Zbigniew Kazimierz Brzeziński () [ˈzbiɡɲɛf kaˈʑimjɛʐ bʐɛˈʑij̃skʲi] (* 28. März 1928 in Warschau; † 26. Mai 2017 in Falls Church, Virginia) war ein polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler und Politikberater.
Er war von 1966 bis 1968 Wahlkampf-Berater Lyndon B. Johnsons und von 1977 bis 1981 Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter. Er war Professor für US-amerikanische Außenpolitik an der School of Advanced International Studies (SAIS) der Johns Hopkins University in Washington, D.C., Berater am „Zentrum für Strategische und Internationale Studien“ (CSIS) in Washington, D.C. und Autor renommierter politischer Analysen. Daneben betätigte er sich als Unternehmensberater für mehrere große US-amerikanische und internationale Firmen.
Brzeziński wird zur realistischen Schule der Internationalen Politik gerechnet und steht geopolitisch in der Tradition Halford Mackinders und Nicholas J. Spykmans. Persönlich stand Brzeziński eher den Demokraten nahe. Er wurde oft gegen seinen konservativen „Rivalen“ Henry Kissinger abgegrenzt, obwohl die Gemeinsamkeiten größer waren als die Unterschiede.
Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen Diplomaten Tadeusz Brzeziński und dessen Frau Leonia Roman geboren. Seine Familie, die zum polnischen Adel gehörte, stammte aus Brzeżany in der heutigen Ukraine. Der Name der Stadt Brzeżany ist der Ursprung des Familiennamens.
Sein Vater Tadeusz Brzeziński war als Diplomat von 1931 bis 1935 in Deutschland tätig, danach von 1936 bis 1938 in der Sowjetunion, zur Zeit der Großen Säuberungen Josef Stalins. 1938 wurde er nach Kanada versetzt. Nachdem Polen in der Konferenz von Jalta am Ende des Zweiten Weltkrieges der sowjetischen Einflusssphäre zugesprochen worden war, konnte die Familie nicht sicher in ihre Heimat zurückkehren. Der Zweite Weltkrieg hatte eine nachdrückliche Wirkung auf Brzeziński, der in einem Interview feststellte, dass die außergewöhnliche Brutalität gegenüber den Polen seine Auffassung der Welt geprägt habe. Diese Erfahrung habe ihn für die Tatsache sensibilisiert, dass Weltpolitik zum großen Teil ein grundlegender Kampf sei.
Zbigniew Brzeziński verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Lille (Frankreich), Leipzig und Charkiw in der Ukrainischen SSR, bevor er mit seiner Familie nach Montreal in Kanada zog.
Nach dem Besuch der Loyola High School in Montreal studierte er 1945 an der McGill University, um 1949 seinen Bachelor- und 1950 den Master-Abschluss in Politikwissenschaft zu erwerben. In seiner Master-Thesis untersuchte er die unterschiedlichen Ethnien und Nationalitäten innerhalb der Sowjetunion.
Brzezińskis Plan, in Großbritannien ein Studium zur Vorbereitung einer diplomatischen Karriere in Kanada aufzunehmen, war nicht zu verwirklichen. Dies lag auch daran, dass nur britische Staatsbürger stipendienberechtigt waren. Brzeziński studierte daraufhin an der Harvard University bei Merle Fainsod und promovierte 1953 über die Sowjetunion und die Zusammenhänge von Oktoberrevolution, Lenins Staatsmodell und der Politik Josef Stalins.
Im selben Jahr reiste er nach München und traf Jan Nowak-Jeziorański, den Leiter der polnischen Abteilung von Radio Free Europe.
Später arbeitete er auch mit Carl J. Friedrich zusammen, um ein Konzept von Totalitarismus zu entwickeln. Dies half ihm 1956, die sowjetische Politik genauer und wirkungsvoller darzustellen und zu kritisieren.
Als Harvard-Professor kritisierte er Dwight D. Eisenhowers und John Foster Dulles’ Politik des Rollback: Der Antagonismus werde Osteuropa stärker zur Sowjetunion drängen. Der Aufstand vom Dezember 1970 in Polen mit dem Polnischen Oktober und der Ungarische Volksaufstand im Jahre 1956 bestätigten Brzezińskis Vorstellung von einer graduellen Abschwächung der sowjetischen Vorherrschaft durch die Osteuropäer. 1957 besuchte er Polen zum ersten Mal seit seiner Kindheit. Der Besuch bestätigte sein Urteil über die tiefen Spaltungen innerhalb des Ostblocks. Er entwickelte hieraus sein Programm des „peaceful engagement“, worunter er einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa verstand, den er gegen das sowjetische Verständnis „friedlicher Koexistenz“ abgrenzte.
1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Trotz jahrzehntelangen Aufenthalts in Kanada und der dortigen Anwesenheit von Familienmitgliedern wurde er niemals kanadischer Staatsbürger.
Als Brzeziński 1959 keinen Lehrstuhl in Harvard bekam, zog er nach New York City, um an der Columbia University zu lehren. Hier schrieb er sein Werk Soviet Bloc: Unity and Conflict, das Osteuropa seit Beginn des Kalten Krieges thematisierte. Er war auch Hochschullehrer der späteren US-Außenministerin Madeleine Albright, die wie seine Ehefrau tschechischer Abstammung ist. Er war auch Albrights Mentor während ihrer frühen Jahre in Washington. Er wurde Mitglied des Council on Foreign Relations in New York und nahm an der Bilderberg-Konferenz teil.
Während der Präsidentenwahl 1960 war Brzeziński Berater im Wahlkampfteam John F. Kennedys. Er drängte auf eine nicht-antagonistische Politik gegenüber osteuropäischen Regierungen. Angesichts der politischen und ökonomischen Stagnation sah er den folgenden Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Bruchlinien zutreffend voraus, womit er den Ansatz seiner Master-Thesis weiter ausbaute.
Brzeziński unterstützte die Entspannungspolitik während der folgenden Jahre. Er publizierte seine Programmschrift Peaceful Engagement in Eastern Europe in Foreign Affairs und unterstützte eine nicht-antagonistische Politik nach der Kubakrise. Er begründete dies damit, dass diese Politik den osteuropäischen Ländern die Angst vor einem aggressiven Deutschland nehmen und außerdem Westeuropäer besänftigen könnte, die sich wegen möglicher Kompromisse der Supermächte im Sinne der Konferenz von Jalta Sorgen machten.
1964 unterstützte Brzeziński Lyndon B. Johnsons „Great-Society“-Programm und die Gesetzesvorschläge der Bürgerrechtsbewegung, während er andererseits nach Chruschtschows erzwungenem Rücktritt den völligen Verlust an Kreativität auf Seiten der politischen Führung der Sowjetunion konstatierte. Durch Vermittlung von Jan Nowak-Jeziorański traf Brzeziński mit Adam Michnik zusammen, dem damaligen Kommunisten und zukünftigen Aktivisten der polnischen Gewerkschaftsbewegung.
Brzeziński unterstützte Verbindungen mit den osteuropäischen Regierungen, warnte dabei aber vor de Gaulles Vision eines „Europa vom Atlantik bis zum Ural“. Er befürwortete den Vietnamkrieg. 1966 bis 1968 diente Brzeziński als Mitglied des Planungsstabes des State Departments. Präsident Johnsons Rede zum Thema „Bridge Building“ vom 7. Oktober 1966 war das Ergebnis von Brzezińskis Einfluss.
Die Ereignisse in der Tschechoslowakei verstärkten Brzezińskis kritische Einstellung zur aggressiven Haltung der Republikaner gegenüber osteuropäischen Regierungen. Seine Dienste für die Regierung Lyndon B. Johnsons während des Vietnamkrieges machte ihn zum Feind der US-amerikanischen Neuen Linken, obwohl er die Deeskalation des US-amerikanischen Militäreinsatzes befürwortete.