Daevid Allen, bürgerlicher Name Christopher David Allen, wurde am 13. Januar 1938 in Melbourne, Australien, geboren und wuchs in einer Welt auf, die noch weit von dem psychedelischen Klanguniversum entfernt war, das er später schaffen sollte. Er arbeitete zunächst in einem Buchladen in Melbourne, wo er mit den Werken der Beat Generation in Berührung kam und vom Geist der Offenheit und Grenzüberschreitung so tief erfasst wurde, dass er beschloss, Australien zu verlassen und nach Europa zu ziehen.
Sein Weg führte ihn zunächst über Griechenland nach Frankreich, wo er in Paris im legendären Beat Hotel abstieg und im früheren Zimmer der Beat-Dichter Allen Ginsberg und Peter Orlovsky wohnte. Hier traf er den jungen Avantgarde-Musiker Terry Riley und machte mit ihm experimentelle Musik, die den Grundstein für eine lebenslange Leidenschaft für Klangerkundungen legte. Die Atmosphäre des Paris der frühen 1960er Jahre, geprägt von intellektueller Freiheit und künstlerischer Radikalität, prägte sein musikalisches Weltbild nachhaltig.
1961 zog Allen nach England, wo er in Lydden 1963 mit dem Schlagzeuger Robert Wyatt, dem Sohn seiner Vermieter, und dem Bassisten Hugh Hopper das Daevid Allen Trio gründete. Aus diesem Trio heraus entstand 1966 die Band Soft Machine, die mit Unterstützung des Produzenten Giorgio Gomelsky mehrere Demostücke aufnahm und 1967 auf Tournee in Deutschland, Holland und Frankreich ging. Doch auf der Rückreise von dieser Tournee erlebte Allen einen einschneidenden Moment: Als Australier mit abgelaufenem Visum wurde ihm die Wiedereinreise nach Großbritannien verweigert, und er blieb zurück in Frankreich.
In Paris lebte er mit seiner Partnerin Gilli Smyth auf einem Hausboot und nahm aktiv an den Studentenprotesten von 1968 teil. Das revolutionäre Klima jener Tage hinterließ auf seiner Musik und Weltanschauung tiefe Spuren. Bald darauf zogen er und Smyth nach Deià auf Mallorca, wo das Paar im Umfeld des Schriftstellers Robert Graves lebte. Dort gründeten sie gemeinsam mit dem Saxophonisten Didier Malherbe die Band Gong, die von Anfang an als etwas grundlegend anderes konzipiert war als die experimentellen, aber im Grunde noch rockorientierte Soft Machine.
Gong erhielt seinen ersten Plattenvertrag beim Label BYG Actuel. Mit Unterstützung des Percussionisten Rachid Houari spielte das Trio 1969 das Debütalbum Magick Brother ein, auf dem Allen alle Saiteninstrumente spielte und sang. Charakteristisch für Gong war von Anfang an die Kombination aus Malherbes Holzbläsern und Smyths Space Whisper genanntem, elektronisch verfremdeten Sprechgesang. Im Rahmen des BYG-Vertrags entstanden auch ein Film-Soundtrack sowie Allens erstes Soloalbum Banana Moon, auf dem am Schlagzeug überwiegend Robert Wyatt von Soft Machine mitwirkte.
Die frühen 1970er Jahre gehörten Gong und einem ausgedehnten künstlerischen Schaffensrausch. Die Band lebte als eine Art Landkommune in Frankreich und sog die alternativen Lebensmodelle jener Zeit auf. 1972 wechselten sie zu Virgin Records und wurden erneut von Gomelsky produziert. Allen und Smyth zogen sich 1973 zeitweilig nach Mallorca zurück, nach der Geburt ihres ersten Kindes, während sich die Bandbesetzung mit neuen Mitgliedern erneuerte, darunter der Gitarrist Steve Hillage, der Schlagzeuger Pierre Moerlen, der Bassist Mike Howlett und der Keyboarder Tim Blake. In rascher Folge entstanden bis 1974 fünf Alben, darunter die berühmte Radio Gnome Trilogie mit den Alben Flying Teapot, Angel's Egg und You.
Diese Trilogie gilt als das Herzstück von Allens musikalischem und konzeptionellem Schaffen, eine psychedelische Erzählung über außerirdische Wesen, Radiosignale und kosmisches Bewusstsein, die bis heute als Schlüsselwerk des Canterbury Sound gilt. Canterbury Sound bezeichnete einen spezifischen britischen Stil, der Jazzimprovisationen, avantgardistische Strukturen und rockmusikalische Energie verband, und Allen war einer seiner wichtigsten Protagonisten.
In den folgenden Jahrzehnten setzte Allen sein kreatives Werk mit einem umfangreichen Soloprogramm und immer neuen Bandprojekten fort. Er kehrte immer wieder zu Gong zurück, verließ die Band und schloss sich ihr erneut an, als der Geist ihn rief. Sein Lebenswerk blieb stets von einer kindlichen Neugierde und einem unerschöpflichen Erfindungsreichtum geprägt, der ihn auch im Alter zu einem Grenzgänger zwischen Genres und Kulturen machte.
Daevid Allen starb am 13. März 2015 in Australien, in dem Land, das er einst verlassen hatte, um die Welt zu erkunden. Er wurde 77 Jahre alt und hinterließ ein Werk, das Rockmusik, Jazz, Avantgarde und kosmische Phantasie zu einer unverwechselbaren Klangsprache verwoben hatte.

