Zachary Taylor (* 24. November 1784 in Barboursville, Orange County, Virginia; † 9. Juli 1850 in Washington, D.C.) war der zwölfte Präsident der Vereinigten Staaten. Er amtierte vom 4. März 1849 bis zu seinem Tod und war nach William Henry Harrison der zweite Präsident, der während seiner Amtszeit verstarb.
Taylor wurde in eine wohlhabende Pflanzer-Familie geboren und wuchs im Grenzland, der „Frontier“, von Kentucky auf. Wie sein ältester Bruder entschied sich Taylor für die Laufbahn als Offizier und trat 1808 der United States Army bei. Daneben bewirtschaftete er eigene Plantagen und betätigte sich als Bodenspekulant, so dass er am Lebensende über bedeutenden Wohlstand verfügte. Als militärischer Führer machte er erstmals während des Britisch-Amerikanischen Kriegs auf sich aufmerksam, als er 1812 Fort Harrison gegen einen Angriff von Indianern verteidigte. Nach kurzzeitiger Entlassung aus der Armee nach dem Krieg folgten mehrere dienstliche Verwendungen in der „Frontier“. In den 1830er Jahren kämpfte Taylor im Black-Hawk-Krieg und im Zweiten Seminolenkrieg, wo er 1837 bei Okeechobee die einzige offene Feldschlacht in diesem Konflikt herbeiführte. Danach kommandierte er einen das Indianerterritorium umfassenden Militärbezirk, der am Ende des Pfades der Tränen lag. Während des Mexikanisch-Amerikanischen Kriegs führte er eine eigene Armee, mit der er die Siege bei den Schlachten von Buena Vista, Palo Alto und Monterrey errang, was ihn zum Nationalhelden machte und 1847 die Beförderung zum Generalmajor einbrachte.
Im Jahr 1848 nominierte ihn die Whig Party zu ihrem Präsidentschaftskandidaten, nicht zuletzt weil sie mit Taylors Kriegsruhm ihre eigene Opposition gegen den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg vergessen machen wollte. Folgerichtig führten die Whigs einen personalisierten, ausschließlich auf Taylor fokussierten Wahlkampf und verzichteten auf ein Programm. Bei der Wahl setzte er sich gegen den Demokraten Lewis Cass durch. Beherrschendes Thema seiner von politischer Unerfahrenheit gekennzeichneten Präsidentschaft war die Sklavenfrage, die die Debatte über die Aufnahme von New Mexico, Kalifornien und Utah in die Union bestimmte. Taylor umgab sich mit einem Kabinett, dem es an Einfluss auf den Kongress fehlte, und er selbst zeigte wenig Bemühen, sich eine Basis in Repräsentantenhaus oder Senat zu verschaffen. Er näherte sich während seiner Amtszeit immer mehr dem abolitionistischen Nordstaaten-Flügel der Whigs an und entfremdete sich von den Pflanzern der Südstaaten. Noch bevor dieser Konflikt im Kompromiss von 1850 vorübergehend beruhigt werden konnte, starb Taylor nach nur 16 Monaten im Amt. Die größte von nur wenigen Errungenschaften seiner historiographisch überwiegend negativ bewerteten Amtszeit war der Abschluss des Clayton-Bulwer-Vertrags. Außerdem wird Taylors standfeste Verteidigung der Union gegenüber ersten Sezessionsbestrebungen der Sklavenstaaten positiv hervorgehoben.
Taylor kam am 24. November 1784 auf der Plantage Montebello im Orange County in Virginia als drittgeborener Sohn und eines von insgesamt neun überlebenden Kindern von Richard Taylor (1744–1829) und Sarah Dabney Taylor (1760–1822), geborene Strother, zur Welt. Der Geburtsort lag nahe Montpelier, dem Landsitz des späteren Präsidenten James Madison, der sein Cousin 2. Grades war. Taylors Vater war während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Offizier in der Kontinentalarmee, zeitweise Abgeordneter in der Virginia General Assembly und Mitglied einer der bedeutendsten Pflanzer-Familien des Bundesstaates, die seit 150 Jahren in Amerika lebte. 1779 heiratete er eine Frau, die ebenfalls aus wohlhabenden Verhältnissen stammte. Für seinen Offiziersdienst erhielt er eine umfangreiche Landschenkung nahe Louisville in Kentucky. Da Taylors Plantage in der Tidewater-Region kleiner war und durch übermäßigen Tabakanbau der Boden auslaugte, entschloss er sich zum Umzug. Für eine erste Erkundung ließ er die schwangere Frau mit beiden Söhnen in Virginia bei einem Cousin zurück, wo schließlich Zachary Taylor geboren wurde. Nachdem der Vater das Land bei Louisville in Besitz genommen und für die Besiedlung vorbereitet hatte, holte er nach sieben Monaten die Familie nach. Im August 1785 bezogen die Taylors schließlich die wenige Kilometer östlich von Louisville am Beargrass Creek liegende, 160 Hektar große Plantage Springfield.
Taylor wuchs im damaligen Grenzland der Vereinigten Staaten, der in den Augen der Siedler durch „Wildnis“ geprägten „Frontier“ auf. Die im weiteren Sinne europäischen Siedler sahen sich im Recht, diese Wildnis zu bewohnen und ökonomisch nutzbar zu machen, und dabei den Indigenen auch gegen ihren Willen die von Gott gewollte Ordnung und Kultur zu bringen. Dabei fassten sie die Indianer als heidnische Wilde auf, die es zu bekehren galt. Diese hingegen sahen das Vordringen der Siedler als einen Angriff auf ihre Rechte und ihre wirtschaftlich-kulturellen Grundlagen an. Die zugewanderten Bewohner mussten aus diesem Grund bis zum Sieg von Anthony Wayne in der Schlacht von Fallen Timbers im Jahr 1794 immer wieder mit Angriffen dieser Wilden rechnen und sich, was für Europäer inzwischen ungewohnt war, vor gefährlichen und häufig unbekannten Tieren in Acht nehmen. So lernte Taylor früh, wie spätere Historiker mutmaßten, mit Bedrohungslagen umzugehen. Obwohl der Vater Friedensrichter und Abgeordneter in der State Legislature war und als Bodenspekulant bald über erheblichen Grundbesitz verfügte, genoss Taylor nur eine spärliche Schulbildung. Lesen und Schreiben erlernte er, wie in der dünn besiedelten „Frontier“ üblich, von der Mutter. Schwerpunkt der Erziehung war die praktische Ausbildung in Plantagenwirtschaft und Selbstversorgung. Taylor wurde später zu einem fähigen Pflanzer und gewitzten Geschäftsmann. Neben seiner militärischen Karriere erwirtschaftete er in längeren Phasen der Dienstbefreiung bedeutenden Wohlstand in Form von Grundbesitz. Taylor maß der Bildung seiner Kinder einen hohen Wert bei.
Spätestens als der älteste Bruder William im Februar 1807 den Dienst als Artillerieoffizier antrat, erwachte Taylors Interesse an einer militärischen Laufbahn. Zur Zeit seiner Bewerbung bestand wegen der Chesapeake-Leopard-Affäre akute Kriegsgefahr mit dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland, weshalb die United States Army um annähernd das Dreifache vergrößert wurde. Aufgrund dieses enormen Aufwuchses erhielt Taylor sofort ein Offizierspatent mit einer Verpflichtungszeit von fünf Jahren. Im Mai 1808 wurde er als Oberleutnant in das 7. Infanterieregiment eingestellt und entwickelte sich im Weiteren zu einem Vorgesetzten, der bei Äußerlichkeiten wie zum Beispiel Stil und Uniform ungezwungen bis zur Nachlässigkeit war, aber mit strenger Hand führte und das Kriegshandwerk verinnerlichte. Das Regiment stand unter dem Kommando von Oberst William Russell und wurde gerade aufgestellt. Taylor wurde nach Washington und Maysville in Kentucky abgeordnet, um dort Freiwillige zu werben. Bis April 1809 hatte er eine Kompanie rekrutiert und schiffte sich mit ihr nach New Orleans ein, um die Truppen von Brigadegeneral James Wilkinson zu verstärken. Gesundheit und Moral der dort stationierten Soldaten war wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen und der Nähe zum Nachtleben von New Orleans, das mit Alkoholismus und Geschlechtskrankheiten einherging, in einem äußerst besorgniserregenden Zustand.
Schließlich ordnete Kriegsminister Henry Dearborn den Abzug aus New Orleans nach Natchez an. Trotzdem verlegte Wilkinson mit seinen Truppen im Juni nur ungefähr 20 km flussabwärts des Mississippi nach Terre aux Boeufs im heutigen St. Bernard Parish. Das Lager wurde in einer sumpfigen Ebene aufgeschlagen, die sich einen Meter unter dem Flussniveau erstreckte, und litt unter mangelhafter Lebensmittelversorgung. Insbesondere die Soldaten aus Kentucky, die zuvor in ihrer Heimat noch einen extrem kalten Winter erlebt hatten, litten unter hoher Sterblichkeit. Wie viel Taylor von dieser Episode mitbekam ist unklar, da er im Mai und Juni das Kommando über Fort Pickering nahe Memphis innehatte und seine Rückkehr nach New Orleans fraglich ist. Eine Überlieferung besagt, dass er in Terre aux Boeufs an Gelbfieber erkrankte und zur Erholung in den Heimaturlaub entlassen wurde. Gesichert ist sein Aufenthalt in Louisville ab September; während dieser Zeit lernte er im benachbarten Jefferson County seine spätere Frau Margaret Mackall Smith kennen. Wie auch immer blieb ihm das Schicksal vieler seiner Kameraden erspart, von denen knapp die Hälfte gestorben war, bis Wilkinson schließlich im September Natchez erreichte.