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1992

Jahr

4 min01/01/2024
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Das Jahr 1992 war in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt der Weltgeschichte. Die Vereinten Nationen hatten es zum Internationalen Jahr des Weltraums erklärt, was den anhaltenden Enthusiasmus für die Erforschung des Universums widerspiegelte, auch wenn der Kalte Krieg, der einst das Weltraumrennen angeheizt hatte, gerade erst zu Ende gegangen war. Gleichzeitig erlebte die Welt eine Umbruchphase, in der alte Ordnungen zerbrachen und neue politische Realitäten entstanden.

In Deutschland wurden jedes Jahr besondere Lebewesen als Symbole des Naturschutzes ausgerufen. Das Rotkehlchen, wissenschaftlich bekannt als Erithacus rubecula, trug 1992 den Titel Vogel des Jahres, verliehen vom NABU. Die Bergulme, lateinisch Ulmus glabra, wurde vom Kuratorium Baum des Jahres zum Baum des Jahres gekürt. Die Fledermaus der Ordnung Microchiroptera ehrte die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild als Tier des Jahres, und das Große Zweiblatt, Listera ovata, wurde vom Arbeitskreis Heimische Orchideen zur Orchidee des Jahres ernannt.

Zum Jahresbeginn übernahm der Schweizer Politiker René Felber am 1. Januar das Amt des Bundespräsidenten der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Am selben Tag trat der ägyptische Diplomat Boutros Boutros-Ghali sein Amt als neuer Generalsekretär der Vereinten Nationen an und löste damit Javier Pérez de Cuéllar ab. Ebenfalls am 1. Januar trat das Gesetz über die Stasi-Unterlagen in Kraft, das den Zugang zu den hinterlassenen Akten des ostdeutschen Geheimdienstes regelte und damit einen wichtigen Schritt der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit darstellte.

Am 2. Januar vollzogen Aserbaidschan, Moldawien, Russland und die Ukraine einen bedeutsamen wirtschaftlichen Schritt: Sie hoben die Preisbindung für die meisten Güter auf. Dieser Übergang zur Marktwirtschaft war schmerzhaft und führte in den Folgemonaten zu erheblichen Preissteigerungen und sozialen Verwerfungen in den jungen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Am 3. Januar wurde ein Waffenstillstand zwischen Serbien und Kroatien vereinbart, der jedoch nur ein vorläufiges Ende der Kämpfe auf dem Balkan markierte.

Am 6. Januar erlitten Georgien ein schweres politisches Erdbeben: Nach zweiwöchigen Gefechten wurde Präsident Swiad Gamsachurdia von oppositionellen Milizen gestürzt. Gamsachurdia floh nach Armenien. Das Land versank daraufhin in einem Bürgerkrieg, der die neu gewonnene Unabhängigkeit auf eine harte Probe stellte. Am 9. Januar riefen bosnisch-serbische Politiker die Republika Srpska aus, ein Ereignis, das den Beginn des blutigen Bosnienkrieges einläutete und die internationale Gemeinschaft vor eine ihrer größten humanitären Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg stellte.

Am 11. Januar griff das Militär in Algerien in die Politik ein: Präsident Chadli Bendjedid wurde von der Armee zum Rücktritt gezwungen. Anlass war der drohende Wahlsieg der Islamischen Heilsfront, die in der ersten Runde der Parlamentswahlen eine überwältigende Mehrheit errungen hatte. Das Militär annullierte die Wahlen und übernahm die Kontrolle, was das Land in einen langen und blutigen Bürgerkrieg stürzte, der in den folgenden Jahren Zehntausende das Leben kosten sollte.

Am 12. Januar wurde der amtierende bulgarische Staatspräsident Schelju Schelew durch eine erneute Wahl in seinem Amt bestätigt. Bulgarien befand sich wie viele andere osteuropäische Staaten im schwierigen Übergang von einer kommunistischen Planwirtschaft zu einer parlamentarischen Demokratie. Der 15. Januar brachte gleich zwei wichtige Ereignisse: Deutschland nahm diplomatische Beziehungen zu Slowenien auf, und die Länder der Europäischen Gemeinschaft erkannten sowohl Slowenien als auch Kroatien offiziell als unabhängige Staaten an.

Diese internationale Anerkennung war ein historischer Moment für die beiden jungen Republiken, die sich aus dem zerfallenden Jugoslawien gelöst hatten. Sie signalisierte zugleich das endgültige Scheitern der jugoslawischen Bundesstaatlichkeit und den Beginn einer neuen politischen Landkarte Europas. Das Jahr 1992 hinterließ damit ein facettenreiches Erbe: Auf der einen Seite standen hoffnungsvolle Zeichen der Demokratisierung und Öffnung, auf der anderen die blutigen Konflikte auf dem Balkan und im Kaukasus, die zeigten, wie schmerzhaft das Ende des Kalten Krieges für viele Völker war.

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