André Rebouças wurde am 13. Januar 1838 in Cachoeira in der brasilianischen Provinz Bahia geboren. Seine Familie spiegelte die komplexen Verhältnisse einer von Sklaverei geprägten Gesellschaft wider: Sein Vater Antônio Pereira Rebouças war der Sohn eines weißen Schneiders und einer freigelassenen Sklavin — ein Autodidakt, der es trotz seiner Herkunft zum Anwalt gebracht hatte, eine in der damaligen brasilianischen Gesellschaft seltene Leistung. Im Februar 1846 zog die Familie mit sieben Kindern nach Rio de Janeiro, in die Hauptstadt des Kaiserreichs, wo neue Möglichkeiten warteten.
André Rebouças besuchte zunächst die Grundschule und anschließend die Militärschule. Sein Interesse galt jedoch nicht dem Kriegshandwerk, sondern der Technik und den Naturwissenschaften. Er studierte Ingenieurwissenschaften und erhielt 1860 sein Diplom — zu einer Zeit, als ausgebildete Ingenieure in Brasilien selten und hochwillkommen waren. 1861 und 1862 unternahm er mit seinem Bruder Antônio eine Reise durch Europa, die seinen Horizont erheblich erweiterte und ihn mit den fortgeschrittensten technischen und politischen Ideen seiner Zeit in Berührung brachte.
Nach der Rückkehr arbeiteten die Brüder Rebouças im Hafenbau und in der Küstenbefestigung — Bereiche, die für das nach außen orientierte Kaiserreich Brasilien von strategischer Bedeutung waren. Als 1864 der Tripel-Allianz-Krieg ausbrach, in dem Brasilien, Argentinien und Uruguay gegen Paraguay kämpften, diente André Rebouças als Militäringenieur. Der Krieg, der bis 1870 dauerte und Paraguay verwüstete, wurde zu einem prägenden Erlebnis für seine Generation. Nach dem Krieg kehrte Rebouças zur zivilen Ingenieursarbeit zurück und modernisierte die Wasserversorgung von Rio de Janeiro — eine Leistung von unmittelbarer Bedeutung für das alltägliche Leben der Stadtbewohner.
Sein Engagement blieb nicht auf die Technik beschränkt. Rebouças entwickelte sich zu einem der einflussreichsten Wirtschafts- und Politikberater des brasilianischen Kaisers Dom Pedro II. und bewegte sich in den höchsten Kreisen des Kaiserreichs. Die Tatsache, dass er selbst Mulatte war — Nachfahre schwarzer Sklaven — und dennoch gesellschaftliches Ansehen und politischen Einfluss erlangt hatte, verlieh seiner Stimme eine besondere moralische Autorität, wenn er für die Abschaffung der Sklaverei eintrat.
In den 1880er Jahren wurde der Kampf gegen die Sklaverei zur zentralen Aufgabe seines Lebens. Gemeinsam mit dem Schriftsteller und Juristen Joaquim Nabuco und dem Journalisten José do Patrocínio gründete Rebouças die Brasilianische Gesellschaft gegen die Sklaverei, die Sociedade Brasileira contra a Escravidão. Die abolitionistische Bewegung in Brasilien gewann in diesen Jahren an Schwung; 1888 wurde die Sklaverei durch die Lei Áurea tatsächlich abgeschafft — ein historischer Moment, an dem Rebouças' jahrelanges Engagement entscheidenden Anteil hatte.
Doch der Triumph der Abschaffung wurde von einer politischen Katastrophe überschattet: Am 15. November 1889 putschten sich das Militär gegen Kaiser Dom Pedro II. und rissen die Macht an sich. Rebouças, der der kaiserlichen Familie eng verbunden war, wurde gezwungen, gemeinsam mit Dom Pedro ins europäische Exil zu gehen. Zwei Jahre lang arbeitete er in Lissabon als Korrespondent der London Times — bis zum Tod des alten Kaisers im Dezember 1891. Der Verlust seines Kaisers und seiner Heimat hinterließ tiefe Spuren in seinem Leben.
1892 begab sich Rebouças für gut ein Jahr nach Angola, wo er an Ingenieursprojekten mitarbeitete. Anschließend zog er sich auf die Insel Madeira zurück, die im portugiesischen Atlantik lag und eine Art stilles Exil für den rastlosen Ingenieur und Abolitionisten darstellte. Dort, fern der Heimat, der Projekte und des kaiserlichen Brasilien, das aufgehört hatte zu existieren, beendete André Rebouças am 9. Mai 1898 in Funchal sein Leben durch Suizid. Er war 60 Jahre alt. Sein Leben spannte einen Bogen von den Werften Rios über die Schlachtfelder Paraguays bis zu den Salons des Hofes — und steht als Zeugnis dafür, was in einer von Sklaverei geprägten Gesellschaft möglich war und was nicht.

