An der Mündung des Cuyahoga River in den Eriesee liegt Cleveland, eine Stadt, deren Geschichte wie ein Brennglas die industrielle Entwicklung und den späteren Niedergang der amerikanischen Schwerindustrieregion bündelt. Cleveland – bis 1831 noch unter der Schreibweise Cleaveland bekannt – ist heute mit 372.624 Einwohnern laut der Volkszählung von 2020 die zweitgrößte Stadt im Bundesstaat Ohio nach der Hauptstadt Columbus. Mit einer Fläche von 213,47 Quadratkilometern, davon rund 200,93 Quadratkilometern Landfläche, bildet sie das geographische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Cleveland-Elyria-Mentor Metropolitan Statistical Area, des größten Ballungsraums in Ohio mit etwa zwei Millionen Einwohnern.
Die geographische Lage der Stadt ist von beträchtlicher strategischer Bedeutung. Cleveland befindet sich im Nordosten Ohios am Südufer des Eriesees, etwa 150 Kilometer Luftlinie von Toledo am westlichen und 280 Kilometer von Buffalo am östlichen Ende des Sees entfernt. Rund 145 Kilometer trennen die Stadt von Detroit, knapp 100 Kilometer von der Grenze zu Pennsylvania. Das Stadtgebiet erstreckt sich mit einer kurzen Unterbrechung durch die Gemeinde Bratenahl über 22,5 Kilometer entlang des Seeufers und bis zu 14,5 Kilometer ins Landesinnere.
Wirtschaftsgeographisch liegt Cleveland im Herzen des sogenannten Rust Belt und des früheren Manufacturing Belt – jenem dicht besiedelten ersten Industriegürtel der USA, dessen einstige Zentren heute vielfach vom Niedergang der Schwerindustrie geprägt sind. Die Gegend um Cleveland bildet den Schnittpunkt dreier großer Landschaftsformen: Am südlichen Rand der Großen-Seen-Ebene gelegen, öffnet sich nach Südwesten das fruchtbare Zentrale Tiefland des Mittelwestens, während im Südosten das von Gletschern geformte Allegheny-Plateau bis zu den Appalachen reicht. Das Tal des Cuyahoga – die sogenannten Flats, rund 800 Meter breit – hat die Stadtentwicklung in Richtung Südwesten lange Zeit eingeschränkt.
Im 19. Jahrhundert wuchs Cleveland dank seiner verkehrsgeographisch günstigen Position rasch zu einem der wichtigsten Industriestandorte der USA heran. Kanäle, später Eisenbahnen, verbanden die Stadt mit den umliegenden Kohle- und Eisenerzvorkommen sowie mit dem Atlantik über den Sankt-Lorenz-Strom. Der Hafen entwickelte sich zum drittgrößten im Bereich der Großen Seen. Die Schwerindustrie – Stahl, Maschinen, Chemie – zog Hunderttausende von Arbeitern an, darunter Einwanderer aus Europa und später Afroamerikaner aus dem Süden im Rahmen der Großen Migration. Im Jahr 1930 hatte Cleveland rund 900.000 Einwohner und war damit die fünftgrößte Stadt der gesamten Vereinigten Staaten.
Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte ein fortwährender Rückgang ein. Der wirtschaftliche Strukturwandel, der in den 1950er und 1960er Jahren begann, traf die schwerindustriell geprägte Stadt hart. Betriebe schlossen, Arbeitsplätze verschwanden, die Bevölkerung wanderte in die Vororte oder in andere Regionen ab. Ethnische Konflikte und ein schwaches Bildungssystem verschärften die Lage. Heute kämpft Cleveland mit den Folgen dieser Entwicklung, versucht jedoch aktiv gegenzusteuern – durch die Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen, Investitionen in das Bildungswesen und kulturelle Leuchtturmprojekte.
Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist Cleveland kulturell lebendig geblieben. Die Stadt beherbergt eines der Großen Fünf Symphonieorchester der USA sowie die weltberühmte Rock and Roll Hall of Fame, die seit 1995 am Ufer des Eriesees zu finden ist. Mit der Case Western Reserve University verfügt Cleveland über eine renommierte private Forschungsuniversität mit angegliederten Universitätskliniken. Daneben ist die Stadt Sitz zahlreicher nationaler Großunternehmen, eines katholischen Bischofs und der Vereinigten Kirche Christi. Politisch gilt Cleveland als verlässliche Hochburg der Demokratischen Partei, geprägt von einer langen Tradition progressiver und gewerkschaftlicher Einflüsse.



