misterios

José Zorrilla y Moral

Spanischer Dichter und Dramatiker

4 min01/01/2024
Anúncio

José Zorrilla y Moral gilt als einer der herausragendsten Vertreter der spanischen Romantik, ein Dichter und Dramatiker, dessen Name untrennbar mit dem literarischen Erbe seiner Heimat verbunden ist. Er wurde am 21. Februar 1817 in Valladolid geboren, als Sohn eines streng gesinnten karlistischen Vaters und seiner Mutter Nicomedes Moral. Die Familie zog in den frühen Jahren durch mehrere Städte – Burgos und Sevilla gehörten dazu – bevor sie sich schließlich in Madrid niederließ, wo der Vater eine Stelle bei der Polizei annahm und der junge José das Seminario de Nobles, eine renommierte Jesuitenschule, besuchte.

Mit dem Tod König Ferdinands VII. im Jahr 1833 veränderte sich die Lage der Familie grundlegend. Der Vater, politisch verdächtig, wurde nach Lerma verbannt; José wurde an die Universität Toledo geschickt, wo er Rechtswissenschaften unter der Aufsicht eines Verwandten, der dort als Geistlicher wirkte, studieren sollte. Doch die akademische Welt lag dem jungen Mann fern. Er brach das Studium bald ab und kehrte trotz der erbosten Ermahnungen seines Vaters nicht auf den vorgezeichneten Pfad zurück. Eine Liebesaffäre mit einer Cousine trieb ihn vollends nach Madrid, wo er fortan als Bohemien lebte – in prekären Verhältnissen, aber glühend vor Schaffensdrang.

Der eigentliche Durchbruch kam auf dramatische Weise: Bei der Beerdigung des berühmten Literaten Mariano José de Larra im Jahr 1837 trat Zorrilla vor und rezitierte eigene Verse für den Verstorbenen. Die Anwesenden waren so tief bewegt, dass sein Name von diesem Tag an in aller Munde war. Noch im selben Jahr veröffentlichte er einen Gedichtband, der stark von den Franzosen Lamartine und Victor Hugo beeinflusst war und ihm sofort landesweiten Ruhm einbrachte.

Zorrillas Privatleben verlief hingegen weniger geradlinig. Mit zweiundzwanzig Jahren heiratete er eine achtunddreißigjährige irische Witwe namens Florentina O'Reilly, die bereits einen Sohn aus einer früheren Verbindung mitbrachte. Das gemeinsame Kind starb früh. Die Ehe war von Eifersucht und Spannungen geprägt, weshalb Zorrilla zweimal nach Frankreich floh – 1845 und 1851. Dort knüpfte er Kontakte zu den bedeutendsten Literaten seiner Zeit: Alexandre Dumas, Théophile Gautier, Alfred de Musset, George Sand und Victor Hugo gehörten zu seinen Gesprächspartnern.

1853 verbrachte er ein Jahr in London, bevor er einen noch weitreichenderen Schritt wagte: 1854 reiste er nach Mexiko, wo er fast zwölf Jahre lang blieb, unterbrochen nur von einem Aufenthalt auf Kuba im Jahr 1858. In der Neuen Welt fand er einen mächtigen Förderer in Kaiser Maximilian, der ihn zum Theaterdirektor ernannte. Diese Jahrzehnte in Übersee trugen dazu bei, seine Weltanschauung zu erweitern, schufen aber auch eine tiefe innere Zerrissenheit zwischen dem europäischen Erbe und der fremden Wirklichkeit.

Nach dem Tod seiner ersten Frau kehrte Zorrilla 1866 nach Spanien zurück. Drei Jahre später, 1869, heiratete er erneut – diesmal Juana Pacheco. Doch die wirtschaftliche Not ließ ihn nicht los. Sein berühmter Name verhinderte nicht, dass er sich beständig in finanziellen Schwierigkeiten befand. Von 1871 bis 1876 lebte er für fünf Jahre in Rom, wohl auch um der Last seiner Schulden zu entfliehen.

Die späten Jahre brachten immerhin gesellschaftliche Anerkennung. Im Jahr 1885 wurde er als Mitglied in die Real Academia Española aufgenommen, die höchste literarische Instanz Spaniens. Vier Jahre später, 1889, ehrte ihn die Stadt Granada mit einer feierlichen Krönung zum Nationaldichter – ein seltener Akt öffentlicher Würdigung. Dennoch blieb die materielle Lage düster. Erst durch die persönliche Fürsprache des Politikers Emilio Castelar gelang es, Zorrilla eine bescheidene staatliche Pension zu sichern, die ihm die letzten Lebensjahre etwas erleichterte.

Als Dichter hatte Zorrilla schon früh sein Talent unter Beweis gestellt, doch es war das Theater, das ihn unsterblich machte. Ab 1839 schrieb er mehr als zwanzig Theaterstücke. Das Werk, das er selbst für sein bedeutendstes hielt, war Traidor, inconfeso y mártir aus dem Jahr 1845 – ein historisches Drama von großer psychologischer Tiefe. Die Nachwelt jedoch erinnert sich vor allem an Don Juan Tenorio, sein Don-Juan-Drama, das noch heute in Spanien traditionell zu Allerseelen aufgeführt wird. Es ist ein Stück, das Jahrhunderte überdauert hat und den spanischen Don-Juan-Mythos in seiner definitivsten Gestalt präsentiert.

Zu seinen frühen Bühnenwerken gehörte auch Juan Dándolo aus dem Jahr 1839, das er gemeinsam mit dem Dramatiker Antonio García Gutiérrez verfasste. Weitere Werke wie Lealtad de una mujer y aventuras de una noche von 1840 und die Huldigungsschrift Apoteosis de Don Pedro Calderón de la Barca von 1842 zeugen von einem rastlosen schöpferischen Geist, der sich nie mit einer einzigen Gattung begnügte.

José Zorrilla starb am 23. Januar 1893 in Madrid, kurz nach einer Gehirnoperation, der er nicht mehr standhalten konnte. Er war siebenundsiebzig Jahre alt. Sein Tod war der Abgang eines Mannes, der in Armut geboren wurde, in der Boheme seinen Ruhm fand, in der Fremde seine Identität suchte und im Alter wenigstens symbolisch die Würde eines Nationaldichters errang.

Sein Vermächtnis lebt auf vielfache Weise fort. Der Fußballclub Real Valladolid trägt in seiner Heimatstadt ein Stadion namens Nuevo Estadio Municipal José Zorrilla, das die Erinnerung an den berühmten Sohn der Stadt wachhält. Bereits das Vorgängerstadion, das von 1940 bis 1987 genutzt wurde, trug seinen Namen. Dass eine Spielstätte für diesen romantischen Poeten benannt wurde, zeigt, wie tief sein Name im kollektiven Gedächtnis seiner Heimatstadt verankert ist.

Zorrilla war kein Mensch der Ordnung und der gesicherten Verhältnisse. Er war ein Kind seiner Zeit – leidenschaftlich, ruhelos, von Schulden gejagt und von Ehrgeiz getrieben. Doch genau diese Unbeständigkeit gab seinen Werken eine Glut, die bis heute spürbar ist. Don Juan Tenorio wird jedes Jahr aufs Neue gespielt, und jedes Mal ist es Zorrillas Stimme, die aus den Versen klingt.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories