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Eusébio Scheid

Brasilianischer Geistlicher, Erzbischof von Rio de Janeiro und Kardinal

4 min01/01/2024
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Eusébio Oscar Scheid, am 8. Dezember 1932 in Luzerna im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina geboren, war eine der prägenden Gestalten des brasilianischen Katholizismus im 20. und frühen 21. Jahrhundert. Als Nachfahre deutscher Einwanderer aus dem saarländischen Dorf Sotzweiler trug er in sich die Geschichte zweier Welten: die europäische Tradition seines Herkunftsvolkes und die lebendige Glaubenspraxis des südamerikanischen Kontinents, wo er sein Lebenswerk entfalten sollte.

Der junge Scheid entschied sich nach seiner Schulzeit für den geistlichen Weg und trat in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester, bekannt unter dem Kürzel SCJ für Sacerdotes Cordis Jesu, ein. Dieses internationale Ordensinstitut, das sich der Nachfolge Christi und der pastoralen Arbeit widmete, wurde zum Rahmen seiner geistlichen Formation. Er studierte Katholische Theologie in Corupá, einem Ort mit starker deutschstämmiger Siedlertradition in Santa Catarina, und vertiefte seine Ausbildung in Rom, wo er an der renommierten Päpstlichen Universität Gregoriana ein Doktorat in Theologie mit einer christologischen Arbeit erwarb.

Am 3. Juli 1960 empfing Oscar Francisco Scheid, wie sein bürgerlicher Name lautete, in Rom das Sakrament der Priesterweihe durch den Bischof von Guaxupé, Inácio João Dal Monte OFMCap. Eine Woche später feierte er seine Primiz in Sotzweiler, dem saarländischen Heimatdorf seiner Vorfahren, ein symbolisch bedeutsamer Akt, der seine doppelte kulturelle Verwurzelung sichtbar machte. Die Feier seiner Erstmesse im Land seiner Wurzeln war nicht nur ein persönliches Ereignis, sondern auch ein Zeichen der lebendigen Verbindung zwischen den deutschen Auswanderergemeinden in Brasilien und ihrer europäischen Herkunft.

Seine akademische Karriere begann 1964 mit einer Professur für Theologie am Christkönig-Seminar und Regionalseminar für Nordostbrasilien in Recife, wo er ein Jahr lang lehrte. Von 1965 bis 1981 dozierte er Liturgik und Dogmatik am Theologischen Institut von Taubaté, das er auch mehrere Jahre leitete. Parallel dazu war er von 1966 bis 1968 mit einem Lehrauftrag für Religiöse Kulturfragen an der Päpstlichen Katholischen Universität von São Paulo betraut. Diese Tätigkeiten zeigen das Bild eines Mannes, der nicht nur Priester, sondern auch intellektueller Vermittler theologischen Wissens war.

Der Sprung in die Hierarchie der Kirche erfolgte am 11. Februar 1981, als Papst Johannes Paul II. ihn zum ersten Bischof des neu errichteten Bistums São José dos Campos ernannte. Die Bischofsweihe fand am 1. Mai desselben Jahres statt, gespendet vom Apostolischen Nuntius in Brasilien, Erzbischof Carmine Rocco. Die Errichtung dieses Bistums in der sich rasant entwickelnden Industrieregion des Paraíba-Tals war ein Zeichen für das Wachstum der brasilianischen Kirche in Zeiten demografischer Expansion.

Im Jahr 1991 wurde Scheid zum Erzbischof von Florianópolis ernannt, der Hauptstadt des Bundesstaats Santa Catarina, also der Region, in der er aufgewachsen war und in der seine Familie verwurzelt war. Zehn Jahre später, am 25. Juli 2001, ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Rio de Janeiro, einer der bedeutendsten und bekanntesten Diözesen Lateinamerikas. Mit dieser Ernennung übernahm Scheid die Verantwortung für ein Erzbistum mit Millionen von Gläubigen in einer der bevölkerungsreichsten Metropolen der Welt. Am 3. Oktober desselben Jahres wurde er zusätzlich zum Ordinarius für die byzantinischen Gläubigen in Brasilien ernannt.

Die Krönung seiner kirchlichen Karriere erlebte Scheid am 21. Oktober 2003, als Papst Johannes Paul II. ihn in das Kardinalskollegium aufnahm. Er erhielt den Rang eines Kardinalpristers mit der Titelkirche Santi Bonifacio ed Alessio in Rom. Im November desselben Jahres wurde er zum Mitglied des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel ernannt. Als Kardinal nahm er am Konklave des Jahres 2005 teil, aus dem Papst Benedikt XVI. als Oberhaupt der katholischen Kirche hervorging.

Im Februar 2009 nahm Papst Benedikt XVI. das aus Altersgründen eingereichte Rücktrittsgesuch Scheids vom Amt des Erzbischofs von São Sebastião do Rio de Janeiro an. Am 28. Juli 2010 legte er auch das Amt des Ordinarius für die orientalischen Gläubigen in Brasilien nieder. Am Konklave des Jahres 2013, aus dem Papst Franziskus hervorging, konnte Kardinal Scheid wegen Überschreitung der Altersgrenze nicht mehr teilnehmen.

Im Januar 2021 erkrankte Kardinal Scheid schwer. Er wurde intensivmedizinisch im Krankenhaus São Francisco in Jacareí behandelt, doch trotz aller Bemühungen der Ärzte erlag er am 13. Januar 2021 im Alter von 88 Jahren einer schweren Lungenentzündung infolge einer SARS-CoV-2-Infektion. Er war damit eines der prominentesten Opfer der COVID-19-Pandemie in der brasilianischen Kirchenhierarchie. Sein Grab befindet sich in der Krypta der Kathedrale von São José dos Campos, der Stadt, in der er seine bischöfliche Laufbahn begonnen hatte.

Das Vermächtnis des Kardinals Eusébio Oscar Scheid reicht von der theologischen Lehre über die bischöfliche Leitung mehrerer Diözesen bis zur Vertretung der brasilianischen Kirche auf internationaler Ebene. Er war ein Brückenbauer zwischen den Kulturen, ein Zeuge der deutschen Einwanderergeschichte in Brasilien und ein treuer Diener der Kirche, die er von Sotzweiler bis Rio de Janeiro sein Leben lang verkörpert hatte.

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