Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien (bis März 2016 Zentrum für Kunst und Medientechnologie) ist eine Kulturinstitution, die 1989 von der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg gegründet wurde und sich seit 1997 in einem denkmalgeschützten Industriebau einer ehemaligen Munitionsfabrik in Karlsruhe befindet. Es richtet Sonderausstellungen und thematische Veranstaltungen aus, forscht und produziert zu den Auswirkungen der Medialisierung, Digitalisierung und Globalisierung und bietet öffentliche wie individuelle Vermittlungsprogramme an.
Das ZKM vereint unter seinem Dach Ausstellungsflächen, die Forschungsplattform Hertz-Labor sowie eine Media- und eine Bibliothek und bündelt auf diese Weise Forschung und Produktion, Ausstellungen und Veranstaltungen, Archiv und Sammlung. Damit agiert es an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und greift neue Erkenntnisse im Bereich neuer Technologien auf, um sie weiterzuentwickeln. Auf den Gründungsdirektor Heinrich Klotz, der im Juni 1999 verstarb, folgte ab dem 1. Januar 1999 Peter Weibel, der das ZKM ab 2002 zusammen mit Christiane Riedel leitete. Weibel starb am 1. März 2023 – wenige Wochen, bevor er am 31. März 2023 in den Ruhestand gehen sollte. Sein Nachfolger wurde zum 1. April 2023 der britische Kurator Alistair Hudson. Neben dem ZKM sind auch die mit ihm assoziierte Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe sowie das Kunstmuseum Karlsruhe im ehemaligen Munitionsfabrikgebäude untergebracht.
Die von Gründungsdirektor Heinrich Klotz 1992 formulierte Leitidee wurde in den Folgejahren umgesetzt und weiterentwickelt. Heute kennzeichnen vier Leitgedanken die Tätigkeit des ZKM.
Das ZKM ist ein Ort für alle Formen der Gegenwartskunst. Es ist eine Plattform für grenzüberschreitende Experimente zwischen den bildenden und performativen Künsten. Forschung, Produktion und Präsentation umfassen alle medialen Formen und Verfahren – von der Ölmalerei bis zur App, von der klassischen Komposition bis zum Sampling. Ausstellungen, Publikationen und Symposien eröffnen neue Perspektiven auf aktuelle Fragestellungen und haben die Setzung von innovativen, richtungsweisenden Themen zum Ziel.
Menschen aus aller Welt und jeden Alters sind eingeladen, am ZKM die Künste zu entdecken. Es ist ein offenes Haus, das seine Besucher zur aktiven Teilnahme, zum Austausch und zur Diskussion anregt. Akteure aller gesellschaftlichen Lebensbereiche – aus den Künsten, den Wissenschaften, der Politik, der Wirtschaft – werden zusammengeführt, um sich gemeinsam über wesentliche Fragen der Gegenwart und Zukunft auszutauschen.
Als ein Zentrum der Forschung und Entwicklung in Theorie und Praxis versammelt das ZKM Künstler und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen. Durch ungewöhnliche Methoden entstehen innovative künstlerische Werke, neues Wissen und zukunftsweisende Ideen.
Durch die Sammlung und Bewahrung von Kunstwerken und historischen Geräten sowie durch den Aufbau eines umfassenden Archivs zu den Künsten des 20. und 21. Jahrhunderts nimmt das ZKM seine Rolle als Bewahrer des kulturellen Erbes wahr. Besondere Bedeutung kommt dabei der Bewahrung der „digitalen Kunst“ zu.
Geschichte und ehemalige Institute
Die Gründung des Zentrums für Kunst und Medien geht auf die frühen 1980er-Jahre zurück. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Medien- und einer sich verändernden Kunstlandschaft schlossen sich 1986 Vertreter der Kommunalpolitik, der Universität, der Hochschule für Musik, des Kernforschungszentrums Karlsruhe und anderer Institutionen sowie Vertreter der Karlsruher Kunstszene zur „Projektgruppe ZKM“ zusammen. Im Februar 1988 legte die „Projektgruppe ZKM“ ihre inhaltliche Arbeit mit dem „Konzept 88“ vor, in welchem die Initiative für die Zusammenführung der Künste und der Neuen Medien in Theorie und Praxis beschrieben wurde.
Mit der Konstituierung eines Stiftungsrats im Jahr 1989 und der Berufung von Heinrich Klotz zum Gründungsdirektor wurde die Realisierung des ZKM konkret. Drei Daten markieren die Gründung des ZKM: der Beschluss des Gemeinderats Karlsruhe vom 9. Mai 1989, die Entscheidung des Ministerrats des Landes Baden-Württemberg vom 3. Juni 1989 und das Inkrafttreten der Satzung am 12. August 1989. Mit seiner Gründung logierte das ZKM zunächst in verschiedenen Gebäuden in der Stadt. Bis zum Bezug des heutigen Domizils fand alle zwei Jahre das Medienkunstfestival MultiMediale (MultiMediale 1–5, 1989–1997) an wechselnden Standorten statt.
Als endgültiger Standort war lange Zeit ein Gelände südlich des Karlsruher Hauptbahnhofs vorgesehen. Für einen Neubau dort wurde im März 1989 ein internationaler Architektenwettbewerb ausgeschrieben, aus dem der visionäre Entwurf des niederländischen Architekten Rem Koolhaas hervorging. Der Bau des sogenannten Koolhaas-Würfels wurde jedoch 1992 aus Kosten- und Raumgründen zugunsten eines Umbaus des alten Fabrikgebäudes aufgegeben. Karlsruhe entschied sich für die Umnutzung des sogenannten „Hallenbau A“, einer Industrieruine, die zwischen 1914 und 1918 von dem Architekten Philipp Jakob Manz als Waffen- und Munitionsfabrik erbaut worden war. Das in zehn Lichthöfe unterteilte und 312 Meter lange Gebäude lag auf dem ehemaligen Werksgelände der Industriewerke Karlsruhe Augsburg (IWKA), das seit den 1970er-Jahren als Industriebrache im Südwesten die Innenstadt von den angrenzenden Stadtgebieten trennte. Der Umbau sowie der Anbau eines den Koolhaas-Entwurf aufgreifenden blauen Medienkubus erfolgte ab 1993 nach Plänen des Hamburger Büros Schweger. Mit dem Einzug in den „Hallenbau A“ im Jahr 1997 verfügte das ZKM neben Studios und Instituten für Forschung und Produktion (Institut für Bildmedien, Institut für Musik und Akustik) auch über ein Medientheater, über Konzert- und Veranstaltungsräume, über eine Mediathek sowie über ein Medienmuseum. In einem zweiten Bauabschnitt wurden die Räumlichkeiten für das Museum für Neue Kunst (1999) und die mit dem ZKM assoziierte Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (Einzug 2001) fertiggestellt. 2004–2005 wurde das vormals eher autonome Museum für Neue Kunst ins ZKM re-integriert. Im März 2016 wurde das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Zentrum für Kunst und Medien umbenannt.
Das Medienmuseum war eine Abteilung des ZKM. Im Fokus des Museums, das 1997 in den Lichthöfen 8 und 9 der ehemaligen Munitionsfabrik eröffnet wurde, standen Geschichte und Kritik der Neuen Medien und wie sie bis dahin unser Leben geprägt haben. Computer, Telefon und Internet wurden als bedeutende Eingriffe in das gesellschaftliche und individuelle Leben ausgemacht, indem technische Komponenten zunehmend wichtiger wurden. Mit Medienkunstwerken und interaktiven Installationen hinterfragen Künstler und Wissenschaftler seit jeher medientechnologische Entwicklungen und Visionen. Das Medienmuseum rückte die Interaktion zwischen Mensch und Werk in den Vordergrund: Erst durch die Aktionen und Reaktionen der Besucher entstehen Kunstwerke – der Mensch wird selbst zum Bestandteil der Installation und kann auf diese Weise den Umgang mit neuen Technologien erkunden. Wechselausstellungen wie »net_condition. Kunst/Politik im Online-Universum« (September 1999 bis Februar 2000), »Iconoclash. Jenseits der Bilderkriege in Wissenschaft, Religion und Kunst« (Mai bis September 2002) oder »bit international« (Februar 2008 bis Januar 2009) fanden national wie international Beachtung.
Im Lichthof 8 steht einer der ersten Röhrenrechner, die Zuse Z22 mit der Seriennummer 13. Dieser Computer ist der älteste noch voll funktionsfähige und originalgetreu erhaltene Röhrenrechner der Welt.
2017 wurden die Abteilungen „Medienmuseum“ und „Museum für Neue Kunst“ in die neue Gesamtstruktur des ZKM integriert, da die Trennung der Kunstwerke nach Medien der zeitgenössischen künstlerischen und kuratorischen Praxis zunehmend widersprach.
Das Museum für Neue Kunst war eine Abteilung des ZKM, die sich von Dezember 1999 bis Ende 2016 in den Lichthöfen 1 und 2 der ehemaligen Munitionsfabrik befand. Auf 7.000 m² Ausstellungsfläche zeigte das sogenannte „Sammlermuseum“ Werke aus den Privatsammlungen FER, Grässlin, Siegfried Weishaupt, der Landesbank Baden-Württemberg, der VAF-Stiftung/MART sowie der Sammlung Boros (Wuppertal) zusammen mit Exponaten aus den Beständen der ZKM-Sammlung und weiteren kooperierenden Sammlungen. In Wechselausstellungen wurden vor allem Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu aktuellen Positionen der Gegenwartskunst präsentiert. Bis 2004 wurde das Museum für Neue Kunst unter der Leitung von Götz Adriani wie eine vom ZKM unabhängige Institution geführt. 2004 erfolgte die Reintegration der Abteilung in das ZKM.