Alexander Georg Wurz, am 15. Februar 1974 im niederösterreichischen Waidhofen an der Thaya geboren, ist eine der faszinierendsten Sportpersönlichkeiten Österreichs. Seine Biografie liest sich wie ein Abenteuerroman: BMX-Weltmeister, Formel-1-Pilot, zweifacher Sieger beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und heutiger Verkehrssicherheitsexperte — ein Mann, der in jeder Disziplin, die er anging, Außergewöhnliches leistete.
Motorsport liegt in der Familie Wurz im Blut. Sein Vater Franz Wurz war Müllermeister, ehe er als dreifacher Rallycross-Europameister in den Jahren 1974, 1976 und 1982 in der Motorsportwelt bekannt wurde und später Leiter der ÖAMTC-Fahrtechnikzentren und Verkehrssicherheitsexperte wurde. Schon der Großvater, der Waldviertler Mühlenbesitzer Franz Wurz senior, galt in den 1950er Jahren mit seinem BMW 328 als bekannter Autorennfahrer in Österreich.
Doch bevor Alexander Wurz die Rennstrecke für sich entdeckte, glänzte er im Radsport. Sein größter früher Erfolg war der BMX-Weltmeistertitel im Jahr 1986 — dazu gesellte sich der Vizeeuropameistertitel im selben Jahr. Später pflegte er gemeinsam mit dem Ex-Mountainbiker Markus Rainer ein eigenes Mountainbike-Team namens Siemens Cannondale Mountainbike Racing, das mehrere Weltcupsiege erringen konnte.
Der Weg in den Motorsport begann beim Kartfahren. Ab 1991 startete Wurz in der Österreichischen Formel Ford 1600 und gewann auf Anhieb die Meisterschaft. 1992 gelang ihm das Doppel in Österreich und Deutschland, bevor er in die Formel 3 aufstieg. Auch dort wurde er sogleich österreichischer Meister, und 1994 erreichte er den Vizeweistertitel in der deutschen Formel 3.
Das Jahr 1996 markierte einen Wendepunkt seiner Karriere. In der Internationalen Tourenwagenmeisterschaft fuhr er für das Team Joest einen Opel Calibra. Noch wichtiger war jedoch sein erster Start beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf einem von Joest eingesetzten Porsche. Gemeinsam mit Davy Jones und Manuel Reuter gewann er das Rennen auf Anhieb — und schrieb damit Geschichte: Mit 22 Jahren wurde er zum jüngsten Sieger in der Geschichte des berühmten Sportwagenklassikers.
Für die Saison 1997 sicherte sich Wurz einen Testvertrag beim Formel-1-Team Benetton, in dem mit Gerhard Berger zu jener Zeit ein weiterer Österreicher fuhr. Als Berger verletzungsbedingt drei Rennen aussetzen musste, übernahm Wurz als Ersatzpilot. Beim Großen Preis von Großbritannien in Silverstone fuhr er als Dritter auf das Podest — ein beeindruckender Einstand. Ab 1998 war er Stammfahrer des Benetton-Playlife-Teams.
Nach drei Jahren bei Benetton wechselte Wurz 2001 zu McLaren Mercedes als offizieller Test- und Ersatzfahrer, wo er bis 2005 verblieb. In dieser Zeit vertrat er Juan Pablo Montoya beim Großen Preis von San Marino in Imola und fuhr als Dritter abermals auf das Podium. Für 2006 wechselte er in gleicher Funktion zum traditionsreichen britischen Team Williams, wo er 2007 den zu Red Bull Racing gewechselten Mark Webber als Stammfahrer ersetzte — sein erstes reguläres Formel-1-Cockpit seit sechs Jahren.
Beim Großen Preis von China 2007 in Shanghai kündigte Wurz überraschend seinen sofortigen Rücktritt vom aktiven Formel-1-Rennsport an. Den letzten Saisonlauf in Brasilien bestritt Williams-Testfahrer Kazuki Nakajima. Im Januar 2008 unterzeichnete Wurz einen Beratervertrag mit dem Honda-Team, der vom Nachfolger Brawn GP — dem heutigen Mercedes Grand Prix — übernommen wurde. Beim Singapur-Grand-Prix 2008 übernahm er sogar das Steuer des offiziellen Safety Cars, nachdem der reguläre Fahrer erkrankt war.
Von 2008 bis 2011 bestritt Wurz für Peugeot Sport ausgewählte Läufe des Le Mans Cups, bevor er von 2012 bis 2015 mit dem Toyota-Werksteam in der FIA World Endurance Championship antrat. 2009 gewann er beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans ein zweites Mal den Gesamtsieg — dreizehn Jahre nach seinem ersten Triumph. Seit 2014 ist Alexander Wurz Präsident der Grand Prix Drivers' Association und hat sich als Verkehrssicherheitsexperte international einen Namen gemacht — ganz in der Tradition seines Vaters.


