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Britisch-Amerikanischer Krieg

Krieg zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, 1812–1814

6 min01/01/2024
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Der Britisch-Amerikanische Krieg, heute meist als Krieg von 1812 bekannt, gehört zu den am häufigsten missverstandenen Konflikten der nordamerikanischen Geschichte. Was offiziell als dreieinhalbjähriger Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich in die Geschichte eingegangen ist, war in Wirklichkeit das Ergebnis einer langen Aufschichtung von Spannungen, Demütigungen und wirtschaftlichen Verletzungen, die schließlich in einer formal erklärten Kriegsführung ihren Ausdruck fanden.

Die Kriegserklärung der Vereinigten Staaten erfolgte am 18. Juni 1812. In einer Rede vom 1. Juni 1812 hatte Präsident James Madison dem Kongress eine Reihe von Gründen vorgetragen, die eine solche Maßnahme rechtfertigten. An erster Stelle stand die Zwangsrekrutierung amerikanischer Seeleute in die Royal Navy – ein Praxis, die als Impressment bekannt war und die amerikanische Öffentlichkeit seit Jahren in Rage versetzte. Dazu kamen Übergriffe britischer Kriegsschiffe auf amerikanische Handelsschiffe, die britische Blockade amerikanischer Häfen zum Zweck der Unterbindung des Handels mit dem von Napoleon besetzten Europa sowie die britische Weigerung, ein Verbot aufzuheben, das den neutralen Amerikanern den Handel mit Europa erschwerte. Schließlich warf Madison den Briten vor, Indianervölker zu Gewaltakten gegen amerikanische Siedler aufzustacheln.

Das Impressment war ein besonders wunder Punkt. Auf britischen Kriegsschiffen dienten, ob freiwillig oder gezwungen, erhebliche Zahlen von Amerikanern. So waren allein bei der berühmten Schlacht von Trafalgar im Jahr 1805 unter den 663 Besatzungsmitgliedern der Victory 22 Bürger der Vereinigten Staaten. Angeblich wurden jährlich etwa 1000 Seeleute von amerikanischen Schiffen – sowohl echte Briten als auch legitime amerikanische Bürger – Opfer von Zwangsrekrutierungen. Berichte besagten, dass britische Offiziere bisweilen so viele Männer von Handelsschiffen holten, dass diese kaum noch manövrierfähig waren.

Aus britischer Sicht war die Sache komplizierter. Das Verfahren zur Erteilung amerikanischer Staatsbürgerschaftsnachweise war in ihren Augen so oberflächlich, dass es Missbrauch geradezu einlud: Eine eidesstattliche Erklärung vor einem Notar genügte zur Erlangung der entsprechenden Papiere, und die darin enthaltenen Personenbeschreibungen waren so vage, dass sie auf viele Männer zutreffen konnten. Hinzu kam, dass jährlich bis zu 2500 britische Seeleute auf amerikanischen Schiffen anheuerten, um dem Dienst in der Royal Navy zu entgehen. Aus britischer Perspektive war man schlicht berechtigt, diese Männer zurückzuholen.

Der Krieg verlief auf beiden Seiten mit gemischtem Erfolg. Amerikanische Versuche, Kanada zu besetzen, scheiterten. Im August 1814 besetzten britische Truppen Washington und brannten das Weiße Haus nieder. Auf See lieferten sich beide Marine spektakuläre Einzelgefechte. Eine der bekanntesten Episoden des gesamten Krieges ereignete sich allerdings nach dem eigentlichen Kriegsende: Die Battle of New Orleans vom 8. Januar 1815, in der General Andrew Jackson die britischen Angreifer vernichtend schlug – wobei beiden Seiten noch nicht bekannt war, dass bereits am 24. Dezember 1814 im belgischen Gent der Friedensvertrag unterzeichnet worden war.

Der Frieden von Gent stellte im Wesentlichen den Status quo ante bellum wieder her – keine der Konfliktparteien hatte territoriale Gewinne zu verzeichnen. Die ursprünglichen Streitfragen um das Impressment und die Handelsblockaden fanden im Vertrag keine explizite Lösung, waren aber durch das Ende der Napoleonischen Kriege und den damit verbundenen Wegfall der militärischen Notwendigkeiten ohnehin gegenstandslos geworden.

Das eigentliche Erbe des Krieges liegt woanders. Für die Vereinigten Staaten stärkte er das nationale Selbstbewusstsein und trug zur Überwindung der tiefen politischen Spaltungen bei, die das Land in den Kriegsjahren geprägt hatten. Für Kanada wurde er zum Gründungsmythos, zur Stunde der Bewährung gegen die amerikanische Bedrohung. Für das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien markierte er den Beginn einer langsamen Annäherung, die im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einer stabilen, letztlich partnerschaftlichen Beziehung führen sollte.

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