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Antony Armstrong-Jones, 1. Earl of Snowdon

Britischer Fotograf und Designer

5 min01/01/2024
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Antony Charles Robert Armstrong-Jones, bekannt als Lord Snowdon, wurde am 7. März 1930 in London geboren und gehörte zu den herausragendsten britischen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Seine Karriere verband auf einzigartige Weise gesellschaftliche Prominenz mit künstlerischer Integrität: Er war Hoffotograf der königlichen Familie, Porträtist von Weltstars und gleichzeitig ein Mann, der die sozialen Randzonen der britischen Gesellschaft mit dem Blick eines engagierten Dokumentaristen festhielt.

Seine familiären Wurzeln reichten in zwei sehr unterschiedliche Welten. Väterlicherseits entstammte er einer alteingesessenen walisischen Gentry-Familie: sein Vater Ronald O. L. Armstrong-Jones war Rechtsanwalt und Kronanwalt. Mütterlicherseits besaß er eine kosmopolitische Herkunft, die von der deutsch-jüdischen Bankiersfamilie Messel über mehrere Generationen bis nach England geführt hatte. Aron Messel, ein Berliner Bankier geboren 1784, war ein früher Vorfahre seiner Mutter Anne Messel. Der Berliner Architekt Alfred Messel war sein Urgroßonkel, sein Onkel der Londoner Architekt und Bühnenbildner Oliver Messel. Diese familiäre Verbindung zur Welt der Kunst und Gestaltung schimmerte durch sein gesamtes Leben hindurch.

Armstrong-Jones besuchte die renommierte Schule in Eton und begann anschließend ein Architekturstudium in Cambridge. Im Jahr 1950 nahm er am legendären Boat Race teil, dem traditionellen Ruderrennen zwischen Oxford und Cambridge auf der Themse. Nachdem er zweimal durch das Abschlussexamen gefallen war, wandte er sich der Fotografie zu, ohne jedoch auch diese Ausbildung förmlich abzuschließen. Was wie ein Scheitern wirkte, erwies sich als der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere.

Bereits ab 1951 machte sich Armstrong-Jones mit Aufnahmen gesellschaftlicher Außenseiter einen Namen. Er fotografierte in psychiatrischen Einrichtungen und in den Armenvierteln Londons, mit einer Präzision und Würde, die seinen Aufnahmen eine dokumentarische Kraft verlieh, die weit über das Illustrative hinausging. Sein bevorzugtes Handwerkszeug war zunächst eine schlichte Brownie-Box, mit der er sich unbemerkt in die Lebenswelten seiner Motive begeben konnte. Später wechselte er zur Leica, einer Kamera, die durch ihre Kompaktheit und Unauffälligkeit für ähnliche Arbeiten besonders geeignet war.

Eines seiner bekanntesten Werke aus dieser Periode ist das Porträt des zweijährigen Peter Roche, eines vernachlässigten Kindes aus der Unterschicht. Das 1965 im Rahmen einer Kampagne für die Kinderschutzorganisation NSPCC, die National Society for the Prevention of Cruelty to Children, entstandene Bild erschien auf dem Titelblatt des Magazins der Sunday Times, auf Plakatwänden und im Fernsehen. Es löste eine landesweite Debatte über Kinderschutz in Großbritannien aus und demonstrierte die gesellschaftliche Wirkungsmacht der Fotografie. Jahrzehnte später begegneten sich Fotograf und Modell erneut, eine Begegnung, die sowohl das Beharrungsvermögen des Bildes als auch die persönliche Geschichte seiner Protagonisten dokumentierte.

Parallel zu dieser sozial engagierten Arbeit war Armstrong-Jones als Hoffotograf tätig und begleitete Königin Elisabeth II. bei offiziellen Reisen. Er fertigte zahlreiche Repräsentationsfotos von Mitgliedern der königlichen Familie an und übernahm diese Aufgaben bis ins hohe Alter. Im Jahr 2007, also sieben Jahrzehnte nach Beginn seiner Karriere, fotografierte er das offizielle Bild anlässlich der Diamanthochzeit von Queen Elizabeth und Prinzgemahl Philip.

Die persönliche Verbindung zum Königshaus wurde im Jahr 1959 auf überraschende Weise gefestigt. Er erhielt den Auftrag, Prinzessin Margaret an ihrem 29. Geburtstag zu fotografieren. Aus dem professionellen Treffen entwickelte sich eine Liebesbeziehung, und am 6. Mai 1960 heirateten die beiden in der Westminster Abbey. Am 3. Oktober 1961 verlieh ihm seine Schwägerin, Königin Elisabeth II., die erblichen Peerstitel Earl of Snowdon und Viscount Linley. Die Ehe mit Prinzessin Margaret dauerte bis 1978 und galt als eine der unruhigsten und aufreibendsten im britischen Königshaus jener Zeit.

Als Designer hinterließ Armstrong-Jones ebenfalls bedeutende Spuren. Sein bekanntestes Projekt auf diesem Gebiet war die zwischen 1960 und 1963 in Zusammenarbeit mit den Architekten Frank Newby und Cedric Price entworfene Vogelanlage im Londoner Zoo. Das nach ihm benannte Snowdon Aviary war eine futuristische Konstruktion aus Netzen und Stahlstreben, die den Vögeln eine nahezu natürliche Umgebung bot und architektonisch weit ihrer Zeit voraus war. Seit 1998 steht diese Konstruktion unter Denkmalschutz.

Antony Armstrong-Jones, 1. Earl of Snowdon, starb am 13. Januar 2017 in Kensington im Alter von 86 Jahren. Er hatte in seinem langen Leben die britische Gesellschaft in all ihren Facetten fotografiert, von den Marginalisierten in den Armenvierteln bis zu den Glitzerwelten des Hochadels. Mit einer Leica und einem unbestechlichen Blick hatte er Bilder geschaffen, die in ihrer Gesamtheit ein unvergleichliches Panorama des 20. Jahrhunderts darstellen.

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