biografias

1926

Jahr

4 min01/01/2024
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Das Jahr 1926 war in der deutschen und europäischen Geschichte von tiefgreifenden politischen Verschiebungen geprägt. In der Weimarer Republik drängten nationalistische Kräfte auf Konsolidierung, während der Nationalsozialismus seine innerparteiliche Machtstruktur verfestigte und Deutschland gleichzeitig den Weg in die internationale Gemeinschaft suchte.

Am 20. Januar folgte das Kabinett Luther II dem im Dezember zurückgetretenen Kabinett Luther I, das wegen der Unterzeichnung der Verträge von Locarno in eine Regierungskrise geraten war. Wenige Tage später, am 26. Januar, gründete das Heereswaffenamt des Deutschen Reichs eine geheime Organisation zur Rüstungsplanung unter dem Tarnnamen Statistische Gesellschaft. Die entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags ins Leben gerufene Einrichtung tarnte sich als privater gemeinnütziger Verein, der statistische und technische Untersuchungen durchführen sollte. In Wahrheit diente sie dazu, die rüstungswirtschaftlichen Kapazitäten des Reiches systematisch zu erfassen – ein früher Beleg dafür, wie systematisch die militärischen Kreise schon damals die Weimarer Rüstungsbeschränkungen zu unterlaufen suchten.

Am 8. Februar beantragte Deutschland die Aufnahme in den Völkerbund. Der Schritt war Teil der Politik von Außenminister Gustav Stresemann, der auf eine außenpolitische Normalisierung und eine schrittweise Revision der Nachkriegsordnung setzte. Die Aufnahme erfolgte am 8. September, und der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund – mit einem ständigen Sitz im Rat – war ein diplomatischer Durchbruch. Am 10. Dezember erhielt Stresemann gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand den Friedensnobelpreis – eine Auszeichnung, die die Hoffnungen auf eine Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner symbolisierte.

Im April des Jahres wurde das außenpolitische Fundament der Weimarer Republik in Richtung Osten abgesichert. Am 24. April schlossen das Deutsche Reich und die Sowjetunion den Berliner Freundschaftsvertrag, der als Fortsetzung des Vertrags von Rapallo aus dem Jahr 1922 konzipiert war. Er enthielt Abmachungen über Handel und über die bestehende – teils geheime – militärische Zusammenarbeit. Die Weimarer Republik sicherte der Sowjetunion Neutralität zu, sollte diese in einen Krieg mit einem Drittstaat geraten. Dass die militärische Komponente dieser Zusammenarbeit erheblich tiefer ging als öffentlich zugegeben, wurde im Dezember durch den Manchester Guardian enthüllt.

Innerhalb der NSDAP vollzog Hitler auf der Bamberger Führertagung am 14. Februar einen entscheidenden Schritt. Er beanspruchte die alleinige, kompromisslose Führung der Partei und setzte diesen Anspruch im Laufe des Jahres vollständig durch. Parallel dazu wurde in Wien am 4. Mai der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterverein gegründet, der sich am 11. Mai als Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Österreichs der Münchner NSDAP-Zentrale unterstellte, das 25-Punkte-Programm übernahm und Hitler als Führer anerkannte. Am 12. August forderte Hitler auf einer Versammlung in Passau von beiden rivalisierenden österreichischen Gruppen eine Erklärung bedingungsloser Unterwerfung. Die Hitlerbewegung akzeptierte noch am selben Tag.

Im gleichen Jahr unternahmen zwei Menschen in Italien Mordanschläge auf Benito Mussolini. Am 7. April schoss die Engländerin Violet Gibson mitten auf der Piazza del Campidoglio in Rom auf den Duce und verfehlte ihn knapp. Die Polizei rettete sie davor, von der aufgebrachten Menge gelyncht zu werden. Gibson wurde als geistig verwirrt abgestempelt und ohne Gerichtsverfahren nach Großbritannien abgeschoben. Am 31. Oktober versuchte der fünfzehnjährige Anteo Zamboni bei einer Gedenkparade in Bologna, Mussolini zu erschießen. Umstehende Faschisten töteten den Jungen noch an Ort und Stelle. Mussolini überstand beide Anschläge unbeschadet und nutzte sie zur Verhärtung des Regimes.

Im Mai erschütterte ein Staatsstreich Polen. Am 12. Mai besetzte Marschall Józef Piłsudski mit Truppen der Warschauer Garnison strategische Brücken in der Hauptstadt und zwang die Regierung von Wincenty Witos zum Rücktritt. Der sogenannte Maiputsch veränderte die politische Ordnung Polens grundlegend: Piłsudski etablierte mit der Sanacja-Bewegung ein autoritäres Regime, das das Land bis zu seinem Tod im Jahr 1935 dominierte.

Auf dem Balkan sicherte Albanien seine innenpolitische Stellung durch einen Pakt mit dem mächtigen südlichen Nachbarn. Am 27. November schloss die albanische Regierung den ersten Tirana-Pakt mit Italien und erhielt im Gegenzug Finanzhilfen sowie Unterstützung beim Aufbau der Polizei. Präsident Ahmet Zogu stärkte damit seine Machtbasis und bereitete den Boden für seine spätere Ausrufung als König.

Das Jahr 1926 endete in Deutschland mit einer sozialpolitischen Neuerung: Am 23. Dezember schuf das Arbeitsgerichtsgesetz das Reichsarbeitsgericht und regelte die Zuständigkeit der Justiz in Arbeitssachen. In einer Zeit wachsender sozialer Spannungen und politischer Polarisierung war dies ein institutioneller Versuch, Konflikte zwischen Kapital und Arbeit in rechtlich geordnete Bahnen zu lenken.

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