civilizacoes perdidas

Geta (Kaiser)

Mitregent des römischen Kaisers Caracalla

6 min01/01/2024
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In der Geschichte des Römischen Reiches gibt es kaum ein Herrscherpaar, das so durch Hass und Rivalität definiert wurde wie die Brüder Caracalla und Geta. Zwei Söhne desselben Vaters, erzogen zur gemeinsamen Herrschaft – und doch von Anfang an zu Feinden füreinander bestimmt. Das Leben des jüngeren Bruders Geta endete gewaltsam, und sein Andenken wurde systematisch ausgelöscht. Was blieb, ist die Geschichte eines kurzen, tragisch gescheiterten Mitregentschaft.

Publius Septimius Geta wurde am 7. März 189 in Rom geboren. Sein Vater war Septimius Severus, der aus dem nordafrikanischen Leptis Magna stammende Kaiser, der im Jahr 193 an die Macht gekommen war. Seine Mutter war die vornehme Syrerin Julia Domna, die Severus im Jahr 187 geheiratet hatte. Der erste Sohn des Paares, Caracalla, war am 4. April 188 zur Welt gekommen, als die Familie sich noch in Lugdunum – dem heutigen Lyon – befand, wo Severus als Statthalter der Provinz Gallia Lugdunensis amtierte. Nach Ende dieser Statthalterschaft zog die Familie nach Rom, wo Geta knapp elf Monate nach seinem Bruder das Licht der Welt erblickte. Er erhielt den Namen seines Großvaters väterlicherseits, des punischstämmigen römischen Ritters Publius Septimius Geta.

Dass zwischen den beiden Brüdern eine Rivalität entstehen würde, zeichnete sich früh ab. Bereits in der Kindheit wurde der Vorrang Caracallas durch Titel und Namen symbolisch unterstrichen. Ab dem Frühjahr 195 gab sich Septimius Severus als fiktiver Adoptivsohn des verstorbenen, 180 gestorbenen Kaisers Mark Aurel aus, um seine dynastische Legitimität zu festigen. Caracalla galt damit als fiktiver Enkel Mark Aurels und erhielt ab 195 oder 196 dessen Namen: Er hieß fortan Marcus Aurelius Antoninus und wurde in das Geschlecht der Antonine eingegliedert. Geta hingegen erhielt zwar zeitweilig den Vornamen Lucius – möglicherweise als Anklang an Lucius Verus, den Mitregenten Mark Aurels –, wurde aber nicht durch Umbenennung in die kaiserliche Antoninenfamilie aufgenommen. Darin äußerte sich eine klare Bevorzugung des älteren Bruders.

Vielleicht schon 1195, spätestens 196 wurde Caracalla der Titel Caesar verliehen und damit als künftiger Kaiser designiert. Eine entsprechende Erhöhung Getas ließ zunächst auf sich warten. Im Jahr 197 begleitete Geta zusammen mit Caracalla seinen Vater auf dessen zweitem Feldzug gegen das Partherreich. Vielleicht schon 197, spätestens 198 erhielt auch er die Titel Caesar und Princeps iuventutis. Zur gleichen Zeit wurde Caracalla zum Augustus erhoben – zum nominellen Mitregenten des Kaisers –, was erneut seinen Vorrang festschrieb.

Die Kaiserfamilie verbrachte die folgenden Jahre in Bewegung. Im Jahr 199 reiste sie nach Ägypten, wo sie sich bis 200 aufhielt. Erst 202 kehrte sie nach Rom zurück. Von 202 bis 203 hielt sie sich in Nordafrika auf, den Winter verbrachte die Familie wohl in Severus' Heimatstadt Leptis Magna in Libyen. In all diesen Jahren versuchte der Vater, die tiefe Feindschaft zwischen seinen Söhnen zu mildern. Die kaiserliche Propaganda arbeitete mit dem Bild der Concordia, der Eintracht. Es wurden Münzen geprägt, die dieses Ideal beschworen, und in den Jahren 205 und 208 bekleideten Caracalla und Geta gemeinsam das Konsulat. Eine offizielle Fassade der Einheit, hinter der der Hass ungebrochen weiterbrannte.

Im Jahr 208 brach Severus zu einem Feldzug nach Britannien auf. Beide Söhne begleiteten ihn. Dieser Aufenthalt auf der nördlichsten Grenze des Reiches sollte die beiden Rivalen von Rom fernhalten und mögliche Skandale in der Hauptstadt verhindern. Am 4. Februar 211 starb Septimius Severus. Wie geplant traten seine Söhne gemeinsam die Nachfolge an und herrschten fortan als Mitkaiser – Publius Septimius Geta vom 4. Februar 211 bis zu seinem Tod.

Doch die gemeinsame Herrschaft scheiterte noch im selben Jahr. Caracalla lockte Geta in eine Falle. Er ließ ihn ermorden – nach Überlieferung am 19. oder zwischen dem 25. und 26. Dezember 211. Was danach folgte, war die damnatio memoriae: die systematische Auslöschung des Andenkens. Getas Name wurde aus Inschriften getilgt, seine Bildnisse zerstört oder umgearbeitet, sein Gedächtnis aus dem öffentlichen Raum verbannt.

Geta war bei seinem Tod etwa zweiundzwanzig Jahre alt. Er hatte kaum Gelegenheit gehabt, seinen Stempel auf die Herrschaft zu drücken. Was von ihm bleibt, ist vor allem das Bild eines Mannes, der von Kindheit an im Schatten seines älteren Bruders lebte – einem Bruder, der letztlich die brutalste Konsequenz aus ihrer lebenslangen Rivalität zog. Die Geschichte des Kaiserhauses der Severer zeigt in der Person Getas, wie eng in der Antike die Strukturen dynastischer Macht mit persönlicher Gewalt verbunden waren.

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