tragedias

Krakatau

Vulkaninsel in der Sunda-Straße zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java

6 min01/01/2024
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Zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java, in der tektonisch hochaktiven Sundastraße, erhebt sich einer der gefährlichsten Vulkane der Erde: der Krakatau, international auch als Krakatoa bekannt. Seine besondere explosive Kraft verdankt er zwei geologischen Besonderheiten. Zum einen gehört er wie alle Vulkane Indonesiens zum Subduktionsvulkanismus, wo sich die schwere indo-australische Platte stetig unter die leichtere Burma-Platte schiebt. Zum anderen ändert die Subduktionszone genau im Bereich des Krakatau abrupt ihre Verlaufsrichtung, was große Risse in der Erdkruste und gewaltige tektonische Spannungen erzeugt.

Die ältesten Erwähnungen der Vulkaninsel in der westlichen Welt finden sich auf einer Landkarte des Kartografen Lucas Janszoon Waghenaer, der die Insel als Pulo Carcata verzeichnete, wobei Pulo vom indonesischen und malaiischen Wort für Insel abgeleitet ist. Für die frühe Geschichte des Vulkans existiert die Theorie eines Proto-Krakatau, der im Jahr 535 nach Christus explodiert sein soll. Dieser Ausbruch könnte zur weltweiten Klimaanomalie der Jahre 536 bis 550 beigetragen haben, die zu Erntausfällen und Hungersnöten in weiten Teilen der damaligen Welt führte. Spätestens seit jenem Ereignis bestand ein Archipel aus den Inseln Sertung, Panjang und einer großen Insel namens Krakatau, die drei Vulkankegel trug: Perboewatan, Danan und Rakata.

Jahrhundertelang ruhte der Vulkan. Erst 1530 brach der kleinste der drei Kegel, der Perboewatan, aus und vernichtete alles Leben auf der Insel. Es folgte erneut eine lange Phase der Ruhe, in der sich dichter Urwald auf der Insel ausbreitete. Die Bewohner der umliegenden Küsten glaubten, der Vulkan sei endgültig erloschen. Doch im Frühjahr 1883 zeigte sich, wie trügerisch diese Hoffnung war.

Das erste dokumentierte Anzeichen des bevorstehenden Ausbruchs ereignete sich am 9. Mai 1883: Ein Erdbeben kurz vor Mitternacht erschütterte die Region um den Leuchtturm Vierde Punt bei Anyer, dem dem Krakatau nächstgelegenen Ort. Der hohe Druck im Erdinneren hatte die Bruchlinie direkt unter dem Vulkan gesprengt und Magma nach oben getrieben. Am 20. Mai 1883 erwachte der Krakatau endgültig. Die Insel mit ihren drei Kegeln Rakata auf 820 Metern, Danan auf 450 Metern und Perboewatan auf 120 Metern verließ ihre vulkanische Ruhephase und begann mit zunehmend heftigen Ausbrüchen.

Im Laufe des Sommers 1883 steigerte sich die vulkanische Aktivität dramatisch. Aschewolken und Bimsstein regneten auf die Umgebung herab. Dann, am 27. August 1883, ereignete sich eine der gewaltigsten Explosionen in der aufgezeichneten Geschichte der Erde. In einer Abfolge mehrerer gigantischer phreatomagmatischer Ausbrüche, bei denen eindringendes Meerwasser mit dem glühenden Magma reagierte, wurde die Insel Krakatau buchstäblich in die Luft gesprengt. Zwei Drittel der Inselfläche versanken in der Caldera des Vulkans.

Die Druckwelle der Explosion umrundete die Erde siebenmal und war auf Messstationen rund um den Globus nachweisbar. Der Knall selbst war noch in einer Entfernung von über 4.800 Kilometern zu hören, auf der Insel Rodriguez im Indischen Ozean, wo Wachposten ihn für Kanonenfeuer eines Schiffes in Seenot hielten. Die Sprengkraft des Ausbruchs wird auf das 10.000 bis 100.000-fache der Atombombe geschätzt, die 1945 auf Hiroshima abgeworfen wurde.

Die unmittelbare Todesursache für die meisten Opfer war jedoch nicht die Explosion selbst, sondern der durch sie ausgelöste Tsunami. Gewaltige Wellen, einige Berichte sprechen von bis zu 30 Metern Höhe, überfluteten die Küsten von Java und Sumatra und vernichteten Dutzende von Ortschaften. Mehr als 36.000 Menschen kamen ums Leben. Weite Teile beider Inseln wurden durch die Eruption verwüstet.

Die Menge an Asche und Schwefeldioxid, die in die Atmosphäre geschleudert wurde, beeinflusste das Klima der gesamten Erde. In den folgenden Jahren sanken die Durchschnittstemperaturen weltweit messbar ab. Die Aschepartikel in der oberen Atmosphäre erzeugten in vielen Teilen der Welt außergewöhnlich farbige Sonnenuntergänge, die von Künstlern und Forschern dokumentiert wurden. Meteorologen konnten den Einfluss der Eruption noch Jahre später nachweisen.

Im Jahr 1927, fast 44 Jahre nach der großen Explosion, begann aus der Caldera des versunkenen Krakatau ein neuer Vulkankegel aus dem Meer aufzusteigen. Er erhielt den Namen Anak Krakatau, das Kind des Krakatau. Seitdem wächst er stetig, unterbrochen von regelmäßigen Ausbrüchen. Im Dezember 2018 kollabierte der Anak Krakatau bei einer Eruption zu einem großen Teil, verlor dabei erheblich an Höhe und löste erneut einen Tsunami aus, der an den Küsten von Java und Sumatra Hunderte von Menschenleben kostete. Der Krakatau bleibt ein lebendiges, unruhiges Monument der Naturgewalt.

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