tragedias

Günther Prien

Deutscher Marineoffizier und U-Bootkommandant im Zweiten Weltkrieg

6 min01/01/2024
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Günther Prien erblickte am 16. Januar 1908 in Osterfeld in der Provinz Sachsen das Licht der Welt als Sohn des Amtsgerichtsrates Gustav Prien und seiner Frau Margarete, geborene Bohstedt. Schon früh war seine Kindheit von wechselnden Lebensumständen geprägt: Ab dem fünften Lebensjahr wuchs er bei Verwandten auf, dem Notar Carl Hahn und seiner Ehefrau in Lübeck. Dort besuchte er das Katharineum und später das Königin-Carola-Gymnasium in Leipzig.

Mit sechzehn Jahren brach Prien den Schulbesuch ab und schlug einen für seine Zeit ungewöhnlichen Weg ein: Er ging zur Handelsmarine. Im Jahr 1927 war er in Leipzig gemeldet, und 1931 bestand er die Kapitänsprüfung. Unmittelbar danach fand er sich jedoch ohne Arbeit wieder. In seiner späteren Autobiografie machte er die Weimarer Republik für seine Arbeits- und Perspektivlosigkeit verantwortlich. Aus Verbitterung trat er 1931 der NSDAP bei, seine Mitgliedsnummer lautete 1.128.487.

Am 16. Januar 1933, seinem 25. Geburtstag, trat Prien in die Reichsmarine ein. Er wurde in die Crew 31 eingegliedert und am 1. März 1933 zum Fähnrich zur See ernannt. Es folgte die obligatorische Infanterieausbildung bei der Schiffsstammdivision der Ostsee auf dem Dänholm bei Stralsund. Von April 1933 bis September 1934 absolvierte er Fähnrichslehrgänge an der Marineschule Mürwik und der Deckoffizierschule in Kiel.

Am 1. April 1935 wurde Prien, der zu dieser Zeit auf dem Leichten Kreuzer Königsberg diente, zum Leutnant zur See befördert. Noch im selben Jahr meldete er sich zur U-Bootwaffe, die unter Karl Dönitz systematisch aufgebaut wurde. Bis Ende April 1936 absolvierte er eine U-Boot-Ausbildung, besuchte die U-Bootschule in Kiel und fuhr auf dem Schulboot U 3. Ab dem 11. Mai 1936 diente er als Erster Wachoffizier auf U 26 unter Kapitänleutnant Werner Hartmann. In diese Zeit fielen mehrere Einsätze im Spanischen Bürgerkrieg.

Von Oktober bis Dezember 1938 erhielt Prien die sogenannte Baubelehrung für sein zukünftiges Boot U 47 bei der Germaniawerft in Kiel. Am 17. Dezember 1938 wurde ihm das Kommando über U 47 übertragen. Am 1. Februar 1939 wurde er zum Kapitänleutnant befördert. Als der Zweite Weltkrieg begann, befand sich Prien mit U 47 bereits auf See; das Boot war am 19. August 1939 in Kiel ausgelaufen und patrouillierte westlich von Bordeaux.

Zu Kriegsbeginn verhielt sich Prien anders als mancher seiner Kameraden. Fritz-Julius Lemp, ein Crewkamerad, versenkte mit U 30 das britische Passagierschiff Athenia ohne vorherige Identifizierung. Prien hingegen hielt sich an das U-Boot-Protokoll, ließ zunächst drei Schiffe neutraler Nationen passieren und versenkte britische Frachter erst nach regelkonformer Warnung der Besatzung. So versenkte er den Frachter Bosnia zunächst mit Artilleriefeuer, ließ die Besatzung von einem norwegischen Schiff in Sicherheit bringen und gab dann den Torpedoschuss. Auf ähnliche Weise versenkte er die Rio Claro und versuchte es auch bei der Gartavon, die er schließlich mit Artilleriefeuer zum Sinken brachte, nachdem ein Torpedo versagt hatte.

Den Höhepunkt seiner militärischen Laufbahn erlebte Prien in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober 1939. Am 1. Oktober 1939 hatte er von Befehlshaber der U-Boote Karl Dönitz den Auftrag erhalten, in die britische Flottenreede Scapa Flow einzudringen, den bedeutsamen Heimathafen der Home Fleet. Dönitz gab Prien mindestens 24 Stunden Bedenkzeit für die Frage, ob er die Mission für durchführbar hielt. Prien nahm die Herausforderung an.

In Scapa Flow gelang ihm das schier Unmögliche: Er drang durch die stark gesicherte Reede ein, torpedierte das britische Schlachtschiff Royal Oak und brachte es zum Sinken. Über 800 Besatzungsmitglieder verloren dabei ihr Leben. U 47 entkam unversehrt. Diese Aktion war eine militärische und propagandistische Sensation. Das nationalsozialistische Regime instrumentalisierte Prien sofort als idealtypischen Kriegshelden, und seine Bekanntheit überstieg die nahezu aller anderen deutschen Soldaten der frühen Kriegsjahre.

Prien starb frühestens am 7. März 1941 im Nordatlantik südlich von Island, als U 47 von britischen Zerstörern zum Sinken gebracht wurde. Der genaue Zeitpunkt und die Umstände blieben lange Zeit unbekannt. Mit ihm verschwand einer der bekanntesten deutschen Marineoffiziere des Zweiten Weltkriegs, dessen Geschichte bis heute ein faszinierendes und zugleich zwiespältiges Licht auf die Mechanismen von Krieg, Propaganda und militärischem Heroismus wirft.

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