leben gerissen – ein Verlust, der über das Jahr 2025 hinaus nachwirken sollte.
