tragedias

Safed

Stadt in Galiläa im Nordbezirk Israels

6 min01/01/2024
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Safed liegt auf einem der höchsten Berge Obergaliläas im Norden Israels, 934 Meter über dem Meeresspiegel. Mit knapp 38.000 Einwohnern im Jahr 2022 ist sie die höchstgelegene Stadt des Landes. Doch ihre Bedeutung bemisst sich nicht allein in geografischen Fakten. Safed zählt neben Jerusalem, Hebron und Tiberias zu den vier Heiligen Städten des Judentums und war über Jahrhunderte hinweg eines der wichtigsten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit und mystischer Tradition.

Die früheste historische Erwähnung der Stadt reicht in das Jahr 66 nach Christus zurück, als der jüdische Historiker Flavius Josephus mehrere galiläische Bergdörfer befestigen ließ, um sie gegen den bevorstehenden Angriff der Römer im Jüdischen Krieg zu verteidigen. Unter diesen Befestigungsanlagen wird auch ein Ort namens Sepph erwähnt, der möglicherweise mit dem heutigen Safed identisch ist. Im Jerusalemer Talmud erscheint Safed als einer der Berggipfel, von denen zur Zeit des Herodianischen Tempels Feuersignale weitergeleitet wurden, ein Kommunikationssystem von großer strategischer Bedeutung für das jüdische Land.

Nach dem Ersten Kreuzzug errichteten die Kreuzfahrer im Jahr 1102 eine Burg auf dem Hügel über der Stadt. Diese Festung wurde zu einem wichtigen Stützpunkt im Netz der fränkischen Verteidigungsanlagen in der Levante. Saladin belagerte die Burg und nahm sie am 6. Dezember 1188 nach Verhandlungen ein. Die Garnison durfte gegen freien Abzug nach Tyros abziehen. Die Burg wechselte damit die Hände, wurde jedoch nicht zerstört.

Nach dem Kreuzzug Theobalds von Champagne erneuerten französische Templer die Burg im Jahr 1240 und machten sie zu einer der stärksten Festungen im Heiligen Land. Diese Phase des Wiederaufbaus währte jedoch nicht lange. Ab Juni 1266 belagerten die ägyptischen Mamluken unter Sultan Baibars die Burg. Am 23. Juli ergaben sich die Tempelritter unter der Bedingung freien Abzugs zur Küste. Doch Sultan Baibars ließ 1500 Mann der Garnison enthaupten. Nur ein einziger Franke wurde verschont und nach Akkon geschickt, um von der Hinrichtung zu berichten. Dieses grausame Kalkül sollte die psychologische Wirkung der mamlukischen Macht demonstrieren und künftigen Gegnern Angst einflößen. Die Mamluken machten Safed zur Hauptstadt Obergaliläas und festigten damit die Bedeutung der Stadt als regionalen Verwaltungsmittelpunkt.

Die osmanische Eroberung der Levante im Rahmen des Osmanisch-Mamlukischen Krieges von 1516 bis 1517 brachte eine neue Epoche. Unter Sultan Süleyman I., dem Prächtigen, erlebte die jüdische Gemeinde Safeds eine außergewöhnliche Blütezeit. Osmanische Steuerregister, die der Historiker Amnon Cohen auswertete, erlauben es, die Bevölkerungsentwicklung nachzuvollziehen: Im Steuerjahr 1525/1526 lebten rund 5700 Menschen in Safed, um 1555/1556 waren es bereits 11.100, und in den Jahren 1567/1568 wuchs die Einwohnerzahl auf etwa 12.000 an.

Im 16. Jahrhundert entwickelte sich Safed zur bedeutendsten jüdischen Stadt der Region. Um 1550 lebten hier annähernd 10.000 Juden, viele von ihnen Vertriebene, die 1492 die Verfolgung durch die sogenannten Katholischen Könige in Spanien überlebt hatten. Diese Flüchtlinge brachten Kenntnisse in der Textilherstellung mit, die den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt befeuerten. Doch noch prägender war die geistige Blüte: Rabbiner wie Josef Karo, Moses Cordovero und Isaak Luria siedelten sich in Safed an und machten die Stadt zum unbestrittenen Zentrum der Kabbala, der jüdischen Mystik. Diese Epoche wird bis heute als die Goldene Ära von Safed bezeichnet. Im Jahr 1563 wurde hier die erste hebräische Druckerei Palästinas gegründet, was die Verbreitung kabbalistischer Schriften erheblich beschleunigte.

Im 17. Jahrhundert war Safed eine der Hochburgen der messianischen Bewegung um Schabbtai Zvi, den sogenannten Sabbatianismus. Eine von Schabbtai Zvis Frauen stammte aus der Stadt. Gleichzeitig geriet die wirtschaftliche Grundlage ins Wanken: Die lokale Textilproduktion exportierte teurere Wollerzeugnisse, anders als das Konkurrenzgewerbe in Nablus, und war daher besonders anfällig für ausländische Konkurrenz, hauptsächlich aus Frankreich. Die Industrie geriet in Not und verfiel.

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts schwächte sich die Hohe Pforte, also die osmanische Zentralregierung, zunehmend ab. Lokale Machthaber begannen, sich gegenseitig Gebiete zu entreißen, um in neugewonnenen Gebieten Steuern einzutreiben und davon nur einen Bruchteil nach Konstantinopel weiterzugeben. In diesem Machtvakuum sank Safed zu einem unbedeutenden Flecken in der Peripherie des zerfallenden osmanischen Herrschaftssystems herab.

Diesem Verfall stemmte sich Zahir al-Umar al-Zaidani entgegen, ein Regionalpotentdat aus der Beduinenfamilie al-Zayadina, der etwa von 1690 bis 1775 lebte. Als charismatische und energische Persönlichkeit gelang es ihm, die Region um Safed neu zu ordnen und wirtschaftlich zu beleben. Er festigte seine Herrschaft über Obergaliläa und machte Safed zu einem der Stützpunkte seiner Macht.

Das Erbe Safeds als geistiges Zentrum der Kabbala wirkt bis in die Gegenwart. Jährlich pilgern Tausende Besucher in die engen Gassen der Altstadt, um die Synagogen der großen Kabbalisten zu besuchen, die dort bis heute erhalten sind. Safed ist damit nicht nur eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte des Heiligen Landes, sondern auch ein lebendiger Ort jüdischer Spiritualität, dessen Ausstrahlung weit über die Grenzen Israels hinausreicht.

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