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Salmon P. Chase

US-amerikanischer Politiker und Jurist (1808–1873)

6 min01/01/2024
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Salmon Portland Chase wurde am 13. Januar 1808 in Cornish im Sullivan County, New Hampshire, geboren. Seinen Vater verlor er bereits als Neunjähriger, und so übernahm sein Onkel Philander Chase, ein Bischof, die Erziehung des Jungen. Diese frühe Prägung durch einen geistlichen Erzieher mag den moralischen Ernst erklärt haben, der Chases gesamte politische Laufbahn durchzog. Er studierte zunächst an allgemeinen Hochschulen in Worthington und Windsor, dann am Cincinnati College, bevor er 1826 seinen Abschluss am renommierten Dartmouth College machte.

Seine juristische Ausbildung erhielt Chase bei Justizminister William Wirt, einem der angesehensten Anwälte seiner Zeit. 1829 wurde Chase als Rechtsanwalt zugelassen, und 1830 zog er nach Cincinnati, wo er sich rasch in der lokalen Anwaltschaft einen Namen machte. Der entscheidende Wendepunkt in seiner Karriere kam 1836, als er sich der Anti-Sklaverei-Bewegung anschloss. Chase wurde zum bevorzugten Anwalt von entflohenen Sklaven, die vor Gericht um ihre Freiheit kämpften, und entwickelte eine kohärente verfassungsrechtliche Theorie: Die Bundesregierung sei durch die Verfassung nicht berechtigt, die Sklaverei zu schützen oder zu unterstützen. Diese Position machte ihn zu einer Schlüsselfigur der aufstrebenden abolitionistischen Rechtsbewegung.

1840 wurde Chase in den Stadtrat von Cincinnati gewählt. Zwischen 1849 und 1855 vertrat er Ohio im US-Senat. Er durchlief dabei mehrere Parteien: von der Liberty Party über die Free Soil Party hin zur neu gegründeten Republikanischen Partei, der er seine politische Heimat fand. Als republikanischer Kandidat wurde er 1855 zum Gouverneur von Ohio gewählt — in einem Wahlkampf, der vollständig von der Frage der Sklaverei beherrscht wurde. Sein Amt trat er am 14. Januar 1856 an, wurde 1857 wiedergewählt und blieb bis zum 9. Januar 1860 im Amt.

Als Gouverneur zeigte Chase, dass er nicht nur Moralist, sondern auch effektiver Verwaltungsmann war. Er ließ ein geologisches Gutachten zur Erforschung der Bodenschätze Ohios erstellen, gründete einen Eisenbahnausschuss, richtete ein statistisches Landesamt ein und stärkte die Rechte der Frauen durch die Einräumung von Eigentumsrechten. Im Jahr 1860 war er einer der ernsthaften Bewerber um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, scheiterte aber an Abraham Lincoln. Dennoch war er nun der bekannteste Republikaner nach Lincoln und hatte sich in der Sklavereifrage konsequenter positioniert als jedes andere Parteimitglied.

Am 6. März 1861 ernannte Lincoln Chase zum Finanzminister — und Chase legte sein Senatmandat nieder, das er im Herbst 1860 gerade erst erneut erworben hatte. Der Zeitpunkt seiner Amtsniederlegung ist bemerkenswert: Er war zum Zeitpunkt seines Rücktritts erst zwei Tage Mitglied des neu gewählten Senats. Als Finanzminister zwischen 1861 und 1864, in den ersten drei Jahren des Sezessionskrieges, leistete er Dienste von historischer Tragweite. Er führte das Nationale Banksystem und das Papiergeld ein — zwei Innovationen, die die Finanzarchitektur der Vereinigten Staaten dauerhaft umgestalteten.

Das Nationale Banksystem arbeitete Chase im Wesentlichen alleine aus und legte es dem Kongress vor, der es annahm. Dieses System ermöglichte es dem Bundesstaat, durch die staatliche Ausgabe von Papiergeld den Krieg zu finanzieren, ohne die damals üblichen Zinsen von bis zu zwanzig Prozent per anno für Kredite bei Privatbanken zu zahlen. Die Konföderierten Südstaaten hingegen finanzierten sich über Bankkredite hauptsächlich aus Frankreich, die nach dem Krieg von den Nordstaaten zurückgezahlt werden mussten. Im Juni 1864 trat Chase als Finanzminister zurück — nach Meinungsverschiedenheiten mit Lincoln, die sich über längere Zeit aufgestaut hatten.

Nach dem Tod des Obersten Bundesrichters Roger B. Taney im Oktober 1864 ernannte Präsident Lincoln Chase zu dessen Nachfolger als Chief Justice des Obersten Gerichtshofes. In diesem Amt, das er bis zu seinem Tod 1873 innehatte, vollzog er eine seiner ersten und symbolträchtigsten Entscheidungen: Er ließ den Afroamerikaner John Rock als Rechtsanwalt vor dem Obersten Gerichtshof zu — ein Bruch mit der bisherigen Praxis und ein Signal in einer Zeit, in der die Frage der Gleichberechtigung das ganze Land bewegte.

Salmon P. Chase starb am 7. Mai 1873 in New York City. Er hatte als einzige Person der amerikanischen Geschichte der Legislative, der Exekutive und der Judikative auf Bundesebene angehört und zudem das Amt des Gouverneurs bekleidet. Auf dem Fünfzigcentstück der Vereinigten Staaten war sein Porträt abgebildet — eine Ehrung, die seine Bedeutung für die Finanzgeschichte des Landes anerkannte. Chase verkörpert wie wenige andere die widersprüchliche Größe der amerikanischen Politik des 19. Jahrhunderts: moralisch unnachgiebig in der Frage der Sklaverei, pragmatisch genug, um in einer der größten Krisen der Nation das Staatsgefüge zusammenzuhalten.

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