In den Wäldern des heutigen Bundesstaates Alagoas im Nordosten Brasiliens entstand im 17. Jahrhundert eine der bemerkenswertesten Gemeinschaften der Neuzeit: Palmares. Dieses Quilombo – eine Siedlung geflohener afrikanischer Sklaven und ihrer Nachkommen – wuchs über Jahrzehnte zu einem blühenden autonomen Staatswesen heran und wurde zum Symbol des Widerstandes gegen die koloniale Sklaverei. Sein letzter Anführer, Zumbi, wurde zum unsterblichen Helden einer ganzen Nation.
Palmares wurde um 1630 gegründet, als entflohene Sklaven aus den Zuckerrohrplantagen der Region in die unzugänglichen Wälder flohen und dort Zuflucht suchten. Was als kleine Flüchtlingsgemeinschaft begann, wuchs durch den ständigen Zustrom neuer Ankömmlinge zu einer beachtlichen Siedlung heran. Geflohene Sklaven kehrten oft gezielt zu ihren alten Plantagen zurück, um Mitgefangenen zur Flucht zu verhelfen und die Gemeinschaft zu vergrößern. Schließlich lebten in Palmares rund 30.000 Menschen – darunter neben Afrikanern und ihren Nachkommen auch brasilianische Ureinwohner, Araber und von der Kolonialregierung unterdrückte Europäer.
Die Bewohner leisteten von Anfang an entschlossenen Widerstand gegen die portugiesischen und späterhin niederländischen Kolonialmächte. Zwischen 1654 und 1678 konnten über zwanzig Angriffe der Sklavenhalternationen abgewehrt werden. Diese militärische Standhaftigkeit war das Ergebnis einer gut organisierten Verteidigung unter kundigen Führern.
Zumbi wurde 1655 in Palmares geboren. Der Überlieferung nach war er ein Neffe von Ganga Zumba, dem damaligen Anführer von Palmares, und Enkel der angolanischen Prinzessin Aqualtune, der Gründerin von Palmares. Im Alter von etwa sechs Jahren wurde er von den Portugiesen gefangen und dem Missionar Antonio Melo übergeben. Getauft auf den Namen Francisco, erhielt er eine religiöse Erziehung, lernte Portugiesisch und Latein. Mit 15 Jahren aber floh er zurück an seinen Geburtsort. Die Jahre in portugiesischer Obhut hatten seine Überzeugung nicht gebrochen.
In den folgenden Jahren zeigte Zumbi außergewöhnliche Kampfkraft und militärisches Geschick. Bereits in seinen frühen Zwanzigern genoss er den Respekt der Gemeinschaft als strategisch begabter Krieger.
Im Jahr 1678 suchte der portugiesische Gouverneur der Provinz Pernambuco, Pedro Almeida, das Gespräch mit Ganga Zumba. Er bot an, die Freiheit der Bewohner von Palmares anzuerkennen, sofern sich die Siedlung den Portugiesen ergab. Ganga Zumba zeigte sich verhandlungsbereit. Zumbi aber verweigerte das Angebot entschieden: Er traute den Portugiesen nicht und weigerte sich, eine Freiheit anzunehmen, während andere noch versklavt blieben. Diese Haltung stellt Ganga Zumbas Führerschaft in Frage, und Zumbi übernahm die Leitung von Palmares. Er führte den Widerstand gegen die Portugiesen weiter.
Fünfzehn Jahre lang hielt Zumbi die Gemeinschaft zusammen und führte ihre Krieger bis vor die Tore von Recife. Dann aber schlugen die Portugiesen mit überwältigender Gewalt zurück. Am 6. Februar 1694, nach 67 Jahren des Bestehens, zerstörten portugiesische Truppen mit einem Kanonenbeschuss von drei Seiten die zentrale Siedlung Cerca do Macaco. Zumbi wurde verletzt, konnte aber entkommen und setzte den Widerstand noch fast zwei weitere Jahre fort.
Schließlich wurde sein Versteck durch einen gefangenen Mitstreiter verraten. Am 20. November 1695 wurde Zumbi an der Serra Dois Irmãos, im heutigen Viçosa im Bundesstaat Alagoas, gefangengenommen und geköpft. Sein Kopf wurde nach Recife gebracht und dort öffentlich ausgestellt – ein Akt der Einschüchterung, denn die Sklaven hatten Zumbi längst für unsterblich gehalten. Dennoch lebte der Widerstandsgeist von Palmares fort; der Kampf gegen die Sklaverei wurde noch ein Jahrhundert nach seinem Tod weitergeführt.
Das Erbe von Zumbi ist in Brasilien tief verwurzelt. Sein Todestag, der 20. November, ist heute nationaler Feiertag: der Dia Nacional de Zumbi e da Consciência Negra. Zumbi gilt als Held der afro-brasilianischen Menschenrechtsbewegung des 20. Jahrhunderts und als Nationalheld. Das erste Denkmal zu seinen Ehren wurde 1986 nach dem Ende der Militärdiktatur an der zentralen Avenida Presidente Vargas in Rio de Janeiro eingeweiht. Im Jahr 1997 wurde er in das stählerne Buch der Nationalhelden im Panteão da Pátria e da Liberdade Tancredo Neves aufgenommen. Weitere Statuen in Duque de Caxias, Salvador de Bahia und Petrópolis zeugen von der Nachwirkung dieses außergewöhnlichen Mannes. Die 1988 gegründete Fundação Palmares trägt bis heute seinen Namen und widmet sich der Förderung der afro-brasilianischen Kultur.
