Der Zoo Leipzig ist ein parkartig gestalteter Zoologischer Garten am Rosental, nordwestlich der Leipziger Innenstadt (Ortsteil Zentrum-Nordwest). Seit 2000 wird der Zoo großflächig unter dem Projektnamen Zoo der Zukunft umgebaut und erweitert. Bis 2028 (zum 150-jährigen Jubiläum des Zoos) soll ein Umbau in einzelnen Themenbereichen erfolgen. Laut des Sheridan-Zoo-Rankings des Briten Anthony Sheridan belegt der Zoo Leipzig bereits seit mehreren Jahren Platz zwei der besten Zoos in Europa (nach dem Tiergarten Schönbrunn) und Platz eins innerhalb Deutschlands.
Gründungszeit unter Ernst Pinkert
Der Leipziger Zoo wurde am 9. Juni 1878 durch den Leipziger Gastwirt Ernst Pinkert (1844–1909) als privater zoologischer Garten auf dem Ratsgut Pfaffendorf gegründet (als 23. Tiergarten in Europa).
Pinkert war seit 1873 Inhaber der Restauration Zum Pfaffendorfer Hof und stellte hier schon seit 1876 mit seinem Partner, dem Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck, als publikumslockende Attraktion exotische Tiere aus. In dieses Jahr fiel auch der Baubeginn des Alten Raubtierhauses, welches bis in die 1990er Jahre bestand. Im noch jungen Leipziger Zoo wurde erstmals in Deutschland ein Borneo-Orang-Utan der Öffentlichkeit gezeigt. 1883 wurde das Zooareal auf drei Hektar erweitert.
Von der Gründungszeit des Zoos bis 1931 wurden auf dem Gelände des Leipziger Zoologischen Gartens etwa 40 Völkerschauen veranstaltet. Zwischen dem Raubtierhaus und dem Robbenbecken richtete Pinkert eine „Völkerwiese“ ein. Später ließ er daneben eine mit Urwaldkulisse ausgestattete „Völkerbühne“ aufbauen. Die Ausstellung von Menschen fremder Völker, darunter Kalmücken, Kirgisen, Samojeden und Suaheli, wurde zum festen Bestandteil des Zoobetriebs. 1894 entwickelte Pinkert die Schau „Lebende Bilder“. Dabei stellte eine Gruppe Suaheli bekannte Gemälde nach, unter anderem die „Mohrenwäsche“ von Carl Joseph Begas. 1897 stellte der Leipziger Zoo nackte Samoanerinnen aus, von denen sich auch der damals 14-jährige Joachim Ringelnatz beeindruckt zeigte.
Am 1. Januar 1899 wurde das Privatunternehmen in die Aktiengesellschaft Zoologischer Garten zu Leipzig umgewandelt. Durch die neuen Gelder konnten 1900/01 das Neue Raubtierhaus, das Affenhaus und das Verwaltungsgebäude errichtet werden.
Am 28. April 1909 starb Ernst Pinkert. Sein Nachfolger wurde der Westfale Johannes Gebbing, der mit dem Bau des Aquariums (1910) und dem Anbau des Terrariums (1913) neue Arten in den Leipziger Zoo brachte.
Entwicklung im 20. Jahrhundert
Der Erste Weltkrieg brachte den Zoo in Bedrängnis. Viele Mitarbeiter, so auch Zoodirektor Johannes Gebbing, wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Fleisch, Getreide und Brot wurden rationiert und eine große Anzahl von Tieren starb an Mangelernährung oder wurde an die hungernde Stadtbevölkerung verfüttert. Die Folge waren viele verwaiste Gehege und dramatisch zurückgehende Besucherzahlen, fast alle Bereiche waren vom Mangel gezeichnet. In den letzten beiden Kriegsjahren wurden das Restaurant zur Kaserne und der Konzertgarten zum Exerzierplatz und an vielen Gebäuden schritt der Verfall fort. So war die Aktiengesellschaft im November 1918 mit 770.000 Mark verschuldet. Am 1. Januar 1920 wurde der Zoologische Garten dem Grundstücksamt der Stadt Leipzig unterstellt, um zumindest das Nötigste schnell wieder instand zu setzen.
Als neue Einnahmequelle erwies sich die Verleihung von Tieren an Filmproduktionen, in denen selbst der Direktor des Zoos mitspielte, damit die Tiere eine Vertrauensperson hatten. Zwischen 1920 und 1935 wurde das Gelände auf 12,5 Hektar erweitert. Der nach seiner Tätigkeit als Leipziger Stadtbaurat ab 1924 ehrenamtlich für den Zoo tätige Architekt Carl James Bühring ergänzte das Wegesystem um zwei große Achsen und errichtete in der für ihn typischen Klinkerbauweise zahlreiche noch heute für den Leipziger Zoo typische Bauten. Unter anderem entstanden das Dickhäuterhaus (1926) und die Bärenburg (1929) sowie die terrassenartige Außenanlage für die Großkatzen des Neuen Raubtierhauses. Es folgten 1934 die Rhesus- und Paviananlage mit der Pinguinanlage auf der Rückseite. Seit 1935 existiert der Tierkindergarten.
Am 20. Mai 1926 wurde das von Hubert Ritter erbaute Planetarium eröffnet; das auf dem Gelände des Zoos gelegene, aber von außerhalb zugängliche Gebäude an der Ecke Pfaffendorfer Straße/Kickerlingsberg wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut.
1938, im 60. Jahr des Bestehens des Zoos, feierte Leipzig am 27. Februar (ein Tag vor Rosenmontag) ein Stadtfest unter dem Motto „In Leipzig ist der Löwe los“, das ganz im Zeichen des Zoos und seiner Löwenzucht stand. Höhepunkt war ein Löwen-Festzug, der von der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurde.
Der kriegsbedingt geschlossene Zoologische Garten wurde bereits am 6. Mai 1945 wieder eröffnet und das Gelände schon 1947 auf 16 Hektar vergrößert.
Im Jahr 1973 wurde dem Leipziger Zoologischen Garten die Führung des Internationalen Tigerzuchtbuchs übertragen, das seit 1976 jährlich veröffentlicht wird und zu den umfangreichsten für eine bedrohte Tierart zählt. Mit 342 Geburten von Amurtigern in 50 Jahren ist der Leipziger Zoo der erfolgreichste Züchter.
Im Jahr 1976 wurde das aus drei großen Freianlagen für Rinder, Kamelartige und südamerikanische Tiere bestehende Zooschaufenster fertiggestellt. Ein breites Grabensystem ermöglichte eine mauerlose Abgrenzung. In das benachbarte Rosental wurde es landschaftlich nahtlos eingebunden. Der Zoo umfasste nun 22,5 Hektar.
Am 23. Juni 1982 wurde das Menschenaffenhaus eröffnet, das im Rahmen der Bauarbeiten für das Pongoland 1999 abgerissen wurde. Im Jahr 1986 wurde vom Zoo das Internationale Zuchtbuch für die Anoas eingerichtet, das seitdem auch von wissenschaftlichen Mitarbeitern des Zoos geführt wird.
1979 fand auf dem Gelände des Zoos ein Pleinair von Bildhauern der DDR und ab 1981 ein Internationales Bildhauer-Pleinair statt.
1991 erhielt der Zoo den Status eines städtischen Regiebetriebs. Seit dem 1. Januar 1995 war er Eigenbetrieb im Dezernat Kultur der Stadt Leipzig, im Jahr 2000 wurde er in eine GmbH umgewandelt, deren Gesellschafterin mit 100 % der Geschäftsanteile die Stadt Leipzig ist.