Aloe Blacc, bürgerlich Egbert Nathaniel Dawkins III, wurde am 7. Januar 1979 in Los Angeles, Kalifornien, geboren und entwickelte sich zu einer der vielschichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Soul- und R&B-Szene. Seine Musik vereint Elemente aus Soul, R&B, Reggae, Hip-Hop und Jazz zu einem unverwechselbaren Klang, der Generationen von Hörern anspricht.
Sein musikalischer Weg begann 1995, als er sich der Rap-Gruppe Emanon anschloss und als Hip-Hop-MC erste Erfahrungen sammelte. Diese Frühphase prägte sein Gespür für Rhythmus und Worte, legte aber auch die Grundlage für den Schritt zur Solokarriere. 2006 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum Shine Through bei Stones Throw Records, das unter anderem eine Coverversion von John Legends Ordinary People unter dem Titel Gente Ordinaria enthielt und seinen vielseitigen Umgang mit musikalischen Stilen demonstrierte.
Den internationalen Durchbruch brachte der Song I Need a Dollar, der als Titelmelodie für die HBO-Fernsehserie How to Make It in America verwendet wurde. Das Lied traf einen Nerv bei einem breiten Publikum, das sich mit der Botschaft des kämpfenden Alltags identifizieren konnte. In allen deutschsprachigen Ländern platzierte sich der Song in den Top 5 der Charts, erhielt in Deutschland für 300.000 verkaufte Einheiten eine Platin-Schallplatte und erreichte Rang 35 der deutschen Jahrescharts. In Großbritannien wurde das Lied erst im April 2011 veröffentlicht und schaffte es in der sechsten Chartwoche in die Top 10. Bis zum 6. Juni 2011 hatte sich I Need a Dollar allein auf der britischen Insel 400.000 Mal verkauft. In einer spielerischen Hommage an sein deutschsprachiges Publikum nahm er bei der 1LIVE Plan B Session eine Akustikversion mit dem Titel Ich brauch' nen Euro auf.
Sein künstlerisches Schaffen beschränkte sich nicht auf eigene Projekte. So komponierte er das Lied At All für die deutsche Sängerin Lena Meyer-Landrut, das auf deren Studioalbum Good News erschien, und bewies damit sein Talent als Songwriter für andere Künstler.
Die wohl bedeutsamste Zusammenarbeit seiner Karriere war jedoch die Kollaboration mit dem schwedischen Produzenten Avicii. Der Kontakt wurde durch Linkin-Park-Mitglied Mike Shinoda hergestellt. Das gemeinsam aufgenommene Lied Wake Me Up wurde beim Ultra Music Festival 2013 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert und löste unmittelbar nach seiner Veröffentlichung einen europaweiten Erfolg aus. In über 15 europäischen Ländern erreichte es Platz eins der Charts. Im Laufe des Sommers weitete sich der Erfolg weltweit aus: In Australien und Neuseeland kletterte der Titel ebenfalls auf Platz eins, in den USA auf Platz zwei. Die Single erzielte innerhalb weniger Monate sechsmal Platin- und zweimal Gold-Status und zählt bis heute zu den meistverkauften Singles der Musikgeschichte.
Als Avicii im April 2018 plötzlich verstarb, hinterließ er eine tiefe Lücke in der elektronischen Musikszene. Am 10. April 2019 erschien das Lied SOS als erste posthume Single aus dem Album Tim, das von dem Produzenten-Duo Kristoffer Fogelmark und Albin Nedler fertiggestellt wurde. Blacc steuerte den Gesang bei, nachdem die Produzenten ihn kontaktierten und berichteten, dass sein Name bereits zu Aviciis Lebzeiten als mögliche Besetzung gefallen war. Blacc beschrieb die Zeilen des Liedes als eine doppelte Botschaft: einerseits als Ausdruck von Aviciis eigenen inneren Kämpfen, andererseits als Geschenk an alle Menschen, die sich in Krisenzeiten befinden und nicht die richtigen Worte finden, um Hilfe zu rufen.
In der vierten Staffel der US-amerikanischen Version von The Masked Singer trat Blacc als Mushroom an und erreichte am 16. Dezember 2020 im Finale den zweiten Platz, was ihm eine neue Generation von Fans erschloss. Im August 2023 veröffentlichte er ein Duett mit dem deutschen Reggae-Künstler Gentleman unter dem Titel Never Let You Down und bewies damit seine anhaltende Schaffenskraft über Genregrenzen hinweg.
Aloe Blaccs Werk verkörpert die Kraft persönlicher Geschichten in universellen Melodien. Von seiner Anfängen im Hip-Hop über den globalen Triumph mit Avicii bis zu seinem Beitrag als Bewahrer von Aviciis musikalischem Erbe zieht sich ein roter Faden des Aufrichtigen, des Menschlichen durch seine gesamte Karriere.


