José Eugênio Soares, der unter seinem Spitznamen Jô Soares einer ganzen Generation von Brasilianern bekannt war, erblickte am 16. Januar 1938 in Rio de Janeiro das Licht der Welt. Er starb am 5. August 2022 in São Paulo, nachdem er ein langes Leben dem Humor, der Literatur, dem Theater und dem Fernsehen gewidmet hatte. In all diesen Bereichen hinterließ er ein Werk, das die brasilianische Kulturlandschaft nachhaltig geprägt hat.
Jô Soares war ein Mann vieler Talente: Schauspieler, Autor, Fernsehmoderator, Dramaturg und Theaterregisseur. Diese Kombination aus schöpferischem Schreiben und öffentlichem Auftreten war selten, und es war genau diese Verbindung, die ihn zu einer einzigartigen Figur im brasilianischen Kulturbetrieb machte. Sein Humor war nicht oberflächlich, sondern basierte auf einer tiefen Kenntnis von Literatur, Geschichte und den Eigenheiten menschlicher Natur.
Im Fernsehen wurde Jô Soares vor allem als Humorist berühmt. Bereits 1970 war er mit der Sendung Faça Humor, Não Faça Guerra auf TV Globo präsent, einem humoristischen Format, dessen Titel in der aufgewühlten Zeit der Militärdiktatur in Brasilien seinen eigenen subversiven Witz besaß. 1981 folgte Viva o Gordo, sein erstes Soloprogramm, das er 1988 unter dem Titel Veja o Gordo beim Fernsehsender SBT fortsetzte.
Den Höhepunkt seiner Fernsehkarriere bildete jedoch die Talkshow Programa do Jô, die von 2000 bis 2016 auf Rede Globo ausgestrahlt wurde. Über sechzehn Jahre lang empfing er in seiner Sendung Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport und Unterhaltung, stellte kluge Fragen und sorgte für Momente des echten Gesprächs, die im schnelllebigen Fernsehbetrieb selten geworden waren. Unter seinen Gästen befand sich auch der deutsche Fußballstar Franz Beckenbauer, was den internationalen Anspruch des Formats unterstrich.
Neben seiner Fernseharbeit widmete sich Jô Soares intensiv dem Schreiben. Als Romanautor wählte er bevorzugt historische Stoffe, die er mit humoristischer Leichtigkeit aufbereitete. Sein bekanntestes Werk ist O Xangô de Baker Street aus dem Jahr 1995, das 1998 unter dem deutschen Titel Sherlock Holmes in Rio erschien. Der Roman versetzt den legendären britischen Detektiv Sherlock Holmes nach Rio de Janeiro und verwebt die Konventionen des Kriminalromans mit den Eigenheiten der brasilianischen Gesellschaft der Jahrhundertwende. Das Buch wurde 2001 auch verfilmt.
Ein weiterer Roman, O Homem que Matou Getúlio Vargas aus dem Jahr 1998, nimmt sich des brasilianischen Präsidenten Getúlio Vargas an, einer der kontroversesten Figuren der modernen brasilianischen Geschichte. Mit Assassinatos na Academia Brasileira de Letras, erschienen 2005 beim Verlag Companhia das Letras, und As esganadas aus dem Jahr 2011 bewies Soares, dass er nicht nur ein begnadeter Unterhalter vor der Kamera, sondern auch ein ernstzunehmender Literat war.
Sein schriftstellerisches Schaffen führte ihn 2005 auch zum renommierten Literaturfestival Festa Literária Internacional de Paraty, das zu den bedeutendsten Literaturveranstaltungen Lateinamerikas zählt. Dort traf er auf Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus aller Welt und stellte sein Werk in einen internationalen Kontext.
Auch im Film hinterließ Soares seine Spuren: 1976 schrieb und inszenierte er O Pai do Povo, und 2003 widmete ihm Marina Person einen Dokumentarfilm unter dem schlichten Titel Person. Diese filmische Würdigung zu Lebzeiten spiegelt den Stellenwert wider, den Jô Soares im brasilianischen Kulturleben einnahm.
Jô Soares starb im August 2022 im Alter von 84 Jahren. Mit ihm verlor Brasilien einen der letzten Vertreter jener Generation von Intellektuellen und Entertainern, die Witz und Bildung, Unterhaltung und Substanz als untrennbar miteinander verbunden betrachteten.


