Zarah Leander /ˌt͡sɑːra leˈandəɹ/ oder /ˌsɑːra leˈandəɹ/ (bürgerlich Sara Stina Leander; * 15. März 1907 in Karlstad; † 23. Juni 1981 in Stockholm), verheiratete Sara Stina Hülphers, war eine schwedische Schauspielerin und Sängerin. Sie wirkte als Filmschauspielerin überwiegend im nationalsozialistischen Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie verstärkt als Bühnensängerin und gab Konzerte in Schweden, Deutschland und Österreich.
Zarah Leander wurde als Sara Stina Hedberg als Tochter des Kaufmanns und Grundstücksmaklers Anders Lorentz Sebastian Hedberg (1872–1929) und seiner Frau Mathilda Ulrika, geb. Wikström, (1872–1959) in Karlstad geboren. Sie hatte zwei ältere Brüder (Jonas und Ante) und drei jüngere (Sigvard, Gustaf und Bror). Sigvard starb kurz nach seiner Geburt. Gustaf wurde ebenfalls Schauspieler und Sänger. Eine Urgroßmutter aus der väterlichen Linie stammte aus Hamburg.
Ihr Vater hatte in Leipzig Orgelbau und Musik studiert. Durch den Einfluss ihres deutschen Kindermädchens und ihres deutschen Klavierlehrers war sie bereits früh mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut. Ab 1911 erhielt sie Unterricht in Violine sowie Klavier und trat mit sechs Jahren bei einem Chopin-Wettbewerb auf. Bis 1922 besuchte Zarah Leander ein Gymnasium und ging anschließend nach Riga, wo sie fließend Deutsch zu sprechen lernte.
Zarah Leander hatte nie Gesangs- oder Schauspielunterricht.
Beginn der Karriere als Sängerin und Schauspielerin
Bereits 1926 bemühte sich Leander erfolglos um die Aufnahme in die Königliche Schauspielschule Stockholm. Bei dieser Gelegenheit lernte sie ihren späteren ersten Ehemann, den Schauspieler Nils Leander, kennen. Nils Leander half ihr, an einige zunächst recht unbedeutende Theaterrollen zu kommen. 1928 stand sie in einer Operette gemeinsam mit ihrem Mann auf der Bühne.
Im Jahr 1929 sang sie bei dem schwedischen Revuekönig Ernst Rolf mit ihrer prägnanten Kontra-Alt-Stimme vor. Am 27. Oktober sprang sie für die erkrankte Margit Rosengren mit dem Lied Wollt ihr einen Star sehen ein. Ernst Rolf kündigte mit folgenden Worten seinen neuen Star an:
„Sie ist so talentiert, dass ich nicht die Kraft hatte, nein zu sagen. Sie heißt Zarah Leander, und diesen Namen muss man sich merken.“
Mit der Schallplattenfirma Odeon schloss sie einen Vertrag ab und nahm bis 1936 80 Lieder auf. Von 1929 bis 1935 wirkte Zarah Leander gemeinsam mit Karl Gerhard in zahlreichen Revuen mit und drehte in Schweden drei Spielfilme.
Von 1926 bis 1932 war sie mit dem Schauspieler Nils Leander verheiratet und hatte mit ihm zwei Kinder (die Tochter Boel, 1927–2022, und den Sohn Göran, 1929–2010). In zweiter Ehe war Leander von 1932 bis 1948 mit dem Journalisten Vidar Forsell verheiratet, der beide Kinder adoptierte, die somit seinen Nachnamen annahmen. 1956 schließlich heiratete sie in dritter Ehe den Kapellmeister und Jazzpianisten Arne Hülphers, der sie seit 1952 musikalisch begleitete.
Durchbruch in Wien und erster Film in Österreich
Durch Max Hansen kam Zarah Leander nach Wien. Ihren Durchbruch hatte sie dort am 1. September 1936 anlässlich der Uraufführung des Singspiels Axel an der Himmelstür von Ralph Benatzky im Theater an der Wien. Leander spielte und sang darin die weibliche Hauptrolle, Gloria Mills, eine Persiflage auf Greta Garbo. Leander erntete hymnische Kritiken, ihr wurde von Franz Lehár gratuliert, mehr als 62 Mal wurde sie vor den Vorhang gerufen. Als Partner Leanders und Hansens in dieser Inszenierung waren Paul Morgan, Otto Wallburg und Heidemarie Hatheyer zu sehen. Für Leander war dies das vorerst letzte Bühnenengagement, erst 1958 war sie – erneut in Wien – wieder am Theater zu sehen.
Parallel zu ihrem Theaterengagement drehte sie ihren ersten österreichischen und zugleich ersten deutschsprachigen Film. Unter der Regie von Géza von Bolváry spielte sie in Premiere, einem im Revuemilieu spielenden Krimimelodram, eine Hauptrolle. Leanders Partner waren dabei unter anderen Karl Martell, Theo Lingen, Attila Hörbiger, Carl Günther, Maria Bard und Walter Steinbeck.
Karriere als Filmstar und Sängerin in der NS-Zeit
Am 28. Oktober 1936 unterzeichnete Leander einen Vertrag mit der deutschen Filmproduktionsfirma UFA zu günstigen Konditionen: So durfte sie ihre Drehbücher selbst auswählen, und mehr als die Hälfte jeder Gage wurde in schwedischen Kronen ausgezahlt. Ihre Kontra-Alt-Stimme faszinierte und irritierte die Kritiker gleichermaßen, wie etwa den folgenden Äußerungen zu entnehmen ist: „dunkel […] fast ein Bariton“; eine „Stimme von fast männlicher Färbung“; „sie kann so wuchtig klingen wie der Ton einer Orgel“, eine „unsagbar weiche Stimme, die wie ein tiefer, warmer Strom die Hörer umfließt“.
Von 1937 bis 1943 entstanden ihre bekanntesten Filme, Zu neuen Ufern (1937), La Habanera (1937), Heimat (1938), Es war eine rauschende Ballnacht (1939), Der Weg ins Freie (1941, Regie: Rolf Hansen), Die große Liebe (1942), Damals (1943), einige davon unter der Regie von Carl Froelich.
Zarah Leander stieg zum höchstbezahlten weiblichen Filmstar im nationalsozialistischen Deutschland auf, und ihre Filme wurden eine wesentliche Stütze der nationalsozialistischen Filmpolitik. Der Reichspropagandaminister, Joseph Goebbels, schrieb am 6. Oktober 1937 in sein Tagebuch: „Die Geschäftserfolge mit ihr sind enorm.“ Auch Adolf Hitler mochte sie sehr, wie sein Leibdiener im Interview erzählte. Fotos, die sie mit ihm zusammen bei einem öffentlichen Anlass zeigen, gibt es jedoch nicht, und die höchste Ehre für eine Darstellerin im Deutschen Reich, zur Staatsschauspielerin ernannt zu werden, lehnte sie ab. Sie blieb schwedische Staatsbürgerin und bezeichnete sich, obwohl sie unter anderem in dem NS-Propaganda-Film Die große Liebe mitgewirkt hatte, nach Ende des Zweiten Weltkrieges stets als unpolitische Künstlerin. Lange Zeit gab es Gerüchte, dass sie eine Spionin gewesen sei. Laut Dokumenten des schwedischen Geheimdienstes könnte sie eine sowjetische Spionin gewesen sein. Pawel Sudoplatow, ein hoher Offizier des sowjetischen Geheimdienstes, berichtet in seinen Memoiren, dass Zarah Leander vom sowjetischen Geheimdienst schon vor dem Krieg angeworben worden sei und den Kodenamen ,Rose-Marie' getragen habe. Nach ihrem letzten Drehtag am 10. November 1942 verließ sie Deutschland und kehrte auf ihr Gutshaus Lönö nach Schweden zurück. Auch in Schweden hatten ihre deutschen Filme eine gewisse Popularität.
Nachkriegszeit und weitere Karriere