biografias

2016

Jahr

4 min01/01/2024
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Das Jahr 2016 gehört zu jenen Jahren der jüngeren Geschichte, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Geprägt von Terroranschlägen, epochalen politischen Entscheidungen und dem Tod zahlreicher Kulturikonen, hinterließ es Spuren, die weit über den Kalender hinauswirken sollten.

Bereits am ersten Tag des Jahres zeichneten sich politische Verwerfungen ab: Die Niederlande übernahmen die EU-Ratspräsidentschaft, Deutschland die Präsidentschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, und Johann Schneider-Ammann trat sein Amt als Bundespräsident der Schweiz an. Am 2. Januar ließ Saudi-Arabien 47 Personen hinrichten, darunter den schiitischen Kleriker Nimr al-Nimr. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: In zahlreichen Ländern kam es zu Protestkundgebungen, und Iran brach die diplomatischen Beziehungen zu Saudi-Arabien ab – eine Zuspitzung der ohnehin angespannten sunnitisch-schiitischen Rivalität in der Region.

Im Januar warnte die Weltgesundheitsorganisation vor einem neuen Erreger: Das Zika-Virus breitete sich rasch aus, insbesondere in Lateinamerika. Am 1. Februar rief die WHO den internationalen Gesundheitsnotfall aus, der vor allem wegen der Verbindung des Virus mit schwerwiegenden Geburtsschäden große Besorgnis auslöste. Für Europa war die Dimension zunächst begrenzt, doch das Ereignis sensibilisierte die Weltöffentlichkeit erneut für die Gefahr globaler Pandemien.

Der Syrienkonflikt, der seit Jahren die Weltgemeinschaft beschäftigte, eskalierte im Februar mit dem gezielten Beschuss von Schulen und Krankenhäusern im Norden des Landes. Etwa 50 Zivilisten kamen dabei ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Die internationale Empörung war groß, doch zu einer nachhaltigen Wende des Krieges kam es nicht. Parallel dazu traten im März Verhandlungen zum zweiten NPD-Verbotsverfahren vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht in eine neue Phase.

Am 24. März fällte das UN-Kriegsverbrechertribunal nach jahrelangem Prozess ein historisches Urteil: Der frühere bosnisch-serbische Politiker Radovan Karadžić wurde zu 40 Jahren Haft verurteilt, insbesondere wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica im Jahr 1995, bei dem Tausende bosnische Muslime ermordet worden waren. Das Urteil war ein wichtiger Schritt für die internationale Strafgerichtsbarkeit, auch wenn es die Wunden des Krieges nicht heilen konnte.

Im März und April sorgte ein satirischer Beitrag des Moderators Jan Böhmermann in einer ZDF-Sendung für eine diplomatische Affäre zwischen Deutschland und der Türkei. Das sogenannte Schmähgedicht, das sich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan richtete, löste eine monatelange Debatte über Kunstfreiheit, Pressefreiheit und außenpolitische Rücksichten aus. Die Bundesregierung ließ die Strafverfolgung zunächst zu, stellte sie später jedoch ein.

Das politische Erdbeben des Jahres in Europa war das Brexit-Referendum vom 23. Juni: Mit knapper Mehrheit stimmten die Briten für den Austritt aus der Europäischen Union. Die Entscheidung schockierte nicht nur Kontinentaleuropa, sondern löste auch in Großbritannien selbst tiefe Gräben aus. Premierminister David Cameron trat zurück, und Theresa May übernahm die Führung der Regierung.

Noch größere Schockwellen schlug die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten am 8. November. Dem Super Tuesday im März, an dem sowohl Clinton als auch Trump jeweils sieben Bundesstaaten für sich entschieden, folgten ein langer und hitziger Wahlkampf und schließlich ein Ergebnis, das die politischen Vorhersagen der meisten Meinungsforschungsinstitute Lügen strafte. Trumps Sieg markierte eine neue Ära in der amerikanischen Politik.

Das Jahr 2016 war auch von erschütternden Terroranschlägen geprägt. Im März wurde Brüssel getroffen, im Juli tötete ein Attentäter auf der Uferpromenade in Nizza über 80 Menschen, und im Dezember raste ein Lastwagen in den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Diese Anschläge, begangen im Namen des sogenannten Islamischen Staates, veränderten das Sicherheitsempfinden in Europa nachhaltig. Das Jahr hinterließ eine Welt, die sich in vielen Dimensionen verändert hatte.

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