Im Motorsport, einer von Männern dominierten Welt, schrieb María de Villota Comba eine Geschichte des Mutes und der Beharrlichkeit, die weit über ihre Rennergebnisse hinausgeht. Am 13. Januar 1980 in Madrid geboren, entstammte sie einer Familie, in der der Motorsport Familientradition war: Ihr Vater Emilio de Villota war selbst Formel-1-Pilot, und ihr Bruder Emilio de Villota jr. schlug ebenfalls eine Karriere als Automobilrennfahrer ein. Diese Herkunft prägte ihren Lebensweg, gab ihr jedoch auch eine Bürde mit: Als Frau in der Motorsportfamilie de Villota musste sie sich ihren Platz doppelt erkämpfen.
Mit sechzehn Jahren bestritt de Villota ihre ersten Kartrennen und gewann noch im selben Jahr ihr erstes Rennen, ein Signal für das Talent, das in ihr schlummerte. Im Jahr 2000 wechselte sie zum Formelsport und trat in der spanischen Formel Toyota an. Nach zwei Saisons, in denen sie den Vizemeistertitel gewann, gab sie 2001 ihr Debüt in der spanischen Formel-3-Meisterschaft. Dort blieb sie bis 2004, ohne allerdings eine Podiumsplatzierung zu erreichen. Ihre beste Platzierung war der zehnte Gesamtrang im Jahr 2002.
Die folgenden Jahre führten sie durch verschiedene Rennserien. 2005 wechselte sie in die Ferrari Challenge Europe und erreichte dort den achten Gesamtrang, während sie gleichzeitig das 24-Stunden-Rennen von Daytona in einem Ferrari 360 Modena bestritt und auf Gesamtrang 24 beendete. 2007 wechselte sie in die ADAC-Procar-Serie und wurde Dritte in der Meisterschaft mit einem Rennsieg. Sie probierte sich in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft, der Superleague Formula und verschiedenen GT-Serien aus, wobei sie für das Team ihres Vaters und für Atlético Madrid antrat. Die Ergebnisse waren solide, nie überragend, aber de Villota ließ sich nicht entmutigen.
Der Sprung in die Formel 1 schien 2011 näherzurücken, als sie Formel-1-Testfahrten für Renault absolvierte. Da Testfahrten im aktuellen Rennfahrzeug während der Saison verboten waren, pilotierte sie einen zwei Jahre alten Renault R29. Dennoch war es ein Zeichen, dass die Formel 1 ihr Potenzial erkannt hatte. 2012 wurde de Villota Testfahrerin des Formel-1-Teams Marussia, ein Durchbruch, der sie an den Rand der höchsten Motorsportklasse der Welt brachte. Im Juni 2012 wurde sie zusätzlich zur Botschafterin der FIA-Kommission Frauen im Motorsport ernannt, eine Rolle, die ihrer Bedeutung als Vorbildfigur gerecht wurde.
Dann, am 3. Juli 2012, veränderte sich alles. Während Geradeaus-Testfahrten auf dem Gelände des Imperial War Museum Duxford in England kollidierte ihr Fahrzeug mit der Ladeklappe eines Teamlasters. Der Aufprall erfolgte mit etwa 50 km/h, einer relativ geringen Geschwindigkeit, doch die Ladeklappe befand sich genau in Kopfhöhe. De Villota erlitt einen Schädelbruch, verlor ihr rechtes Auge sowie den Geruchs- und Geschmackssinn. Der Unfall beendete ihre aktive Rennkarriere.
Was folgte, war ein Zeugnis außerordentlicher Stärke. Bereits ab Oktober 2012 zeigte sie sich wieder in der Öffentlichkeit und engagierte sich unermüdlich für Sicherheitsfragen im Motorsport. Sie heiratete im Juli 2013 ihren langjährigen Lebensgefährten Rodrigo García Millán. Ende September 2013 begann sie eine Promotiontour für ihre Autobiografie mit dem Titel Das Leben ist ein Geschenk, ein Buchtitel, der als ihr Lebensmotto gelten kann. Doch das Schicksal hatte noch einen weiteren tragischen Schlag bereit: Am 11. Oktober 2013, nur wenige Wochen nach Beginn der Promotiontour, starb María de Villota in Sevilla im Alter von 33 Jahren. Die Ärzte stellten fest, dass die Spätfolgen des Unfalls von 2012 zum Tod geführt hatten.
Das Vermächtnis von María de Villota reicht weit über ihre Rennergebnisse hinaus. Sie war eine Pionierin für Frauen im Motorsport und zeigte durch ihr Weiterleben nach dem Unfall, dass Stärke nicht im Nicht-Fallen, sondern im Aufstehen liegt. Die FIA und viele Motorsportorganisationen ehrten ihr Engagement für Sicherheit und Gleichstellung. Ihr Name steht für Mut, Leidenschaft und die Überzeugung, dass das Leben trotz aller Rückschläge ein Geschenk ist.