Auf der philippinischen Insel Luzon, rund 60 Kilometer südlich der Millionenmetropole Manila, liegt einer der gefährlichsten und zugleich faszinierendsten Vulkane der Welt. Der Taal ist nicht einfach ein Berg mit einem Krater – er ist ein geologisches Schachtelspiel von einzigartiger Komplexität, dessen Geschichte von gewaltigen Ausbrüchen, katastrophalen Verlusten und ungebrochener Besiedlung erzählt.
Die Entstehungsgeschichte des Taal reicht Hunderttausende von Jahren zurück. Zwischen 500.000 und 100.000 Jahren vor unserer Zeit erschütterten vier gewaltige Eruptionen die Region und formten eine Caldera mit einem Durchmesser von 25 bis 30 Kilometern. Jede dieser Eruptionen produzierte ausgedehnte Ignimbritablagerungen – verglaste Gesteinsströme aus heißem Vulkanasche-Gemisch –, die bis in das Gebiet des heutigen Manila reichen. Eine weitere Eruption vor etwa 5.400 Jahren trug ebenfalls zur Ausformung der Caldera bei.
Im Laufe der Jahrtausende füllte sich die Caldera mit Wasser und formte den Taalsee. Auf diesem See entstand durch weitere Vulkanaktivität eine Insel: die Volcano Island, die heute 23 Quadratkilometer umfasst und bis zu 311 Meter hoch aufragt. Geologisch ist sie ein Gewirr aus sich überlappenden Schlackenkegeln, Tuffringen und Kratern. 47 verschiedene Krater und vier Maare wurden auf der Insel nachgewiesen. Auf dieser vulkanisch aktiven Insel leben mehrere tausend Menschen – ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass Menschen die Nähe zum Vulkan trotz aller Risiken nicht scheuen.
Das geografische Kuriosum der Volcano Island gipfelt im Vulcan Point: ein kleiner Krater, der in der Mitte der Insel einen Kratersee von etwa zwei Kilometern Durchmesser einfasst – und in diesem See liegt Vulcan Point, eine weitere kleine Insel von etwa 40 Metern Durchmesser. Diese Konstellation – eine Insel in einem See auf einer Insel in einem See auf einer größeren Insel – soll einzigartig auf der Welt sein. Im Jahr 1996 wurden Volcano Island und der gesamte Taalsee zum Taal-Volcano-Nationalpark erklärt.
Seit 1572 sind mehr als 30 Eruptionen dokumentiert, fast alle von Volcano Island ausgehend. Im frühen 18. Jahrhundert bildeten die Ausbrüche von 1707 und 1709 zwei neue Schlackenkegel: Binintiang Malaki im Nordwesten und Binintiang Munti im Südwesten der Insel. Im Jahr 1731 entstand bei einer Eruption im Taalsee selbst die kleinen Inseln Babuing und Napayong nordöstlich von Volcano Island.
Als stärkstes Ereignis in historischer Zeit gilt der Ausbruch von 1754. Plinianische, sub-plinianische und strombolianische Eruptionsphasen wechselten einander ab, und der gewaltige Auswurf blockierte vorübergehend den Abfluss des Taalsees. Die daraus resultierenden Überschwemmungen zwangen mehrere Ortschaften zu ihrer Umsiedlung.
Zu einer der verheerendsten Katastrophen kam es am 30. Januar 1911. Erdbeben, die teils bis nach Manila spürbar waren, gingen dem Ausbruch voraus. Dann traf eine phreatomagmatische Explosion – ein Kontakt zwischen aufsteigendem Magma und Grundwasser – die Insel mit aller Wucht. Pyroklastische Surges, glühende Wolken aus Gas, Asche und Gesteinsfragmenten, rasten mit enormer Geschwindigkeit über die Insel und den angrenzenden Seebereich hinweg. Rund 1.335 Menschen kamen ums Leben – darunter nahezu alle Bewohner der Volcano Island. Nur 12 oder 13 Inselbewohner überlebten, und dies schwer verletzt. Neben den Surges ertranken einige Menschen in den Seiches, seismisch ausgelösten Wellenschwankungen des Taalsees. Nach dem Ausbruch sank die Volcano Island und ein Tal südwestlich der Caldera um bis zu drei Meter; andere Gebiete hoben sich um bis zu einem Meter.
Am 28. September 1965 traf erneut eine phreatomagmatische Explosion die Insel. Ein 1,5 Kilometer langer und 300 Meter breiter Krater bildete sich im Südwesten, der rasch vom Seewasser gefüllt wurde. Eine 15 bis 20 Kilometer hohe Aschewolke stieg auf, und eine Fläche von rund 60 Quadratkilometern wurde mit einer mindestens 25 Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt. Pyroklastische Surges zerstörten erneut Teile der Insel und Gebiete am Westufer des Taalsees. Rund 355 Menschen starben. Weitere Ausbrüche 1968 und 1969 erzeugten teils große Lavaströme, die das Ufer des Sees erreichten. 1977 folgten phreatische Explosionen im Südwesten der Insel.
Der Taal gehört zu einer Kette von Vulkanen im Westen Luzons, die zwischen zwei Subduktionszonen eingeklemmt liegt. Diese tektonische Situation macht ihn zu einem dauerhaft unruhigen Feuerberg, dessen relative Ruhe niemals als Stille missverstanden werden darf. Er erinnert daran, dass das dicht besiedelte Gebiet rund um Manila auf einem der aktivsten Vulkanböden der Erde liegt.
