Hubert Horatio Humphrey wurde am 27. Mai 1911 in Wallace, Codington County, South Dakota, in eine Familie hineingeboren, die ihm früh eine pragmatische Weltsicht mitgab. Sein Lebensweg führte ihn zunächst nicht in die Politik, sondern in die Pharmazie: Von 1933 bis 1937 betrieb er eine eigene Apotheke, ehe er erkennte, dass seine eigentliche Berufung anderswo lag.
Nach dem Studium der Politikwissenschaft an den Universitäten von Minnesota und Louisiana trat Humphrey während des Zweiten Weltkriegs in den staatlichen Dienst. Im Jahr 1942 übernahm er in Minnesota die Leitung des Programms zur Ausbildung und Wiederbeschäftigung in der neuen Produktion sowie die Führung des Kriegsdienstprogramms. 1943 amtierte er kurzzeitig als stellvertretender Direktor der War Manpower Commission, bevor er von 1943 bis 1944 als Professor für Politikwissenschaften am Macalester College in Saint Paul tätig war, wo er eine neue Abteilung für internationale Debatten aufbaute.
Den Sprung in die kommunale Politik vollzog Humphrey unmittelbar nach Kriegsende: Von 1945 bis 1948 war er Bürgermeister von Minneapolis, wo er sich als energischer Reformer einen Namen machte. Doch seine eigentliche nationale Bühne fand er bei der Democratic National Convention 1948 in Philadelphia. Mit einer leidenschaftlichen Rede zur Bürgerrechtsfrage stellte er sich eindeutig auf die Seite der Afroamerikaner und anderer Minderheiten und forderte die Partei auf, sich ohne Zögern dem Grundsatz der Gleichberechtigung zu verschreiben. Diese Rede machte ihn über Nacht zum bekanntesten liberalen Politiker der Demokraten.
Im selben Jahr wurde Humphrey in den US-Senat gewählt, dem er von 1949 bis 1964 angehörte. Als Senator für Minnesota galt er als einer der unermüdlichsten Verfechter sozialer Gerechtigkeit, bürgerlicher Freiheiten und internationaler Zusammenarbeit. Er trieb entscheidend die Verabschiedung des Civil Rights Act von 1964 voran und war in der Partei ein Symbol für den progressiven Flügel der Demokraten.
Die Präsidentschaftsvorwahl von 1960 stellte Humphrey vor eine bittere Niederlage: Im innerparteilichen Rennen unterlag er John F. Kennedy, der seine überlegene Organisation und seinen Charisma in die Waagschale warf. Dennoch blieb Humphrey eine Schlüsselfigur im demokratischen Establishment. Als Lyndon B. Johnson ihn 1964 als Kandidaten für die Vizepräsidentschaft auswählte, war das eine Auszeichnung, die seinen langen Weg im Dienst der Partei würdigte.
Nach dem klaren Wahlsieg der Demokraten im November 1964 wurde Humphrey am 20. Januar 1965 als 38. Vizepräsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In diesem Jahr wurde er auch in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen. Doch das Amt erwies sich als zwiespältig: Einerseits war er nah am Zentrum der Macht, andererseits musste er die Vietnam-Politik Johnsons verteidigen, obwohl er intern erhebliche Zweifel hegte. Seine öffentliche Unterstützung des Krieges schadete seiner Glaubwürdigkeit bei der zunehmend kriegsmüden Bevölkerung erheblich.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Humphrey im April 1967, als er Deutschland besuchte. Im Vorfeld seines Besuchs hatten Mitglieder der Berliner Kommune I einen Protest inszeniert, bei dem sie Tüten mit Pudding, Mehl und Farbstoff gegen Bäume warfen. Die Presse stilisierte diesen harmlosen Akt zum sogenannten Pudding-Attentat hoch, das zu einem der ersten formativen Momente der deutschen 68er-Bewegung wurde und das Bild des Protests als Happening prägte.
Das Jahr 1968 brachte Humphrey an seine politische und persönliche Belastungsgrenze. Nach der Ermordung Robert F. Kennedys, der ebenfalls um die demokratische Präsidentschaftskandidatur kandidiert hatte, wurde Humphrey auf dem chaotischen Parteikonvent der Demokraten in Chicago Ende August 1968 zum Kandidaten nominiert. Der Konvent selbst war von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten überschattet, was das Bild der Partei schwer beschädigte.
Im Rennen gegen den Republikaner Richard Nixon verlor Humphrey am 5. November 1968 in einem äußerst knappen Kopf-an-Kopf-Duell. Am 20. Januar 1969 schied er aus dem Amt des Vizepräsidenten aus. Unmittelbar danach kehrte er ans Macalester College und die Universität von Minnesota zurück, diesmal als Professor. Zudem nahm er einen Sitz im Verwaltungsrat der Encyclopaedia Britannica Inc. ein.
Schon 1971 kehrte Humphrey in den US-Senat zurück, dem er bis zu seinem Tod angehörte. 1972 versuchte er ein weiteres Mal, die Präsidentschaft zu erringen, scheiterte jedoch erneut im Nominierungsprozess. 1976 lehnte er eine neuerliche Kandidatur ab. Der amerikanische Liedermacher und Satiriker Tom Lehrer widmete ihm den Song „Whatever Became of Hubert?", der sich ironisch mit der relativen Unscheinbarkeit seiner Tätigkeit als Vizepräsident auseinandersetzte.
Hubert Horatio Humphrey starb am 13. Januar 1978 in Waverly, Minnesota, im Alter von 66 Jahren an Blasenkrebs. Seit 1936 war er mit Muriel Humphrey verheiratet; aus der Ehe gingen drei Söhne und eine Tochter hervor. Als Vermächtnis bleibt sein unermüdlicher Einsatz für Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit. Der Metrodome in Minneapolis, Spielstätte der Minnesota Vikings und Minnesota Twins, trug zeitweise seinen Namen als Hubert H. Humphrey Metrodome, ein Zeichen der Anerkennung seiner Heimatstadt für einen ihrer bedeutendsten Söhne.


