Alexander Cambridge, 1. Earl of Athlone, war eine der faszinierendsten Figuren des britischen Königshauses im 20. Jahrhundert. In ihm vereinten sich deutsche Herkunft, britische Pflicht und eine diplomatische Karriere von beachtlicher Reichweite, von den Schlachtfeldern des Burenkrieges bis zu den Residenzen kolonialer Generalgouverneure.
Er kam am 14. April 1874 im Kensington Palace in London zur Welt, als Prinz Alexander Augustus Frederick William Alfred George von Teck. Seine Familie entstammte einer morganatischen Linie des Hauses Württemberg, was bedeutete, dass sein Vater, Herzog Franz von Teck, zwar adeliger Herkunft war, jedoch nicht in der direkten dynastischen Erbfolge stand. Seine Mutter, Prinzessin Mary Adelaide von Großbritannien, Irland und Hannover, war die jüngste Tochter des Prinzen Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge. Durch sie war Alexander ein Mitglied der britischen Königsfamilie und der jüngste Bruder von Königin Mary, der Gemahlin König Georgs V. Die Großeltern väterlicherseits waren Prinz Alexander von Württemberg und Claudine Rhédey von Kis-Rhéde, spätere Gräfin von Hohenstein.
Alexander wuchs im Kensington Palace und im Landsitz White Lodge in Richmond Park auf, umgeben von seinen Geschwistern, zu denen auch die spätere Königin Mary gehörte. Er besuchte das Eton College und durchlief anschließend die Militärakademie Sandhurst. 1894 trat er als Berufsoffizier in eine in Indien stationierte Einheit ein, womit er einen Lebensweg einschlug, der ihn über Jahrzehnte hinweg in die entlegensten Winkel des britischen Empires führen sollte. In den Jahren 1896 und 1897 kämpfte er in Südrhodesien, ab 1899 nahm er am Burenkrieg in Südafrika teil.
Als persönlicher Adjutant des späteren Königs Georg V. und dessen Frau Mary, seiner Schwester, begleitete Alexander 1901 das Paar auf einer sechsmonatigen Reise durch das britische Weltreich auf dem Schiff Ophir. Diese Reise war weit mehr als ein Staatsbesuch; sie war eine Demonstration imperialer Macht und Kontinuität. Am 10. Februar 1904 heiratete Alexander auf Schloss Windsor Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, eine Enkelin Königin Victorias und Tochter von Prinz Leopold, Duke of Albany. Das Ehepaar bekam drei Kinder: Prinzessin May von Teck, geboren 1906, Prinz Rupert von Teck, geboren 1907, und Prinz Maurice von Teck. Der im März 1910 geborene Maurice starb noch im selben Jahr während eines Besuches des Ehepaars in Gotha im Alter von knapp sechs Monaten und fand seine letzte Ruhestätte auf der Begräbnisinsel des großen Teiches im Gothaer Schlosspark.
Der Erste Weltkrieg konfrontierte Alexander wie viele Angehörige des britischen Königshauses mit der Frage der nationalen Loyalität. Beim Ausbruch des Krieges war er bereits zum Major befördert worden und kämpfte mit seinem Regiment in Frankreich und Flandern. Später leitete er die britische Mission im belgischen Hauptquartier, ein Posten, der diplomatisches Geschick ebenso erforderte wie militärischen Sachverstand. Als König Georg V. 1917 angesichts des wachsenden innenpolitischen Drucks auf alle deutschen Titel verzichtete, legte auch Alexander auf Wunsch des Königs seine deutschen Adelstitel ab, wenn auch gegen seine persönliche Überzeugung. Am 14. Juli 1917 nahm er den Familiennamen Cambridge an, und zwei Tage später, am 16. Juli 1917, verlieh ihm der König die britischen Titel des Earl of Athlone und Viscount Trematon.
Die postmilitärische Karriere Alexander Cambridges war von einer Reihe wichtiger Ämter geprägt. Vom 21. Januar 1924 bis zum 12. April 1930 vertrat er die britische Krone als 4. Generalgouverneur in Südafrika, in einer Zeit tiefgreifender politischer Veränderungen im Verhältnis zwischen der Krone und den Dominions. Am 21. Juni 1940, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde er zum 16. Generalgouverneur von Kanada ernannt, ein Amt, das er bis zum 12. April 1946 ausübte. Von 1932 bis 1955 amtierte er außerdem als Kanzler der Universität von London, und von 1939 bis 1955 fungierte er als Präsident der Football Association, des englischen Fußballverbandes.
Alexander Cambridge diente als persönlicher Adjutant vier Königen, von Georg V. bis zu Elisabeth II., eine Kontinuität, die seinen stabilen Platz im Herzen des britischen Establishments bezeugt. Da beide seiner Söhne kinderlos starben und vor ihm das Zeitliche segneten, erloschen seine Adelstitel mit seinem Tod. Am 16. Januar 1957 starb er im Kensington Palace in London, dem Ort seiner Geburt, und wurde auf dem königlichen Friedhof von Frogmore House in Windsor beigesetzt. Zu seinen Auszeichnungen zählten unter anderem das Großkreuz des Ordens der Württembergischen Krone von 1888, das Distinguished Service Order von 1901 und das Knight Grand Cross des Royal Victorian Order.