Sir John Moore war einer der fähigsten britischen Heerführer der Napoleonischen Zeit, dessen Leben am 16. Januar 1809 auf dem Schlachtfeld vor A Coruña ein jähes Ende fand. Sein Tod im Augenblick des taktischen Erfolgs verhalf ihm zu einem der bewegendsten Nachrufe der britischen Militärgeschichte – unsterblich gemacht durch die elegische Ode des irischen Dichters Charles Wolfe: The Burial of Sir John Moore after Corunna.
Moore wurde am 13. November 1761 in Glasgow geboren und trat bereits 1776 als Ensign in die britische Armee ein. Damit begann eine militärische Karriere, die ihn in nahezu alle Konfliktherde der damaligen Welt führen sollte. Den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg machte er bis 1783 mit und sammelte dabei erste Kampferfahrungen auf dem nordamerikanischen Kontinent. Parallel zu seiner Militärkarriere vertrat er von 1784 bis 1790 als Abgeordneter für Linlithgow Burghs die Interessen eines schottischen Wahlkreises im House of Commons.
1794 nahm er an der Eroberung der Insel Korsika teil, 1796 kämpfte er als Brigadier-General auf den Westindischen Inseln und bekleidete im Mai desselben Jahres das Amt des Gouverneurs von Santa Lucia. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn 1797 zur Rückkehr nach Großbritannien, doch kaum erholt, warf er sich erneut in die Kämpfe: Er schlug Rebellen in Irland nieder und nahm 1799 als Major-General am britischen Invasionsversuch in Holland teil, wo er gegen die französischen Truppen focht. Im Jahr 1800 kämpfte er in Ägypten, wo er sich trotz einer Verwundung bei Abukir besonders bei der Belagerung von Kairo auszeichnete. 1804 wurde er für seine Verdienste zum Knight Companion des Bathordens erhoben.
1805 erhielt Moore ein Kommando auf Sizilien, und 1808 übergab ihm die Regierung das Kommando über ein Korps von 10.000 Mann, das Schweden im Kampf gegen die Koalition aus Frankreich, Russland und Dänemark unterstützen sollte. Doch das Unternehmen scheiterte noch vor dem ersten Schuss: Bei der Landung geriet Moore mit König Gustav IV. in schweren Konflikt und wurde von diesem tatsächlich verhaftet. Er kehrte mit seinen Truppen unverrichteter Dinge nach Großbritannien zurück.
Wenig später wurde er nach Portugal entsandt, wo sich die Lage auf der Iberischen Halbinsel dramatisch zugespitzt hatte. Moore vereinigte seine Kräfte mit General David Baird und stieß bis nach Burgos vor, in der Hoffnung, dort Unterstützung von den spanischen Insurgenten zu finden. Doch die Lage trübte sich rasch ein: Die spanischen Verbündeten erwiesen sich als unzuverlässig, und Napoleons Truppen drohten, das britische Korps von der Küste abzuschneiden. In einer riskanten, aber militärisch notwendigen Entscheidung ordnete Moore den Rückzug nach La Coruña an. Dieser Rückzug durch das winterliche Nordspanien wurde zu einem Meisterwerk der Kriegsführung unter widrigsten Bedingungen. Das Korps war den Verfolgern an Zahl unterlegen, geschöpft von Kälte und Erschöpfung, und doch hielt Moore seine Truppen zusammen.
Als er am 16. Januar 1809 in La Coruña die Einschiffung der Truppen anordnete, holten ihn die Kräfte des Marschalls Soult ein. Eine entscheidende Nachhutschlacht entbrannte. Moore führte seine Männer persönlich in die Kämpfe und fiel dabei – eine Kanonenkugel traf ihn tödlich. Doch das Ziel war erreicht: Sein Korps entkam und wurde gerettet. Moore selbst wurde noch auf dem Schlachtfeld begraben.
Zu seinem Andenken wurden Denkmäler in der Westminster Abbey und in Glasgow errichtet. Sein Bruder veröffentlichte 1809 die Geschichte des spanischen Feldzuges sowie 1834 eine Biografie des Generals. Moores Einfluss auf die britische Militärgeschichte reicht weit über seinen Tod hinaus: Als Kommandant des Übungsplatzes Shorncliffe hatte er in den Jahren zuvor eine neue Infanterietaktik entwickelt, die auf Schützengefecht, eigenständigem Denken der Unteroffiziere und schneller Beweglichkeit beruhte. Diese Ausbildungsmethoden prägten die berühmten Schützenbrigaden, die unter Wellington in den folgenden Jahren wesentlich zum britischen Erfolg auf der Iberischen Halbinsel beitrugen. Sir John Moore, Freimaurer und Mitglied der Renfrew County Kilwinning Lodge Nr. 11 in Paisley, bleibt einer der markantesten Charaktere der britischen Militärgeschichte.


