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Glenda Jackson

Britische Schauspielerin und Politikerin (1936–2023)

5 min01/01/2024
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Glenda May Jackson war eine Frau, die zwei vollständig unterschiedliche Leben führte und in beiden herausragte: als Schauspielerin, die zweimal den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, und als Politikerin, die über zwei Jahrzehnte das britische Parlament prägte. Geboren am 9. Mai 1936 in Birkenhead, Merseyside, starb sie am 15. Juni 2023 in London.

Sie verließ die Schule frühzeitig ohne Abschluss, weil sie Schauspielerin werden wollte, eine Entscheidung, die damals als gewagter Schritt galt. 1954 erhielt sie ein Stipendium an der Royal Academy of Dramatic Art in London, der renommiertesten Schauspielschule Britanniens. Trotzdem folgten Jahre der Unsicherheit und wechselnder Gelegenheitsjobs, bevor sie 1964 die entscheidende Begegnung hatte: Peter Brook, die britische Regie-Legende, entdeckte sie und engagierte sie für die Royal Shakespeare Company.

Brook besetzte sie in Peter Weiss' Revolutionsstück Marat/Sade als Charlotte Corday, eine Rolle, die sie auch in der Verfilmung von 1967 spielte und die ihr internationale Aufmerksamkeit einbrachte. In den frühen 1970er Jahren gehörte Jackson zu den führenden britischen Schauspielerinnen und sammelte Filmrollen von beachtlicher Bandbreite.

Zweimal gewann sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Den ersten Preis erhielt sie 1971 für ihre Darstellung der unabhängigen und leidenschaftlichen Bildhauerin Gudrun Brangwen in Liebende Frauen, Ken Russells Verfilmung von D. H. Lawrence' Roman Women in Love. Den zweiten Oscar gewann sie 1974 für ihre Darstellung einer geschiedenen Modedesignerin in der Liebeskomödie Mann, bist du Klasse!, in der George Segal ihr Filmpartner war. Eine weitere bedeutende Rolle in dieser Periode war die Arbeitsberatin Alex Greville in John Schlesingers Filmdrama Sunday, Bloody Sunday aus dem Jahr 1971, eine Frau, die mit ihrem Leben unzufrieden ist und eine Affäre mit einem jüngeren Mann beginnt.

1971 spielte sie außerdem Königin Elizabeth I. in gleich zwei bedeutenden Produktionen: in der Fernseh-Miniserie Elizabeth R, wofür sie einen Emmy Award erhielt, und in dem Kinofilm Maria Stuart, Königin von Schottland, in dem Vanessa Redgrave die Titelrolle übernahm. Weitere wichtige Rollen folgten: die Ehefrau von Michael Caines Figur in Joseph Loseys Drama Die romantische Engländerin von 1975 und die legendäre französische Schauspielerin Sarah Bernhardt in der Filmbiografie Die unglaubliche Sarah von 1976, Regie Richard Fleischer. 1980 übernahm sie eine komödiantische Rolle in Agentenpoker neben Walter Matthau.

Jackson hatte sich bereits als junge Frau politisch engagiert. Zu Beginn der 1990er Jahre beschloss sie, ihre Schauspielkarriere vorerst zu beenden und sich ganz der Politik zu widmen. 1992 zog sie durch ihren Sieg im Wahlkreis Hampstead and Highgate ins britische Unterhaus ein. Das Mandat verteidigte sie erfolgreich bei den Unterhauswahlen der Jahre 1997, 2001, 2005 und 2010. Sie zählte zu den schärfsten innerparteilichen Kritikern des Premierministers Tony Blair, insbesondere wegen seiner Unterstützung der Politik von George W. Bush im Irakkrieg, eine Haltung, die ihr sowohl Bewunderung als auch Feindschaft einbrachte.

2011 kündigte sie an, bei der nächsten Wahl 2015 aus Altersgründen nicht mehr antreten zu wollen, und schied damit nach mehr als zwei Jahrzehnten aus dem Unterhaus aus. Kaum war dieser Abschnitt ihres Lebens beendet, kehrte Jackson mit unverminderter Energie zur Schauspielerei zurück. Für ihr Bühnen-Comeback als Shakespeares greiser König Lear im Old Vic Theatre in London wurde sie 2016 von der Kritik begeistert gefeiert. 2018 wurde sie am Broadway mit dem Tony Award als Beste Hauptdarstellerin für ihre Darstellung einer Witwe in der Wiederaufnahme von Edward Albees Stück Three Tall Women ausgezeichnet.

2019 stand sie nach 27 Jahren Pause erstmals wieder vor der Kamera: In dem britischen Fernsehfilm Elizabeth Is Missing spielte sie die Hauptrolle einer dementen Frau auf der Suche nach ihrer verschwundenen Freundin, eine Leistung, die erneut ihre außerordentliche Kraft als Darstellerin bewies. 2021 war sie in Ein Festtag, der Verfilmung eines Romans von Graham Swift, als betagte Schriftstellerin zu sehen. Sie verstarb am 15. Juni 2023 in London und hinterließ ein Doppelvermächtnis: als eine der größten Schauspielerinnen Englands und als Politikerin mit Haltung.

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