biografias

Chiang Ching-kuo

Nationalchinesischer Politiker (Kuomintang)

4 min01/01/2024
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Chiang Ching-kuo war eine der prägendsten Figuren der taiwanesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts – ein Mann, dessen Lebensweg ihn von den Studentendemonstrationen im revolutionären China bis an die Spitze eines aufstrebenden asiatischen Staates führte. Als einziger biologischer Sohn des Kuomintang-Führers Chiang Kai-shek wurde er am 27. April 1910 in Xikou in der Provinz Zhejiang geboren und wuchs unter der Obhut seiner Großmutter auf.

Bereits in jungen Jahren zeigte Chiang Ching-kuo eine unruhige politische Neugier. Seine Schulzeit endete abrupt, als er wegen der Teilnahme an Studentendemonstrationen von der Mittelschule relegiert wurde. In Peking traf ihn die gleiche Konsequenz, diesmal sogar verbunden mit einer vierzehntägigen Inhaftierung. Diese frühen Erfahrungen mit politischem Widerstand und seinen Folgen sollten seinen Charakter nachhaltig formen.

Im Jahr 1925, gerade fünfzehn Jahre alt, reiste Chiang Ching-kuo mit Erlaubnis seines Vaters nach Moskau, um dort zu studieren. Er wurde an der Sun-Yat-sen-Universität aufgenommen, einer Hochschule, die eigens für chinesische Studenten eingerichtet worden war, und trat der Kommunistischen Jugendliga bei. Die sowjetische Hauptstadt war damals ein intellektuelles Zentrum für junge Revolutionäre aus aller Welt, und der junge Chiang ließ sich von dieser Atmosphäre prägen.

Die politischen Verhältnisse änderten sich 1927 schlagartig, als sein Vater das Bündnis der Kuomintang mit der Kommunistischen Partei Chinas aufkündigte. Chiang Ching-kuo, der gerade seinen Abschluss gemacht hatte, wurde an der Rückkehr nach China gehindert. Er entging einer Deportation nach Sibirien nur, weil er seinen schlechten Gesundheitszustand geltend machen konnte. Dennoch setzten die chinesischen Kommunisten bei der Komintern durch, dass er bestraft wurde.

So musste Chiang Ching-kuo 1933 in einer Goldmine im sibirischen Ort Alta arbeiten – eine harte Strafe für den Sohn eines mächtigen Mannes, der nun zum politischen Feind geworden war. Doch sein Fleiß und seine Fähigkeiten brachten ihn bald als Techniker in die Ural-Stahlfabrik in Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg. Bereits 1934 stieg er zum stellvertretenden Direktor dieser Fabrik auf. In dieser Zeit lernte er die Russin Faina Ipatjewna Wachrewa kennen, die er 1935 heiratete und mit der er den Rest seines Lebens verbrachte.

1936 zwang ihn die Komintern, seiner Mutter in einem Brief mitzuteilen, er sei Kommunist geworden und wolle nicht mehr nach China zurückkehren. Dieser Brief wurde in China prompt veröffentlicht – ein Propagandamanöver, das die Familie Chiang öffentlich bloßstellen sollte. Im April 1937 durfte Chiang Ching-kuo nach zwölfjähriger Abwesenheit endlich in die Heimat zurückkehren, weil Stalin Chiang Kai-shek im Chinesisch-Japanischen Krieg unterstützen wollte.

Zurück in China begann sein Aufstieg in der nationalistischen Verwaltung. Ab 1938 arbeitete er in der Provinzregierung von Jiangxi und erwarb sich einen Ruf als harter, aber gerechter Verwaltungsbeamter. 1943 holte ihn sein Vater nach Chongqing an den Sitz der Nationalregierung, womit seine Karriere innerhalb der Kuomintang offiziell begann. Bei der Flucht der Nationalisten 1949 nach Taiwan erhielt er den heiklen Auftrag, den Goldschatz der Zentralbank in Sicherheit zu bringen – eine Aufgabe, die er erfolgreich erfüllte.

In den 1950er Jahren übernahm Chiang Ching-kuo die Leitung der Politabteilung im Verteidigungsministerium und das Amt des Chefs der Geheimpolizei. Er wurde zu einer der mächtigsten Persönlichkeiten Taiwans und 1952 Mitglied des Ständigen Ausschusses des Zentralkomitees der Kuomintang. Seine Kontakte zu den Vereinigten Staaten wurden intensiver: 1953, kurz nach dem Ende des Koreakrieges, reiste er auf Einladung des amerikanischen Verteidigungsministeriums in die USA und traf Präsident Eisenhower. 1963 folgte eine zweite Reise, bei der er Präsident Kennedy begegnete.

Im April 1970 wurde während seines vierten USA-Besuchs in New York ein Attentat auf ihn verübt, das er jedoch unverletzt überstand. Die Widerstandsfähigkeit, die er schon in der Sowjetunion bewiesen hatte, zeigte sich auch hier. 1969 war er zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt worden, 1971 übernahm er schließlich das Amt des Ministerpräsidenten unter der Präsidentschaft seines Vaters.

Nach dem Tod Chiang Kai-sheks am 5. April 1975 wurde Chiang Ching-kuo 1978 Präsident der Republik China – das Amt, das er bis zu seinem eigenen Tod am 13. Januar 1988 in Taipeh bekleiden sollte. In dieser Funktion leitete er Taiwans Übergang von einer autoritären Einparteiherrschaft zu einer vorsichtigen Öffnung hin zur Demokratie ein und legte damit den Grundstein für die spätere demokratische Entwicklung des Landes.

Chiang Ching-kuo bleibt eine widersprüchliche Figur: Sohn eines autoritären Herrschers, selbst Leiter eines Geheimdienstapparates, aber auch Reformer und Modernisierer, der Taiwan auf dem Weg in eine demokratischere Zukunft vorantrieb. Sein Lebensweg – von der sibirischen Goldmine zum Präsidentenpalast – ist einer der außergewöhnlichsten politischen Lebensläufe des 20. Jahrhunderts.

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