civilizacoes perdidas

Osterinsel

Polynesische Insel im Pazifik

5 min01/01/2024
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Weit draußen im Südostpazifik, fern von jedem Festland und fast allen anderen Inseln, liegt ein kleines Stück Land, das seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen beflügelt: die Osterinsel, auf Spanisch Isla de Pascua und in der Sprache der Ureinwohner Rapa Nui genannt. Sie gehört politisch zu Chile, ist jedoch geographisch und kulturell dem polynesischen Raum zuzurechnen. Ihr nächster bewohnter Nachbar, die Pitcairn-Insel, liegt immer noch 2078 Kilometer entfernt; die chilenische Küste ist mehr als 3500 Kilometer weit weg. Diese extreme Isolation macht Rapa Nui zu einem der abgeschiedensten bewohnten Orte der Erde.

Die Insel selbst ist geologisch gesehen ein Gipfel des Salas-y-Gómez-Rückens, eines rund 2500 Kilometer langen unterseeischen Höhenzuges, der fast vollständig unter der Meeresoberfläche verborgen bleibt. Nur die Osterinsel und die kleine Nachbarinsel Salas y Gómez ragen aus dem Wasser heraus. Das Fehlen eines Korallenriffs ist auffällig: Die Küste fällt steil bis zu 3000 Meter Tiefe ab, und der Küstensaum ist steinig und zerklüftet. Nur an zwei Stellen, in der Anakena-Bucht und der Bucht von Ovahe an der Nordküste, gibt es kleine Sandstrände.

Die Form der Insel ähnelt einem gleichschenkligen rechtwinkligen Dreieck mit einer maximalen Länge von 24 Kilometern und einer maximalen Breite von 13 Kilometern. Auf einer Fläche von rund 162,5 Quadratkilometern prägen drei erloschene Vulkane das Landschaftsbild: Rano Kao im Südwesten, der Poike mit seinem Hauptgipfel Maunga Puakatiki im Osten sowie der Maunga Terevaka im Norden, der mit 507 Metern die höchste Erhebung der Insel bildet. Über 70 teilweise stark erodierte Nebenkrater verteilen sich über das gesamte Gelände. An der Südwestspitze und an der Halbinsel Poike erheben sich steile Kliffen von bis zu 300 Metern Höhe.

Das Klima ist subtropisch-warm mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 21 Grad Celsius. Die Jahreszeiten sind kaum ausgeprägt; die kältesten Monate sind Juli und August, die wärmsten Januar und Februar. Starke Passatwinde bestimmen das Wetter. Regen fällt etwa 1150 Millimeter im Jahr, am meisten im April und Mai, am wenigsten in den Monaten Oktober, November und Januar. Die Wassertemperatur liegt im Jahresdurchschnitt bei 22 Grad Celsius.

Paläoklimatologen haben anhand von Pollenanalysen rekonstruiert, dass das Klima der Insel in den vergangenen 35 000 Jahren starken Schwankungen unterlag. Vor rund 35 000 Jahren war das Wetter warm und trocken, was krautige Vegetation begünstigte. Zwischen etwa 35 000 und 26 000 Jahren vor unserer Zeitrechnung herrschte eine feuchte und deutlich wärmere Periode, in der dichte Palmenwälder und Buschvegetation gediehen. Anschließend kühlte es ab und wurde trockener, was die Wälder zurückdrängte und Grasland entstehen ließ. Nach etwa 12 000 vor Christus erholten sich die Palmenwälder erneut und bildeten dichtes Kronendach, bevor die ersten polynesischen Siedler ankamen.

Wer diese ersten Menschen waren und wann sie eintrafen, ist Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Die überwiegende Forschungsmeinung geht davon aus, dass polynesische Seefahrer die Insel irgendwann zwischen dem 5. und 13. Jahrhundert nach Christus besiedelten. Was diese Ankömmlinge vorfanden, war eine üppig bewaldete Insel. Was sie hinterließen, ist bis heute das Wahrzeichen von Rapa Nui: die Moai, monumentale Steinskulpturen von oft mehreren Metern Höhe, die aus dem vulkanischen Tuffstein des Rano-Raraku-Kraters gehauen wurden. Rund 900 solcher Figuren sind auf der Insel bekannt, manche noch in der Werkstatt zurückgelassen, andere auf zeremoniellen Plattformen aufgerichtet.

Die Moai zeigen in der Regel stilisierte menschliche Gestalten mit übergroßen Köpfen, markanten Nasen und langen Ohren. Viele wurden auf sogenannten Ahu aufgestellt, steinernen Zeremonialplattformen, die das Rückgrat der religiösen und sozialen Ordnung der Rapanui bildeten. Die Logistik des Transports dieser teils über 80 Tonnen schweren Steingiganten ohne Räder und Zugtiere ist bis heute nicht vollständig geklärt; Experimente legen nahe, dass die Statuen auf Schlitten oder durch rhythmisches Kippen „zu Fuß" bewegt wurden.

Die Gesellschaft der Rapanui geriet jedoch in eine tiefe Krise. Archäologische und paläobotanische Untersuchungen zeigen, dass die einstmals dichten Wälder der Insel bis etwa zum 17. Jahrhundert nahezu vollständig gerodet wurden, vermutlich durch Überbevölkerung, intensive Landwirtschaft und den Holzbedarf für den Moai-Transport. Der Untergang der Waldbedeckung führte zu Bodenerosion, sinkenden Ernteerträgen und gesellschaftlichen Spannungen, die sich in Kriegen zwischen den Klans entluden. Die Moai wurden gestürzt, die Ahu verwüstet.

Im Jahr 1722 landete der niederländische Seefahrer Jacob Roggeveen als erster Europäer auf der Insel, und zwar am Ostersonntag – daher der Name Osterinsel. Er fand eine stark dezimierte Bevölkerung vor. Die nachfolgenden Jahrzehnte brachten weiteres Leid: Sklavenjäger verschleppten im Jahr 1862 nahezu die gesamte Erwachsenenbevölkerung nach Peru, darunter den König und fast alle Wissensträger. Von den wenigen Zurückgekehrten brachten viele Krankheiten mit, die weitere Sterblichkeit auslösten. Zu ihrem Tiefpunkt sank die Bevölkerung auf wenige Dutzend Menschen.

Chile annektierte die Insel 1888. Die Bewohner wurden lange Zeit auf eine einzige Siedlung, Hanga Roa, beschränkt und durften das restliche Gelände nicht betreten. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Rechte der Rapanui schrittweise ausgebaut. Laut Volkszählung 2017 lebten 7750 Menschen auf der Insel. Seit 1995 gehört der Nationalpark Rapa Nui zum UNESCO-Welterbe und schützt die Moai sowie die zahlreichen anderen archäologischen Stätten. Der Tourismus ist heute die wichtigste wirtschaftliche Grundlage, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich.

Klimaforscher warnen zudem, dass ein fortschreitender Klimawandel bis 2090 zu ernsthaften Dürreperioden auf der Insel führen könnte, wie eine 2016 in Nature Climate Change veröffentlichte Studie aufzeigte. Die Osterinsel, die schon einmal durch menschliche Übernutzung ihrer Ressourcen an den Rand des Zusammenbruchs gebracht wurde, sieht sich damit erneut einer existenziellen Bedrohung gegenüber. Das Schicksal von Rapa Nui gilt vielen als eindringliches Gleichnis für die Zerbrechlichkeit von Ökosystemen und die Folgen rücksichtslosen Ressourcenverbrauchs.

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