Zwickau (obersorbisch Šwikawa, tschechisch Cvikov oder Zvíkov) ist mit über 87.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt in Sachsen und ein Oberzentrum im südwestlichen Teil des Landes.
Ein Gebiet mit der Bezeichnung territorium Zcwickaw wurde erstmals 1118 erwähnt. Nahezu 800 Jahre lang wurde hier und in der umliegenden Region Steinkohle abgebaut. Die Stadt entwickelte sich dadurch zum Zentrum des Zwickauer Steinkohlenreviers. Als bis 1806 kurfürstliche Stadt war Zwickau im Königreich Sachsen seit 1834/1835 Kreisdirektionssitz, ab 1874 Sitz der Kreishauptmannschaft (nach 1939 Regierungsbezirk Zwickau) und wurde 1907 eine kreisfreie Stadt. Im Zuge des Totalumbaus der Verwaltungsstrukturen zur Durchsetzung des Prinzips des sogenannten demokratischen Zentralismus in der DDR verlor Zwickau 1952 seinen seit 1834 währenden Rang als Bezirksregierungssitz und wurde Teil des Bezirkes Karl-Marx-Stadt (bis 1953 Bezirk Chemnitz). Seit 2008 ist Zwickau nicht mehr kreisfrei; die Stadt wurde in den neu gebildeten Landkreis Zwickau eingegliedert.
Die Stadt ist Gründungsmitglied der Metropolregion Mitteldeutschland und Teil des Ballungsraums Chemnitz-Zwickau. Hier hat auch die Verwaltung des vorgenannten Landkreises ihren Sitz. Durch die seit 2000 zunehmende Urbanisierung der städtischen Randgebiete wächst die flächenmäßige Ausdehnung der Stadt, die mittlerweile das Tal der Zwickauer Mulde größtenteils überdeckt.
Die bei Automobilisten beliebte, landschaftlich reizvolle und mit vielen kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten ausgestattete Touristikroute der Sächsisch-Böhmischen Silberstraße verbindet, dem Verlauf des Erzgebirges in östlicher Richtung folgend, die alte Bergstadt Zwickau mit der Landeshauptstadt Dresden.
Zwickau ist eine Wiege der deutschen Automobilindustrie. Die mehr als hundertjährige Tradition in der Automobilherstellung in Zwickau begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Gründung der Werke von Horch (1904) bzw. Audi (1909/1910), die in den 1930er und 1940er Jahren von der Auto Union AG und während der DDR-Zeit von den Sachsenring-Werken weitergeführt wurde. Nach dem Ende der Teilung Deutschlands gründete die Volkswagen AG im heutigen Zwickauer Stadtteil Mosel eines der größten Unternehmen der neuen Bundesländer, die Volkswagen Sachsen GmbH, die diese Automobilbau-Tradition weiterführt.
1810 wurde hier der Komponist der Romantik Robert Schumann geboren. Die Stadt wird daher Automobil- und Robert-Schumann-Stadt genannt. Darüber hinaus erhielt sie am 21. April 2016 den Titel „Reformationsstadt Europas“.
Das August-Horch-Museum, die Westsächsische Hochschule Zwickau, das Robert-Schumann-Konservatorium und das Theater Plauen-Zwickau sind überregional bedeutende Kultur- und Bildungseinrichtungen.
Das westsächsische Zwickau liegt in einer weiten Talaue der Zwickauer Mulde und kleinerer Zuflüsse am Rande des Westerzgebirges und des sächsischen Vogtlandes. Diese nimmt flächenmäßig einen Teil des Naturraums im Erzgebirgsbecken ein, das dem Verlauf der Zwickauer Mulde folgt. Das Stadtzentrum liegt mit einer geographischen Höhe von 267 m ü. NN unweit des Westufers der Zwickauer Mulde. Unmittelbar gegenüber, am Ostufer, erhebt sich steil der Brückenberg mit aus dem Mittelalter herrührenden Bergkellern. Im Osten liegt vor den Toren der Stadt Mülsen, Sachsens längste Gemeinde. Im Westen beherrscht nach sanftem Anstieg in Richtung zur angrenzenden Stadt Werdau der Windberg (350 m ü. NN) das Panorama. Daran anschließend befindet sich in Richtung Norden der größtenteils aus Mischwald bestehende Zwickauer Stadtwald und Waldpark Weißenborner Wald. Im Norden dehnt sich das Stadtgebiet über die breite, fruchtbare Talaue der Zwickauer Mulde in Richtung Crimmitschau, Meerane und Glauchau aus, wo unweit hinter dem Volkswagenwerk im Ortsteil Mosel die Stadtgrenze verläuft. Flussaufwärts hat Zwickau im Süden eine gemeinsame Grenze mit der Stadt Wilkau-Haßlau. Südwestlich erhebt sich vom Tal der Zwickauer Mulde ausgehend der Stadtteil Zwickau-Planitz, dessen markanteste Bauwerke die zum Planitzer Schlossensemble gehörende Lukaskirche und der nahe am SOS-Kinderdorf liegende Oberplanitzer Wasserturm sind. Weitere, die Stadt umgebende höchste Erhebungen sind der Kreuzberg (398 m), der Fernblick (377 m), die Alexanderhöhe (362 m), der Krähenhügel (360 m) und der Kuhberg (358 m). Die Stadtausdehnung beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa 20 Kilometer und in Ost-West-Richtung etwa 11 Kilometer.
Das sich westlich der Zwickauer Mulde erstreckende Stadtgebiet bildet größtenteils eine nach Osten einfallende Fläche, die von einigen Bachläufen durchzogen ist (von N nach S): Moseler Bach, Oberrothenbacher Bach, Wüster Grund, Weißenborner Bach, Marienthaler Bach, Brander Bach, Mittelgrundbach, Moritzbach, Galgengrundbach, Planitzbach, Plotzschbach, Rottmannsdorfer Bach und Culitzschbach. Die Höhen am Westrand des Stadtgebietes, wo die Quellgebiete der meisten dieser Bäche liegen, bilden die Wasserscheide für die Einzugsgebiete der Pleiße und der Zwickauer Mulde. Das Stadtgebiet östlich der Zwickauer Mulde ist ebenso von mehreren kleinen Wasserläufen durchzogen (von N nach S): Mülsenbach, Wulmer Bach, Schneppendorfer Bach, Auerbacher Bach, Eckersbacher Bach, Knappengrundbach, Pöhlauer Bach, Reinsdorfer Bach und Schmelzbach. Die geringen Niederschläge von rund 615 mm im Jahresdurchschnitt werden durch den Regenschatten des Erzgebirges und weitere Mittelgebirge verursacht.
Der größte Teil des Stadtgebiets von Zwickau befindet sich in regionalgeologischer Hinsicht im Südbereich der Vorerzgebirgs-Senke mit einer vom Zeitalter des Rotliegend geprägten Sedimentfüllung. Abschnitte des südlichen Stadtgebietes liegen jedoch schon in der Randzone des angrenzenden Vogtländischen Synklinoriums mit metamorphen Gesteinsserien (aufgeschlossen am Kreuzberg in Oberplanitz) und alterierten Metavulkaniten (Diabase). Das Grundgebirge unter den Beckensedimenten gehört zum Vogtländischen Synklinorium mit metamorphen Gesteinseinheiten, deren Alter bis in das Ordovizium zurückreicht. Prägend sind hierbei Phycodenschiefer aus ehemals ordovizischen Sedimenten. Bohrungen erbrachten auch Befunde silurischer Kieselschiefer und Ockerkalke sowie Sequenzen unter- bis mitteldevonischer Gesteinseinheiten aus dunkelgrauen bis schwarzen Tonschiefern mit schwankenden Glimmergehalten, ferner Knotenkalke. Durch das Stadtgebiet ziehen in NW-SO-Richtung die Oberhohndorfer Hauptverwerfung und die Roter-Kamm-Störung.
Postvariszische Tektonik entlang der Mittelsächsischen Störungszone verursachte die Beckenbildung im Oberkarbon. Es entstanden die Becken von Flöha, Oelsnitz und Zwickau. Die dabei eine Rolle spielenden Absenkungsvorgänge vollzogen sich über einen längeren Zeitraum und örtlich unterschiedlich. In späten Senkungsintervallen, mit einer Pause im Stefanium (Oberkarbon), kam es im Raum Zwickau zur weiteren Ausdehnung der Beckenstruktur. Diese Senkungen veränderten das bisherige Drainagesystem, dessen ausschließlich kontinentales Wasseraufkommen nicht nur die geologischen, sondern auch die biologischen Rahmenbedingungen erheblich beeinflusste. Ein Ergebnis davon ist die fluviatile und lakustrine/palustrine Sedimentbildung der Zwickau-Formation (Westfalium D / Cantabrien), eine Sedimentabfolge, in der sich die Zwickauer Steinkohleflöze befinden.
Während des Karbons wuchs in diesen Beckenlandschaften ein Urwald aus Farnen, Riesenbärlappen und Schachtelhalmen, aus dessen Überresten später unter dem Rotliegenden und Molasse (Gebirgsschutt) Steinkohlenflöze entstanden, die für mehr als 600 Jahre Bergbau in der Zwickauer Region ermöglichten.
Geologische Besonderheiten sind auch durch Fossilienfunde aus dem Cainsdorfer Ausstreichen des Zwickauer Steinkohlenreviers belegt. Auf dem Bild zu sehen sind links: Sigillariaceae Reste (ausgestorbene Bärlapppflanzen), mittig unten: Annularia sphenophylloides Blätter der Calamitaceae (Schachtelhalme) und rechts: die Linopteris neuropteroides Blätter der ausgestorbenen Medullosales (Samenfarne). Diese sind vor etwa 305–310 Mio. Jahren entstanden.