biografias

1708

Jahr

4 min01/01/2024
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Das Jahr 1708 stand im Zeichen zweier großer Konflikte, die Europa von Norden bis Süden erschütterten: im Nordosten der Große Nordische Krieg zwischen Schweden und Russland, im Westen der Spanische Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und den alliierten Mächten. Beide Auseinandersetzungen traten in diesem Jahr in eine entscheidende Phase.

Im Norden unternahm der schwedische König Karl XII. seinen kühnen, letztlich verhängnisvollen Russlandfeldzug. Am 28. Januar erreichte die schwedische Armee nach der Durchquerung von Masuren die Stadt Grodno. Zar Peter der Große befahl daraufhin den Rückzug seiner Streitkräfte zur litauisch-russischen Grenze und setzte dabei die Taktik der verbrannten Erde ein: Alles, was den Schweden hätte nützen können, wurde vernichtet. Diese Strategie zeigte rasch Wirkung, denn Mitte März sahen sich die Schweden aufgrund akuter Versorgungsmängel gezwungen, nach Minsk auszuweichen.

Am 25. Juni überquerte Karls Heer die Beresina in der Nähe von Borisow und marschierte in russisches Territorium ein. Wenige Tage später, am 6. und 7. Juli, landeten russische Einheiten unter Fjodor Matwejewitsch Apraxin an der Südküste Finnlands und plünderten die schutzlose Stadt Porvoo sowie andere Ortschaften der Umgebung. Helsingfors wurde am 10. Juli geplündert. Der schwedische General Georg Lybecker versuchte die Russen zu einer offenen Feldschlacht zu veranlassen, doch diese zogen sich rechtzeitig zurück.

Am 7. Juli wurde der Sozialrevolutionär Kondrati Afanassjewitsch Bulawin erschossen aufgefunden. Er hatte einen Aufstand der russischen Kosaken zugunsten der leibeigenen Bauern entfacht; mit seinem Tod brach die Revolte zusammen. Am 14. Juli gelang Karl XII. in der Schlacht bei Golowtschin ein beachtlicher Erfolg: Sein Heer besiegte eine zahlenmäßig überlegene russische Armee, was die Stärke der schwedischen Infanterie eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Das Kräfteverhältnis begann sich jedoch zu verschieben. Am 9. September endete die Schlacht bei Rajowka zwischen russischen Dragonern und schwedischer Kavallerie unentschieden. Einen Tag später, am 10. September, gelang es der zaristischen Armee in der Schlacht bei Moljatitschi nicht, das kleinere schwedische Heer zu vertreiben. Doch am 9. Oktober errangen die Russen einen entscheidenden Triumph: Zar Peter I. besiegte in der Schlacht bei Lesnaja das schwedische Korps unter General Adam Ludwig Lewenhaupt und schwächte damit die Nachschubverbindungen der schwedischen Hauptarmee entscheidend. Am 24. Dezember belagerten die Schweden die ukrainische Festung Weprik, die am 7. Januar 1709 kapitulierte.

Im fernen Atlantik spielte sich unterdessen ein Ereignis ab, das erst Jahrhunderte später seinen wahren Umfang offenbaren sollte. Am 8. Juni, rund 30 Kilometer vor der Küste Cartagenas, griffen britische Kriegsschiffe eine spanische Silberflotte an. In der sogenannten Schlacht von Barú wurde die Galeone San José versenkt. 578 Menschen — Seeleute, Soldaten und Passagiere — fanden dabei den Tod; nur elf Überlebende wurden gerettet. An Bord befanden sich 344 Tonnen Gold- und Silbermünzen sowie 116 Kisten mit Smaragden aus dem Vizekönigreich Peru, einer der reichsten Schiffsladungen der Geschichte, die seitdem auf dem Meeresgrund ruhen.

Im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges gewannen Prinz Eugen von Savoyen und der Duke of Marlborough am 11. Juli die bedeutende Schlacht bei Oudenaarde gegen französische Truppen. Der Sieg hätte vernichtend sein können, doch das rechtzeitige Eintreffen französischer Verstärkungen am Folgetag verhinderte eine vollständige Niederlage Frankreichs. Am 1. August heiratete in Barcelona der spanische Gegenkönig Karl — der spätere Kaiser Karl VI. — Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel; sie stiftete im selben Jahr noch den Orden der Liebe des Nächsten. Am 12. August begann die Belagerung der wichtigen Festungsstadt Lille durch britisch-kaiserliche Truppen unter Eugen und Churchill; die Stadt wurde von den Franzosen unter Louis-François de Boufflers tapfer verteidigt. Am 22. Oktober fiel die Stadt, doch die Festung hielt stand.

Im Osten besiegelte am 22. November die Schlacht bei Koniecpol die Lage in Polen-Litauen: Die antischwedischen Kräfte, die hinter dem abgesetzten König August dem Starken standen, schlugen die Verbündeten des pro-schwedischen Königs Stanislaus I. Leszczyński. Das Jahr 1708 endete somit als Wendepunkt in beiden Kriegen, mit Schachzügen, deren Konsequenzen sich erst in den Folgejahren vollständig entfalten sollten.

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