biografias

Ferdinand Ries

Deutscher Pianist und Komponist

6 min01/01/2024
Anúncio

Ferdinand Ries kam am 28. November 1784 in Bonn zur Welt, als ältester Sohn des Geigers und kurkölnischen Musikdirektors Franz Anton Ries. Sein Bruder Hubert Ries sollte ebenfalls Violinist und Komponist werden. In einem von Musik durchtränkten Haushalt erlernte Ferdinand das Klavierspiel vom Vater, während der Bonner Hofkapelle angehörende Bernhard Romberg ihm das Cello beibrachte.

Die politischen Umwälzungen der Revolutionskriege zerstörten früh die geordneten Verhältnisse. Die Auflösung der kurkölnischen Hofkapelle und die Flucht des Kurfürsten Maximilian Franz aus Bonn im Zuge des Einmarsches französischer Truppen machten alle Hoffnungen auf eine Hofanstellung zunichte. Ende 1798 zog Ries zur weiteren Ausbildung nach Arnsberg zu einem mit dem Vater befreundeten Organisten, ein Jahr später nach München, wo er sich als Notenkopist mühsam über Wasser hielt.

Der entscheidende Schritt erfolgte durch ein Empfehlungsschreiben des Münchner Komponisten Carl Cannabich vom 29. Dezember 1802, adressiert an Andreas Streicher in Wien. Im März oder April 1803 wurde Ries in Wien Klavierschüler von Ludwig van Beethoven — einem Mann, der in seinen Bonner Jahren selbst bei Ries' Vater gelernt hatte. Zusammen mit Carl Czerny war Ries einer der einzigen Klavierschüler, den Beethoven in dieser Periode unterrichtete. Daneben erhielt er sporadischen Kompositionsunterricht bei Johann Georg Albrechtsberger.

Bald wurde Ries auch zu einer Art persönlichem Sekretär Beethovens: Er führte Korrespondenz mit Verlegern, kopierte Noten, erledigte Besorgungen und besorgte Beethoven sogar die schöne Wohnung im Pasqualati-Haus auf der Mölkerbastei, die der Meister mehrere Jahre lang bewohnte. Am 1. August 1804 debütierte Ries als Pianist im Wiener Augarten, mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, für das er eine eigene Kadenz schreiben durfte — ein ungewöhnliches Vertrauenszeichen des berühmten Lehrers. Die Sommer 1803 und 1804 verbrachten Lehrer und Schüler teilweise gemeinsam in Baden bei Wien und in Döbling.

Im November 1805 wurde Ries' Wiener Zeit abrupt unterbrochen: Als Bürger des französisch besetzten Bonn musste er zur Musterung nach Koblenz, wurde jedoch für untauglich befunden. Er kehrte für über ein Jahr nach Bonn zur Familie zurück, wo er sein erstes Klavierkonzert in C-Dur schrieb, das später als Nr. 6 op. 123 veröffentlicht wurde. 1806 erschien sein op. 1, zwei Klaviersonaten, mit ehrerbietiger Widmung an Beethoven im Verlag von Nikolaus Simrock in Bonn — dem ehemaligen Hornisten, der für die nächsten Jahre Ries' wichtigster Verleger werden sollte. In Bonn trat Ries auch der Freimaurerloge Les frères courageux bei.

Da das Rheinland für eine Pianistenkarriere kaum Zukunftsperspektiven bot, versuchte Ries sein Glück Anfang 1807 in Paris. Trotz reger Kompositionstätigkeit — unter anderem entstand das später beliebte Septett op. 25 — gelang ihm in der Hauptstadt des Kaiserreichs kein Durchbruch. Er war zeitweise so entmutigt, dass er erwog, den Musikerberuf aufzugeben.

Am 27. August 1808 kehrte Ries nach Wien zurück und nahm den Kontakt zu Beethoven wieder auf. Es kam jedoch zu einer vorübergehenden Entfremdung, weil Beethoven fälschlicherweise glaubte, Ries treibe aus Eigennutz seine Berufung an den Hof König Jérômes von Westfalen hintertreibe. Der Zwist wurde bald beigelegt. Im Juli 1809 musste Ries Wien erneut fluchtartig verlassen, diesmal um der Einberufung zum österreichischen Militär zu entgehen, das alle Kräfte gegen Napoleons Bedrohung mobilisierte. Wieder fand er Zuflucht in Bonn und nutzte die Ruhepause, um eine ganze Reihe größerer Werke zu schaffen, darunter seine erste Sinfonie und sein zweites Klavierkonzert.

Die folgenden Jahre brachten Ries schließlich den verdienten Ruhm. Er bereiste als gefeierter Pianist mehrere europäische Hauptstädte, ließ sich schließlich in London nieder und machte sich dort als Komponist und Dirigent einen Namen. In England entstanden viele seiner bedeutendsten Werke. 1824 kehrte er nach Deutschland zurück und wirkte unter anderem als Dirigent in Frankfurt am Main. Dort starb er am 13. Januar 1838 im Alter von 53 Jahren. Als einer der bedeutendsten Pianisten und Komponisten seiner Generation hinterließ Ferdinand Ries ein umfangreiches Werk, das zeitlebens von der tiefen Prägung durch Beethoven zeugte, ohne je in bloße Nachahmung zu verfallen.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories