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Raja Harishchandra

Film von Dhundiraj Govind Phalke (1913)

4 min01/01/2024
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Am 3. Mai 1913 öffnete das Coronation Cinema in Bombay seine Pforten für eine Aufführung, die die Geschichte Indiens für immer verändern sollte. Der Film, der an diesem Tag einem zahlenden Publikum erstmals gezeigt wurde, hieß Raja Harishchandra – und er gilt seither als die Geburtsstunde des indischen Kinos. Sein Schöpfer war Dhundiraj Govind Phalke, ein visionärer Filmemacher, der erkannt hatte, dass Indien seine eigenen Geschichten auf der Leinwand sehen wollte.

Der Stummfilm basierte auf einer Geschichte aus dem großen indischen Nationalepos Mahabharata: der Legende des tugendhaften Königs Harishchandra, der für seine moralische Integrität berühmt war. Die Handlung folgt Harishchandra und seiner Gemahlin Taramati beim Bogenschießen mit ihrem Sohn Rohtash, bis der König zur Jagd gerufen wird. Im Wald begegnen sie dem Weisen Vishwamitra, der mächtige Erscheinungen der Naturkräfte beschwört. Harishchandra zerstört diese Illusionen und bietet dem erzürnten Weisen sein gesamtes Königreich als Wiedergutmachung an. Vishwamitra nimmt das Angebot an und schickt den König mit Frau und Kind ins Exil. Noch dazu arrangiert der Weise eine falsche Anschuldigung: Taramati soll den Fürsten von Kashi ermordet haben. Doch am Ende stellt göttliche Fügung die alte Ordnung wieder her – als Belohnung für Harishchandras unerschütterliche moralische Haltung.

Die Entstehungsgeschichte des Films ist selbst ein kleines Epos. Um das Jahr 1910 wurden in Indien ausschließlich importierte westliche Filme aufgeführt. D. G. Phalke, der sich leidenschaftlich für das noch junge Medium Film interessierte, fasste Anfang 1912 den Entschluss, dies zu ändern. Er reiste nach London, um sich dort eine Filmkamera zu beschaffen, und kehrte mit dem festen Vorsatz zurück, einen Film mit indischem Sujet zu produzieren.

Als Vorlage wählte Phalke eine Geschichte, die auf der Bühne in den 1880er Jahren große Erfolge gefeiert hatte: das Drama über König Harishchandra nach einem Bühnenstück von Ranchhodbhai Udayram Dave aus dem Jahr 1875. Im selben Jahr 1912 eröffnete Phalke das Filmstudio Phalke Films im Stadtteil Dadar in Bombay, schrieb das Szenario und ließ die Filmsets errichten. Die Produktion des Films dauerte fast acht Monate – eine bemerkenswerte Leistung für die damalige Zeit.

Eine besondere Herausforderung bestand in der Besetzung. Wie auf den damaligen indischen Bühnen üblich, galten Schauspielerinnen als gesellschaftlich nicht akzeptabel, sodass Phalke ausschließlich männliche Darsteller für seinen Film gewinnen konnte. Der Bühnendarsteller D. D. Dabke übernahm die Hauptrolle des Königs Harishchandra. Die Rolle seiner Gemahlin Taramati spielte Anna Salunke, ein Frauendarsteller, der diese Herausforderung mit Bravour meisterte. Phalkes eigener Sohn Bhalachandra Dhundiraj Phalke verkörperte den kleinen Rohtash, und G. V. Sane spielte den Weisen Vishwamitra.

Vor der öffentlichen Premiere gab es am 21. April 1913 eine exklusive Vorführung im Olympia Theatre für ein ausgewähltes Publikum aus Bombayer Persönlichkeiten und Zeitungsverlegern. Der Empfang war enthusiastisch. Die erste öffentliche Aufführung folgte dann am 3. Mai 1913 im Coronation Cinema – und der Erfolg war durchschlagend. Zusätzliche Filmkopien mussten angefertigt werden, um die Nachfrage für Aufführungen außerhalb Bombays zu decken.

Der Originalfilm soll aus vier Filmrollen mit einer Gesamtlänge von 3700 Fuß bestanden haben. Bis heute haben jedoch nur zwei Rollen – die erste und die letzte (zusammen 1475 Fuß) – die Jahrzehnte überdauert. Sie wurden in den 1960er Jahren von P. K. Nair von der Familie Phalkes erworben und werden seither im National Film Archive of India in Pune aufbewahrt. Einige Filmhistoriker bezweifeln allerdings, ob diese Fragmente tatsächlich zum Originalfilm von 1913 gehören oder ob es sich um Teile einer Neuverfilmung aus dem Jahr 1917 handelt – eine Frage, die bis heute nicht abschließend geklärt ist.

Gelegentlich wird eingewendet, dass Raja Harishchandra nicht der erste indische Film sei, da bereits ein Jahr zuvor der Ramchandra Gopal Torney zugeschriebene Film Pundalik veröffentlicht wurde. Dieser Einwand verliert jedoch an Gewicht, wenn man bedenkt, dass Pundalik im Wesentlichen ein abgefilmtes Bühnenstück war, produziert von der britischen Fotografengesellschaft Bourne & Shepherd. Im Unterschied dazu war Raja Harishchandra ein vollständig in Indien konzipierter, produzierter und gefilmter Spielfilm – und damit zu Recht der Beginn einer eigenen Filmtradition. Im Jahr 2008 ehrte der Marathi-Film Harishchandrachi Factory dieses Erbe, indem er die Produktion von Raja Harishchandra selbst zum Gegenstand machte; der Film wurde von Indien als Kandidat für eine Oscar-Nominierung eingereicht.

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