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Geocaching

Elektronische Schatzsuche oder Schnitzeljagd

6 min01/01/2024
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Was im Jahr 2000 als Experiment eines technikbegeisterten Amerikaners begann, hat sich zu einem weltweiten Freizeitphänomen entwickelt: Geocaching – eine moderne Form der Schatzsuche, bei der GPS-Koordinaten und Neugierde die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände sind. Im deutschsprachigen Raum ist das Spiel auch unter dem Begriff GPS-Schnitzeljagd bekannt, abgeleitet vom altgriechischen Wort für „Erde" und dem englischen „cache" für Versteck oder geheimes Lager.

Das Grundprinzip ist so einfach wie bestechend: Jemand versteckt einen wasserdichten Behälter – den sogenannten Geocache –, notiert die genauen geographischen Koordinaten und veröffentlicht diese im Internet. Andere Teilnehmer, die „Cacher", machen sich dann mit einem GPS-Empfänger oder einer entsprechenden Smartphone-App auf die Suche. Im Cache befindet sich in der Regel ein Logbuch, in das sich Finder eintragen, sowie häufig kleine Tauschgegenstände. Wer etwas mitnimmt, soll auch etwas hinterlassen – eine Regel, die Gemeinschaft und Fairness symbolisiert. Anschließend wird der Cache wieder an genau derselben Stelle verborgen, damit der nächste Suchende seine Chance hat.

Die Vorläufer des Geocachings reichen weit in die Vergangenheit zurück. Das sogenannte Letterboxing – ebenfalls eine Art versteckter Behälter mit Tauschobjekten – ist nachweislich seit 1854 im Dartmoor in Südengland belegt und dort bis heute lebendig. Bei dieser Variante erfolgt die Suche ohne GPS-Unterstützung, anhand von Hinweisen und einem Kompass. In jedem Behälter befindet sich ein spezieller Stempel, mit dem Finder den Fund in ihrem persönlichen Stempelbuch dokumentieren. Seit den 1980er Jahren praktizierten die „Nuuksion Metsäsissit" – zu Deutsch etwa „Nuuksio Waldguerilla" – in der Gegend nordwestlich von Helsinki ähnliche Schatzsuchen, bei denen Koordinaten mit einer Genauigkeit von zehn Metern weitergegeben wurden, allerdings noch ohne GPS.

Den entscheidenden technischen Sprung ermöglichte die US-Regierung am 2. Mai 2000 – dem sogenannten Blue Switch Day. An diesem Tag schaltete das US-Militär die künstliche Verschlechterung des GPS-Signals für zivile Nutzer ab, die sogenannte Selective Availability. Die Positionsgenauigkeit verbesserte sich damit schlagartig von rund 100 Metern auf etwa 10 Meter, was den Einsatz von GPS-Geräten im privaten Alltag erstmals wirklich praktikabel machte.

Nur einen Tag später, am 3. Mai 2000, schlug Dave Ulmer in der Usenet-Newsgroup sci.geo.satellite-nav unter dem Titel „The Great American GPS Stash Hunt" vor, diese neue Präzision für ein weltweites Spiel zu nutzen. Er formulierte die Grundregeln: Behälter mit Tauschobjekten und einem Logbuch an besonderen Orten verstecken, die Koordinaten veröffentlichen, finden – und wieder verstecken. Noch am selben Tag vergrub Ulmer in der Nähe der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon an einem bestimmten Punkt einen schwarzen Plastikeimer. Darin befanden sich CDs, eine Videokassette, eine Dollarnote, ein Buch, eine Steinschleuder und eine Konservendose mit Bohnen. Die Koordinaten veröffentlichte er in der Newsgroup.

Bereits innerhalb eines Tages wurde das Versteck als erstes von Mike Teague gefunden. Drei Tage später erstellte Teague eine private Website, auf der er die wachsende Anzahl ähnlicher Verstecke dokumentierte – der Grundstein eines globalen Netzwerks. Im Frühjahr 2019 wurden bereits rund drei Millionen aktive Teilnehmer in vielen Ländern der Welt gezählt, und die Anzahl der aktiven Caches weltweit war zu diesem Zeitpunkt auf mehrere Millionen gestiegen.

Was Geocaching so beständig attraktiv macht, ist die Verbindung von technischem Reiz, körperlicher Aktivität und dem kindlichen Vergnügen an der Schatzsuche. Caches finden sich in städtischen Parkanlagen ebenso wie in entlegenen Gebirgstälern, unter Brücken, in Stadtmauern oder an historischen Stätten. Manche sind winzig – kaum größer als ein Fingernagel –, andere füllen große Behälter mit allerlei Überraschungen. Der spielerische Aspekt des Verbergens und Entdeckens, verbunden mit der modernen GPS-Technologie, hat eine Gemeinschaft geschaffen, die Grenzen und Generationen überspannt.

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