Zinédine Yazid Zidane, O. LH [zineˈdin jaˈzid ziˈdan], auch Zizou [ziˈzu] genannt (* 23. Juni 1972 in Marseille) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler und heutiger Fußballtrainer. Seit dem 1. August 2026 ist er Cheftrainer der französischen Nationalmannschaft.
Während seiner aktiven Karriere war Zidane ein herausragender Spielmacher und zählt seither zu den besten Fußballspielern der Geschichte. 1998 wurde er mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Zudem ist er dreimaliger FIFA-Weltfußballer (1998, 2000, 2003). Mit der französischen Nationalmannschaft gewann er 1998 die Welt- und zwei Jahre später die Europameisterschaft. Auf Vereinsebene feierte Zidane seine größten Erfolge mit Juventus Turin (u. a. italienischer Meister, Weltpokalsieger) und Real Madrid (u. a. spanischer Meister, Champions-League-Sieger).
In seiner ersten Tätigkeit von 2016 bis 2018 als Trainer von Real Madrid gewann Zidane einmal die spanische Meisterschaft, eine Supercopa de España sowie jeweils zwei FIFA-Klub-Weltmeisterschaften und UEFA Super Cups. Zudem gewann er als bisher einziger Trainer dreimal hintereinander die Champions League. 2017 wurde er als FIFA-Welttrainer des Jahres ausgezeichnet. Im März 2019 kehrte Zidane zu Real Madrid zurück und gewann 2020 erneut die spanische Meisterschaft.
Zinédine Yazid Zidane ist das jüngste Kind einer algerischen Einwandererfamilie und wurde am 23. Juni 1972 in Marseille geboren. Seine Eltern, Smaïl und Malika Zidane, stammen aus der Kabylei und verließen ihre Heimat vor Beginn des Algerienkriegs. 1953 kamen sie nach Frankreich und ließen sich nördlich von Paris, in den Vororten Barbès und Saint-Denis, nieder. Mitte der 1960er Jahre übersiedelte die Familie in die Großwohnsiedlung La Castellane im 15. Arrondissement von Marseille, das als sozialer Brennpunkt mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität gilt. Hier wuchs Zidane mit seinen Brüdern Madjid (* 1963), Farid (1965–2019) und Nourredine (* 1967) und seiner Schwester, Lila (* 1969), in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater arbeitete u. a. als Lagerist und Nachtwächter, die Mutter kümmerte sich um den Haushalt. Sie erzogen ihre Kinder autoritär, was Zidane später als „Leitlicht“ seiner Karriere bezeichnete.
Über seine algerischen Wurzeln sagt er:
Als Kind war Zidane Straßenfußballer und spielte auf den Betonplätzen zwischen den Plattenbauten seiner Wohnsiedlung. 1982 trat er in die Jugendmannschaft des Nachbarschaftsvereins US Saint-Henri und anderthalb Jahre später in Sports Olympiques in Septèmes-les-Vallons ein. Zidane war Anhänger von Olympique Marseille und bezeichnete später die Spieler Blaž Slišković, Enzo Francescoli und Jean-Pierre Papin als seine Vorbilder. Während eines Auswahltrainings im regionalen Talentzentrum von Aix-en-Provence fiel der 14-jährige Zidane dem Talentscout Jean Varraud auf.
Nach einem erfolgreichen Probetraining ermöglichte Varraud ihm die Aufnahme in das Fußballinternat des Erstligisten AS Cannes. Aus Sorge um ihren jüngsten Sohn brachten die Eltern ihn zunächst nicht im Wohnheim des Klubs unter, sondern bei der Familie des Fußballfunktionärs Jean-Claude Élineau. Mit 16 Jahren bezog er ein Zimmer im regionalen Internat für Berufsschüler und lernte hier seine Ehefrau Véronique Lentisco-Fernandez (* 1971) kennen. Die Verantwortlichen der AS Cannes ließen ein Persönlichkeitsprofil ihres Nachwuchsspielers erstellen:
Zidane bemühte sich, seine „impulsive Art“ in den Griff zu bekommen, indem er mehrere Wochen lang die Umkleidekabine reinigte und schaffte schließlich den Sprung zum U-17-Nationalspieler.
Am vorletzten Spieltag der Saison 1988/89 (20. Mai 1989) feierte Zidane im Alter von 16 Jahren sein Profidebüt für die AS Cannes. Er kam zu einem Kurzeinsatz, als ihn Trainer Jean Fernandez in der Erstligapartie gegen den FC Nantes (1:1) nach 78 Minuten einwechselte. Die fällige Punktprämie in Höhe von 5.000 Francs (umgerechnet 800 Euro) schickte Zidane seinen Eltern. Obwohl der Nachwuchsspieler wenig später seinen ersten Profivertrag unterzeichnete, gelang es ihm zunächst nicht, sich durchzusetzen und er gehörte ein weiteres Jahr zum Kader der A-Jugend (U-19). Erst unter dem neuen Trainer Boro Primorac nahm seine Profikarriere Fahrt auf. Zidane spielte sich in der Startformation fest (28 Spiele, ein Tor) und ersetzte den erfahrenen Mittelfeldspieler Bruno Bellone, der den Klub vor der Saison verlassen hatte. Mit einer Mischung aus vielversprechenden Talenten wie Zidane und den Routiniers Yannick Stopyra und Luis Fernández war die AS Cannes die Überraschungsmannschaft der Saison 1990/91, die sich als Tabellenvierter sensationell für den UEFA-Pokal qualifizierte. Beim 2:1-Sieg über den FC Nantes am 10. Februar 1991 gelang ihm sein Premierentor in Frankreichs höchster Spielklasse und für den Treffer bekam Zidane vom Vereinspräsidenten einen Renault Clio geschenkt.
Gegen den portugiesischen Klub SC Salgueiros gab Zidane am 19. September 1991 in der 1. Runde des UEFA-Pokals sein internationales Debüt. Doch nach der überraschend starken Vorsaison brach die AS Cannes in der folgenden Spielzeit (1991/92) ein und stieg als Vorletzter in die Division 2 ab. Die Drachen blieben 18 Spiele in Folge sieglos. Zu den wenigen positiven Erscheinungen in dieser Krise zählte Zidane, der sein Ausnahmetalent aufblitzen ließ und sich endgültig zum Leistungsträger entwickelte (31 Spiele, 5 Tore). Den Abstieg indes vermochte der 20-Jährige nicht zu verhindern. Anschließend verließ Zidane seinen Ausbildungsverein und wechselte 1992 gemeinsam mit Éric Guérit und Jean-François Daniel zu Girondins Bordeaux. Zidanes Ablösesumme belief sich auf 3,5 Millionen Francs (rund 460.000 Euro). Ein Transfer zu Olympique Marseille war, trotz des Interesses von Eigentümer Bernard Tapie, nicht zustande gekommen.
Vereinspräsident von Girondins Bordeaux war der ambitionierte Unternehmer Alain Afflelou und nach dem Wiederaufstieg 1992 befand sich der Klub in einer Phase der sportlichen Neuorientierung. Zidane war der Wunschspieler von Trainer Rolland Courbis, der selbst aus Marseille stammt und dem schüchternen Neuzugang die Eingewöhnungszeit erleichterte. Courbis bezeichnete Zidane als „Tänzer am Ball“ und verpasste ihm aufgrund seiner eleganten Spielweise den Spitznamen „Zizou“ (weiße Katze). Der Vereinswechsel erwies sich als Glücksfall und Zidane gelang mit Bordeaux, für das er am 8. August 1992 gegen Olympique Lyon (0:0) sein Debüt gegeben hatte, der entscheidende Karriereschritt. Gemeinsam mit Christophe Dugarry und Bixente Lizarazu bildete er in den kommenden Jahren den Kern der Mannschaft, die sich zweimal in Folge als Viertplatzierter in der Spitzengruppe der Division 1 etablierte. Als mannschaftsdienlicher Spielmacher im zentralen, offensiven Mittelfeld war Zidane der dominierende Fixpunkt im Angriffsspiel und erreichte ein neues Level. Dabei überzeugte er durch seine einzigartige Technik, Übersicht und Spielintelligenz. Gepaart mit Disziplin und Trainingsfleiß machte er sein Spiel effektiver und konstanter. In seiner Premierensaison 1992/93 strahlte Zidane mit zehn Treffern zunehmend selbst Torgefahr aus und entwickelte sich zu einem Standardspezialisten, dem in seiner Zeit mit Bordeaux insgesamt zwölf Freistoßtore gelangen. Folgerichtig erhielt er 1994 die Auszeichnung als bester Nachwuchsspieler der französischen Liga. Doch auch sein Temperament zeigte sich, als er im Ligaspiel gegen Olympique Marseille am 18. September 1993 nach einer Tätlichkeit gegen Marcel Desailly erstmals eine Rote Karte erhielt und für zwei Spiele gesperrt wurde.
Nachdem sich der Transfer zum englischen Meister Blackburn Rovers zerschlagen hatte, markierte die Saison 1995/96 ein entscheidendes Jahr in Zidanes Karriere – ihm gelang der internationale Durchbruch. Seine letzte Spielzeit in Frankreich begann mit dem Sieg im UEFA Intertoto Cup gegen den Karlsruher SC, wodurch sich die Mannschaft für den UEFA-Pokal qualifizierte. Entgegen den vorherigen Jahren, als Bordeaux frühzeitig aus dem Wettbewerb ausgeschieden war, sorgte man für Furore und erreichte sensationell das Finale. Die wohl eindrucksvollste Partie war das Viertelfinal-Rückspiel am 19. März 1996 gegen die AC Mailand, der nach einer fulminanten Aufholjagd im heimischen Parc Lescure mit 3:0 besiegt wurde. Zidane hatte die beiden Vorlagen für den Doppeltorschützen Dugarry beigesteuert und den Beweis seiner internationalen Klasse erbracht. Gegen Betis Sevilla war ihm bereits ein sehenswerter Treffer per Lupfer aus etwa 40 Metern Entfernung gelungen. Allerdings kämpfte Bordeaux aufgrund fehlender Kadertiefe und der kräftezehrenden Europapokalspiele in der heimischen Liga lange gegen den Abstieg und erst unter Interimstrainer Gernot Rohr gelang als Tabellensechzehnter der Klassenerhalt. Im Finale des UEFA-Pokals gegen den favorisierten FC Bayern München verpasste Zidane das Hinspiel (0:2) gelbgesperrt, doch auch mit ihrem Spielmacher waren die Franzosen im Rückspiel chancenlos und verloren mit 1:3. Die Niederlage am 15. Mai 1996 war sein letztes Spiel für Girondins und trotz des enttäuschenden Abschneidens in der Division 1 wurde Zidane, der insgesamt 51 Pflichtspiele bestritten hatte, zu Frankreichs Spieler der Saison gewählt. In den Spielen gegen den FC Nantes (3:0) und den FC Metz (4:0) war Zidane erstmals als Doppeltorschütze erfolgreich. Wenig überraschend brach die Mannschaft nach der Saison auseinander: Dugarry und Lizarazu wechselten ins Ausland und insbesondere der 24-jährige Zidane zählte inzwischen zu den begehrtesten Spielern Europas, der Angebote zahlreicher Spitzenvereine erhielt. Bei den bevorstehenden Vertragsverhandlungen ließ er sich durch den Spielervermittler Alain Migliaccio vertreten, der bereits zahlreiche französische Nationalspieler betreute. Schließlich entschied sich Zidane für das Angebot des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin und unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag mit einem geschätzten Nettogehalt von 2,5 Millionen Euro. Die Ablösesumme belief sich auf 35 Millionen Francs (5,3 Millionen Euro).